26.03.2020 - 07:58

Carsharing: Küssen verboten?

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Das Auto teilen ist kein neues Thema. Aber im Auto nicht küssen zu dürfen, das ist schon neu. Insofern ist Carsahring vielleicht hier und da für Liebespaare etwas unpraktisch. Zumindest, wenn man im Kleingedruckten einiger Sharing-Anbieter nach dem Versicherungsschutz schaut.

Carsharing nutzen statt Privatwagen anschaffen? Dieser Frage stellen sich insbesondere jüngere Menschen immer häufiger. Allein der Aufwand für die Nutzung ist geringer, denn in Deutschland etabliert sich zunehmend das App-basierte Carsharing. Das Prinzip „Gemeinschaftsauto“ bietet laut einer Statistik des Bundesverband CarSharing e.V. aktuell bereits mehr als 2,26 Millionen Nutzern in Deutschland die Möglichkeit, sich mit einem Fahrzeug in der Stadt zu bewegen – ohne ein eigenes Auto zu besitzen. Die Autos können dabei je nach Anbieter an einer Station oder im sogenannten „free-floating“, also dort, wo der letzte Mieter geparkt hat, angemietet werden. Keine Wartezeiten, bequeme Bezahlung per Kreditkarte und kein Papierkram. Doch genau da soll der Hase gelegentlich im Pfeffer liegen.

Das Versicherungsstartup Nexible hat sich den Versicherungsschutz der App-basierten Carsharing-Services mal näher angeschaut. Eine Marktanalyse förderte einige schräge Passagen im Kleingedruckten der Vertragsunterlage zu tage. So gelten oft schon alltägliche Situationen wie das Küssen im Auto oder das Tragen von ungeeigneten Schuhen bereits als „grobe Fahrlässigkeit“.

„Carsharing ist ein junger, umkämpfter Markt. Trotz erster Konsolidierungen und einem klaren Platzhirschen wird immer noch mit extrem dünn kalkulierten Margen gearbeitet – das beinhaltet und beeinflusst natürlich auch die Versicherungsleistungen. Die Vertragsbedingungen sollten daher unbedingt gelesen werden, auch wenn es Zeit kostet“, meint John-Paul Pieper, CEO von Nexible.

Selbstbeteiligung

Bei allen großen Carsharing-Anbietern sind die Kunden sowohl haftpflicht- als auch kaskoversichert. Die Kosten der Versicherungen sind mit den jeweiligen Mietpreisen abgedeckt, sollte ein Unfall passieren, müssen die Mieter allerdings in Form einer Selbstbeteiligung für die Reparatur- und Schadenkosten mit aufkommen. Ein Prinzip, das man von sämtlichen Autovermietern oder der Versicherung für das eigene Auto kennt.

Die Preise für die Kostenbeteiligung beim Carsharing liegen bei den verschiedenen Anbietern zwischen 350 und 2000 Euro. Bei manchen können Schutzpakete gebucht werden, um die Selbstbeteiligung zu verringern, bei anderen passiert dies automatisch. Besonders bei Miles Mobility sollten Fahranfänger aufpassen, meint das Team von Nexible, denn hier soll es für Straßenverkehrsneulinge eine saftig erhöhte Selbstbeteiligung geben.

Details

Anders als Verkehrsunfälle sind sogenannte Betriebsschäden und Fälle grober Fahrlässigkeit bei vielen Anbietern nicht mitversichert. Auch hier heißt es genau hinzuschauen, denn was zuerst nach weniger wichtigen Sonderfällen klingt, entpuppt sich auf den zweiten Blick als recht lange Liste von Alltagssituationen. Wer zum Beispiel beim Parken am Hang vergessen hat, die Handbremse anzuziehen, wird bei vielen Carsharing-Anbietern selber zur Kasse gebeten. Auch wer einen Unfall verursacht, weil an der Ampel geknutscht wurde, muss damit rechnen, die kompletten Kosten des Schadens zu tragen. Ebenfalls weniger bekannte Beispiele für grobe Fahrlässigkeit sind das Ausziehen eines Kleidungsstückes an der Ampel, das Tragen von ungeeigneten Schuhen oder die Bedienung des Navis oder anderer technischer Geräte am Steuer. Passiert ein Unfall außerhalb des Geschäftsgebietes, soll zum Beispiel der Anbieter Sharenow zudem die Kosten des Rücktransportes von seinen Nutzern verlangen, erklärt Nexible.

