03.05.2021 - 08:53

„Wir machen autonomes Fahren erlebbar“

Interview mit IAV-Projektleiter Veit Lemke zum HEAT-Shuttle in Hamburg

Das autonome HEAT-Shuttle wird heute zurück in der Hamburger Hafencity erwartet. In der dritten und letzten Versuchsreihe machen IAV und die Projektpartner den E-Bus und die Streckeninfrastruktur fit für den autonomen Shuttle-Einsatz auf dem ITS-Weltkongress im Herbst. Im Interview spricht IAV-Projektleiter Veit Lemke über technische Verbesserungen am Shuttle, das Feedback der Hanseaten bei Testfahrten im autonomen Bus und die Tücken einer Kehrmaschine.

Herr Lemke, ein Rückblick: Zuletzt war HEAT im Herbst des vergangenen Jahres in Hamburg. Wie sind die Testfahrten verlaufen?

Veit Lemke: Die Tests mit der nun auf 25 km/h erhöhten Geschwindigkeit waren ein Erfolg. Das Shuttle hat die Verkehrssituation auf diesem extrem anspruchsvollen Kurs gemeistert, die Fahrzeugbegleiter:innen mussten nur in wenigen Situationen eingreifen. Der Testbetrieb hat aber auch für uns immer wieder Überraschungen bereit gehalten, die wir so in der Simulation nicht bedacht hatten.

Haben Sie ein Beispiel?

Lemke: Kehrmaschinen. Sie fahren mal auf der Straße, mal für einen Moment auf dem Gehsteig. Für das Shuttle zunächst eine sonderbare Situation. Kurzum: Wir haben enorm dazugelernt und konnten dank der Testdaten Infrastruktur- und Shuttle-Sensorik über den Winter weiter optimieren.

Erstmals konnten auch Bürgerinnen und Bürger das Shuttle testen. Wie fiel das Feedback aus?

Lemke: Wir machen autonomes Fahren erlebbar. Entsprechend groß war das Interesse über alle Altersstufen hinweg. Die Rückmeldungen der Fahrgäste waren überwiegend sehr positiv. Sie fühlten sich im Shuttle sicher und haben uns hilfreiches Feedback gegeben, sowohl zum Sitzkomfort, dem Innenraumkonzept und der Bedienbarkeit der von IAV programmierten App zur Registrierung.

Gab es Kritikpunkte?

Lemke: Vereinzelt haben Passagiere bemängelt, dass das Shuttle etwas abrupt bremst. Als Vorsichtsmaßnahme bremste das System während der Testfahrten etwas früher, als erfahrene Busfahrer:innen das machen würden. Mit den im Herbst gewonnen Erkenntnissen und den nun anstehenden Testfahrten wollen wir das Bremsverhalten weiter optimieren.

Was sind die Ziele für die nun anlaufende Testrunde?

Lemke: Das Ziel sind natürlich so viele erfolgreiche Betriebsstunden wie möglich. Die neue Teststrecke in der Hafencity ist mit 1,8 Kilometern doppelt so lang wie bisher. Dafür hat Siemens erst kürzlich die Infrastruktur-Sensorik erweitert. Diese Daten werden wir jetzt noch stärker einbeziehen, um die Geschwindigkeit an Kreuzungen zu erhöhen. Außerdem biegen wir erstmals links ab. Zu der Strecke gehört nun auch ein längeres mehrspuriges Stück, in dem wir das autonome Wechseln der Fahrspur erproben. Damit HEAT den Verkehr hinter sich jederzeit im Blick hat, haben wir im Winter unter anderem unser AD System konsequent weiterentwickelt. Weitere Neurungen sind ein verbessertes Bedien- und Anzeigen-Instrument für die Fahrzeugbegleiter:innen.

Für die Messe im Herbst soll das Shuttle im Dauereinsatz fahren, wie bewerten Sie die Einsatzfähigkeit zur ITS?

Lemke: Dadurch, dass wir bereits ab Ende April zurück in Hamburg sind, haben wir eine sehr ausgiebige Erprobungszeit mit dem Shuttle und für das Gesamtsystem bestehend aus Shuttle, Infrastruktursensorik und Leitstelle. Im Sommer gibt es dann wieder einen ausgiebigen Versuchsbetrieb mit Fahrgästen an sechs Tagen in der Woche. Erkenntnisse daraus fließen direkt in die Entwicklung zurück und zahlen auf die Performance und Verfügbarkeit mit dem Ziel ITS ein. 
Dass nicht doch mal ein Bauteil Probleme bereitet und der Shuttle-Service pausieren muss, das kann man nie ausschließen. Mit den Testkilometern und der täglichen Kontrolle des Shuttles vor Ort sind wir aber sehr zuversichtlich, dass wir den Besuchern ein begeisterndes Erlebnis bieten können, sowohl während der Testphase, als auch später auf der ITS.

Autor: jst

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03.05.2021 08:08