TESTS & SCIENCE

13.Mai 2019

Daimler präsentiert PEGASUS Teilprojekt 3


Daimler präsentiert PEGASUS Teilprojekt 3

© Daimler AG

Fehler von automatisierten Fahrzeugen können tödliche Folgen haben. Daher müssen solche Fahrzeuge abgesichert sein und wichtige Fragen zur Sicherheit und Zuverlässigkeit der Systeme beantworten werden. In Wolfsburg stellt Daimler im Schulterschluss mit 16 weiteren Projektpartnern die Erkenntnisse von Teilprojekt 3 aus dem vom BMVI geförderten Forschungsprojekt PEGASUS vor.

Ziel von PEGASUS (Projekt zur Etablierung von generell akzeptierten Gütekriterien, Werkzeugen und Methoden sowie Szenarien und Situationen zur Freigabe hochautomatisierter Fahrfunktionen) ist es, einheitliche Technikstandards zu entwickeln, eine Prüfmethodik als weltweiten Standard zu etablieren sowie ein Modell für reale Verkehrssituationen zu erarbeiten.

Rein technisch seien bereits alle Voraussetzungen für automatisiertes Fahren gegeben, doch bevor solche Fahrzeuge serienmäßig auf die Straße gebracht werden, müsse man noch die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Systeme gewährleisten können.

„Deshalb haben wir uns bei PEGASUS maßgeblich an zentraler Stelle engagiert, um eine Methodik als Stand der Technik mit zu entwickeln, die von allen Interessengruppen weltweit akzeptiert wird. Diese Prüfmethodik wird uns dabei unterstützen, zuverlässige und robuste hochautomatisierte Fahrzeugsysteme für unsere Kunden auf die Straße zu bringen“, erklärt Michael Hafner, Leiter Fahrtechnologien und Automatisiertes Fahren, Mercedes-Benz Cars Entwicklung, die Bedeutung von PEGASUS für die sichere Zukunft autonomen Fahrens.

PEGASUS besteht aus vier Teilprojekten (TP).

„TP 1 – Szenarienanalyse und Qualitätsmaße“ und „TP 2 – Umsetzungsprozesse“ beschäftigen sich in erster Linie mit der Definition relevanter verkehrlicher Szenarien sowie der kritischen Analyse bereits in der Automobilindustrie eingesetzter Prozesse zur Absicherung automatisierter Fahrsysteme.

„TP 3 – Testen“, bei dem unter Daimlers Leitung Methoden und Werkzeuge zur Durchführung von Tests in der Simulation, auf dem Prüfgelände und im realen Verkehrsgeschehen erarbeitet werden, nimmt etwa zwei Drittel des gesamten Projektvolumens ein.

„Um die Relevanz dieses Teilprojekts zu begreifen, ist es wichtig, die bisherige Rolle und den heutigen Stand von Testverfahren in der Automobilindustrie zu verstehen. Bisher werden Fahrerassistenzsysteme und aktive Sicherheitssysteme in Fahrzeugen nach mehreren hunderttausend gefahrenen Kilometern im realen Straßenbetrieb und in mehreren 100 verschiedenen Verkehrsszenarien auf dem Testgelände geprüft. Zeigen sie dabei keine relevanten Fehlfunktionen können sie zugelassen werden. Um ein vergleichbares Niveau für hochautomatisierte Fahrsysteme zu etablieren, würde man aber eher Milliarden gefahrene Testkilometer benötigen“, erläutert Dr. Helmut Schittenhelm, PEGASUS-Projektleiter „Testen“, Mercedes-Benz Cars Development, und ergänzt: „Das lässt sich nur in Form von Simulationen mit gezielter Parameterauswahl auf ein verträglich realistisches Maß an Testkilometern auf der Straße angleichen. Das heißt, Simulationen werden in Zukunft eine tragende Rolle in Test- und Prüfverfahren einnehmen. Dafür eine zuverlässige Methodik zu entwickeln und zu etablieren, ist eine unserer Hauptaufgaben bei PEGASUS.“

Um die Komplexitität dieses Teilprojektes herunterzubrechen, wurde es nochmal in Arbeitspakete unterteilt.

  • Kernelement war im ersten Schritt die Entwicklung eines Modells für reale Verkehrssituationen, das alle Variationen und Einflussgrößen vollständig beschreibt. In enger Zusammenarbeit mit der Forschungsgesellschaft Kraftwahrwesen mbH Aachen (FKA) und dem Institut für Kraftfahrzeuge der RWTH Aachen (IKA) wurden am Beispiel des Systems „Autobahn-Chauffeur“ eine Szenarien- und Testfalldatenbank zusammengestellt. Diese Datenbank voller herausfordernder Situationen, bei denen relevante Parameter wie Geschwindigkeit, Spurverhalten oder Streckenbedingungen vermessen wurden, soll künftige Prüfverfahren sicherstellen und absichern.
  • Im zweiten Schritt glat es Lösungen für ein systematisches Abprüfen der Systemgrenzen im Parameterraum zu entwickeln, die gewährleisten, dass ein autonomes System auch in Randbereichen zuverlässig reagiert.
  • Anschließend entwickelte man eine Prüftechnik, die es erlaubt, Szenarien schließlich unter realen Bedingungen auf dem Prüfgelände präzise mit programmierbaren Testobjekten nachzustellen. Hierzu wurden selbstfahrenden Targets (Roboterfahrzeuge) verwendet, mit denen die Testszenarien präzise nach Vorgabe umgesetzt werden können. Dadurch können die Szenarien reproduziert und absolut wiederholgenau dargestellt werden.
  • Feldtests, als sinnvolle Ergänzung, runden das Teilprojekt „Testen“ ab.

Das vierte Teilprojekt ist die „Ergebnisreflektion und Einbettung“.

Seit Projektbeginn vor knapp drei Jahren fand ein regelmäßiger internationaler Austausch mit zahlreichen Automobilherstellern, Behörden und Verbänden aus Europa, USA, Japan und China statt. Inzwischen ist PEGASUS zur internationalen Marke geworden – einem Inbegriff für die Etablierung von Prüfmethodik zur Absicherung hochautomatisierter Fahrzeugsysteme.

Editor: Tanja Lauch mit dem Pressematerial von Daimler

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