Schäden am Sharing-Auto – wer haftet? 
Sollte eine E-mail vom Carsharing Anbieter über einen Schaden, den man selber nicht verursacht hat, ankommen, heißt es Ruhe bewahren. Fahrer haften nur, wenn sie selber für den Schaden verantwortlich sind – und das muss der Autoverleiher auch nachweisen. Um zeitaufwändigen Korrespondenzen vorzubeugen, lohnt es sich, vor der Miete den Zustand des Autos kurz ins Auge zu fassen. „Mittels App kann man Schäden, die das Gefährt schon vor Fahrtantritt aufweist, meist unkompliziert melden. Im Zweifelsfall hilft es auch, ein Foto des Schadens mit dem Handy aufzunehmen, erklärt Nexible-Chef John-Paul Pieper abschließend. „Am Beispiel von Carsharing lässt sich das allgemeine Problem der fehlenden Transparenz bei Versicherungen erkennen. Dabei ist besonders im Schadensfall eine transparente Kostenaufstellung und Klarheit bei der Schadensregulierung für den Kunden oberste Priorität“. Die digitale Versicherung Nexible hat ihr Geschäftsmodell auf dieser Problematik aufgebaut und bietet ein Produkt an, das jeder Autobesitzer benötigt, aber das so einfach wie möglich ist.

Versicherungsschutz der Anbieter im Überlick

Nexible hat für Carsharer folgende Punkte herausgearbeitet:

Sharenow: Kfz-Haftpflichtversicherung mit Haftungsbeschränkung auf eine Selbstbeteiligung für kleine Autos 500 Euro (Smarts) für mittlere und große Autos (Mercedes, BMW) bei 1.000 Euro. Durch ein Schutzpaket von 1 Euro verringert sich die Selbstbeteiligung bei manchen Autos auf 750 Euro. Es gibt laut AGB keine Fahranfängerregelung.“

Miles Mobility: Kfz-Haftpflichtversicherung mit Haftungsbeschränkung auf eine Selbstbeteiligung, die für kleine und mittlere Fahrzeuge 350 Euro und für große Fahrzeuge 450 Euro beträgt. Eine erhöhte Selbstbeteiligung von 2.000 Euro wird für Fahranfänger fällig.“

We-Share: Laut FAQ bietet We-Share eine Versicherung die einem Vollkaskoschutz entspricht. Bei jeder Miete wird ein Schutzpaket von 1 Euro automatisch gebucht, dadurch reduziert sich die Selbstbeteiligung von 1.050 Euro auf 450 Euro. Eine Regelung für Fahranfänger gibt es nicht.“

Sixt Share: Hier sind Nutzer mittels Vollkasko- und Diebstahlschutz abgesichert. Die Selbstbeteiligung beläuft sich auf 950 Euro, die sich durch ein Schutzpaket auf 450 Euro minimieren lässt. Es beläuft sich auf 3 Cent pro Minute extra.“

Editor: Jens Stoewhase mit Pressematerial der nexible GmbH

Autor: jst

– PODCAST –

Wir starten mit einer neuen Staffel unseres Podcasts und freuen uns über unseren Partner Bosch Service Solutions GmbH. Für den Auftakt dieser Staffel, die 10 Folgen umfassen wird, sprechen dann auch direkt mit Arne Schönfeld. Er ist Head of Sales & Marketing für die DACH-Region bei Bosch Service Solutions. Was müssen die Services rund um die Mobilität leisten und welche Rolle spielt dabei ein Restaurant samt passendem Blumenstrauß? Das beantwortet Arne Schönfeld in der aktuellen Podcast-Folge.
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