27.10.2020 - 08:25

Jobmotor Flughafen in Gefahr

Jobmotor Flughafen – laut dem Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) e.V. ist ein Rettungsschirm für die Flughäfen dringender denn je erforderlich. Der Passagierrückgang im Zuge der Coronakrise hält an.

Die nicht enden wollende Corona-Krise spitzt die Lage an den deutschen Verkehrsflughäfen zu. Massiv weggebrochene Flugverbindungen haben den Luftverkehr in den letzten Monaten fast bis zum Nullpunkt geführt. Bei einem anhaltenden Passagierrückgang von über 80 % ist eine Trendwende nicht in Sicht. Selbst die Herbstferien haben diese negative Entwicklung nicht verändert. Im Gegenteil – es kam schlimmer als befürchtet: Das Passagieraufkommen an den deutschen Flughäfen lag lediglich bei 17 % im Vergleich zum Vorjahr. Die negativen wirtschaftlichen Folgen sollen immer stärker spürbar werden, heißt es von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) e.V. Für das Gesamtjahr 2020 wird demnach ein Einnahmerückgang von 3,6 Mrd. EUR erwartet und 2,6 Mrd. EUR für das Jahr 2021 erwartet. An den Flughafenstandorten droht laut ADV einem Viertel der über 180.000 Arbeitsplätze das Aus. Das betrifft sowohl Beschäftigte des Flughafens als auch den dort ansässigen Einzelhandel und die Luftfahrtindustrie.

Was die Umwelt und das Klima freut, ist jedoch wirtschaftlich ein Totalschaden. Immerhin generieren die deutschen Flughäfen insgesamt eine Bruttowertschöpfung von jährlich 27 Mrd. EUR. Dabei sind sie als Standort- und Wirtschaftsfaktor für die Volkswirtschaft bisher von zentraler Bedeutung und oft ein Wachstumsgeber in den Regionen. Durch die Pandemie-Krise drohen die Flughäfen als Job- und Wertschöpfungsmotor wegzubrechen.

„Der von der Bundesregierung angekündigte Luftverkehrsgipfel am 6. November 2020 kommt zur rechten Zeit, um den Schaden für Arbeitnehmer und Flughäfen zu begrenzen“, so Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV. „Was wir brauchen, ist ein politisches Handlungspaket, dass Mobilität im Luftverkehr aufrechterhält und die Flughäfen aus der wirtschaftlichen Sackgasse führt. Die Verluste belaufen sich für das Jahr 2020 und 2021 insgesamt auf rund 3 Milliarden EUR. Diese Jahresfehlbeträge müssen abgefedert werden“, so Beisel weiter.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte vorab mitgeteilt, dass er ein „Hilfskonzept für die Flughäfen“ vorzulegen gedenkt. Notwendig scheint es allemal: Allein während des Lockdowns sind den Flughäfen Vorhaltekosten für die Bereitstellung der Infrastruktur von knapp 740 Mio. EUR entstanden. „Ohne Zugang zu frischem Kapital drohen ein zwangsläufiger Stellenabbau und zahlreichen Flughäfen die Insolvenz. Ein erster hilfreicher Schritt wäre der Ausgleich dieser Vorhaltekosten durch Bund und Länder“, fordert Beisel abschließend.

Insgesamt gesehen, sind Flughäfen oft auch ein wichtiger Faktor in der Wertschöpfungskette anderer Mobilitätskonzepte. Ob nun ÖPNV-Anbindung, Limousinenservice oder Taxi, Mietwagengeschäft oder Carsharing – Airports boten bisher Anlass, um entsprechende Services zu nutzen. Aus klimapolitischer Perspektive sind Flughäfen zwar ein Problem, allerdings muss man ihrem volkswirtschaftlichen Gewicht Rechnung tragen und neue Lösungen finden, wenn man hier nachhaltige Veränderungen umsetzen will. Der nun hoffentlich bald ehemalige Berliner Flughafen Tegel könnte als Projekt zeigen, wie ein Flughafen nach seiner Erstnutzung tatsächlich sinnvoll umgenutzt wird.

Foto: Dominic Wunderlich auf Pixabay

Autor: jst

– ANZEIGE –



Aktuelle Termine

IT-TRANS - IT for Public Transport

Zum Termin

Kompaktwissen KFZ-Elektronik

Zum Termin

Automotive Ethernet

Zum Termin
Gefunden bei intellicar.de
https://intellicar.de/the-last-bit/86499/
27.10.2020 08:41