TESTS & SCIENCE

13.Mai 2019

Platooning-Tests auf der A9 erfolgreich abgeschlossen


Platooning-Tests auf der A9 erfolgreich abgeschlossen

© Deutsche Bahn AG / Josef Hoelzl

Sieben Monate lang waren Berufskraftfahrer in zwei digital gekoppelten Fahrzeugen auf der Autobahn 9 zwischen Niederlassungen des Logistikunternehmens DB Schenker in Nürnberg und München zu Platooning-Testzwecken unterwegs. Nun stellten die Projektpartner DB Schenker, MAN Truck & Bus und die Hochschule Fresenius ihre Ergebnisse beim BMVI in Berlin vor.

Die Lkw, die im Abstand von nur 15 bis 21 Metern fuhren, absolvierten dabei rund 35.000 Testkilometer. Die Ausgangsthese der Partner, dass Lkw-Platoons den Platz auf den Autobahnen effizienter nutzen könnten, weniger Staus verursachten und für eine höhere Verkehrssicherheit sorgen könnten, wurde bei den Testfahrten im Großen und Ganzen bestätigt.

So arbeiteten die im MAN Lkw verbauten Platooning-Systeme zu 98 Prozent reibungslos. Ein aktives Eingreifen vom Fahrer war lediglich einmal pro 2.000 Kilometer notwendig. Der Pilotbetrieb ergab einen um rund 3 bis 4 Prozent geringeren Treibstoffverbrauch gegenüber herkömmlichen Fahrten. Damit sieht Joachim Drees, Vorsitzender des Vorstands von MAN Truck & Bus SE, nicht nur Potenzial zur Reduzierung von CO2-Emissionen, sondern auch einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Automatisierung.

Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur: „Die Mobilität der Zukunft ist automatisiert und vernetzt. Das gilt auch für die Logistik. Daher unterstütze ich die Branche mit voller Kraft, Technologien wie Platooning zur Marktreife zu bringen. Wir wollen die Prozesse noch sicherer, effizienter und umweltfreundlicher machen – von der Rampe bis zum Kunden. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem Fahrer zu. Im Digital-Truck wird er zur modernen Logistikfachkraft. Dadurch erhält der Beruf neue Zukunftsperspektiven!“

Platooning-Tests auf der A9 erfolgreich abgeschlossen

© Deutsche Bahn AG / MAN / Jan Hölzl

Weiterhin ermittelte DB Schenker einen großflächigen Einsatz von Platooning im Logistiknetz. Allerdings müsse dies erst noch tiefgreifender getestet und mit regulatorischen Rahmenbedingungen abgesichert werden. Doll ist sich jedoch sicher, dass mithilfe von Platooning noch verlässlichere und effizientere Transporte angeboten werden können.

Alexander Doll, Vorstand Finanzen, Güterverkehr und Logistik der Deutschen Bahn AG: „Wir haben unser europäisches Transportnetzwerk analysiert und können konkret sagen, dass etwa 40 Prozent der gefahrenen Kilometer in Platoons durchgeführt werden könnten.“

Im Rahmen der Testfahrten untersuchte die Hochschule Fresenius die psychosozialen und neurophysiologischen Auswirkungen von Platooning auf die Fahrer. Hinsichtlich Konzentration und Ermüdung zeigten, laut Prof. Dr. Christian Haas, die EEG-Messungen keine systematischen Unterschiede in der neurophysiologischen Beanspruchung zwischen den Platoon- und normalen LKW-Fahrern. Die Fahrer, die zuvor teilweise eine kritische Einstellung gegenüber dem Platooning hatten, empfanden lediglich das Einscheren anderer Verkehrsteilnehmer als „unangenehm“. Dennoch würden die Fahrer, aufgrund der schnellen Reaktionszeiten des Systems, im Nachgang der Tests einen Abstand von nur 10 bis 15 Metern bevorzugen.

„Allgemeines Sicherheitsempfinden und Vertrauen in die Technik spiegeln sich in der Bewertung konkreter Fahrsituationen durch die Fahrer wider. Keine wird als unkontrollierbar bezeichnet“, schildert Prof. Dr. Sabine Hammer vom Institut für komplexe Systemforschung an der Hochschule Fresenius.

Das im Juni vergangenen Jahres gestartete Forschungsprojekt (wir berichteten >>) wurde vom BMVI mit rund 1,86 Millionen Euro gefördert.

Editor: Tanja Lauch mit dem Pressematerial der Deutschen Bahn

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