16.06.2015 - 21:24

Elektromobilität trifft hochautomatisiertes Fahren

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„Und, hast du schon etwas gemerkt?“, so beginnt meine Fahrt mit einem elektrischen Seriengolf und den beiden Kollegen Daniel Tittel und Matthias Freese vom Engineeringdienstleister IAV. Freese sitzt im Cockpit des E-Golfs und hat das Auto längst in den hochautomatisierten Modus versetzt. Ich antworte also auf seine Eingangsfrage mit einem verdutzten: „Nein.“

Gemeinsam sind Tittel, Freese und ich auf dem Weg von Lutherstadt Wittenberg nach Berlin. Denn die IAV-Männer wollen mir auf der Wave Trophy, der größten E-Mobil-Rallye der Welt, ihr Testsystem für hochautomasiertes Fahren zeigen. Matthias Freese kommt aus dem IAV-Fachbereich Fahrerassistenzsysteme und ist als Testfahrer ausgebildet. Er wechselt während unserer Fahrt durch die Lutherstadt, über die Landstraßen und die Autobahnen bis nach Berlin immer wieder in den hochautomasierten Modus. So kann ich mir einen Eindruck machen, wie weit der Weg zum zukünftigen autonomen Fahren noch ist.

Während Freese das Fahrzeug überwacht oder steuert, betont Tittel, dass es sich bei der technischen Ausrüstung des Technologieträgers um ein Setup für bestimmte hochautomatsierte, nicht autonome Fahrsituationen handelt. Der Wagen ist mit dem Kamerasensor MPC1 und dem Front-MRR (Mid-Range Radar Sensor) von Bosch ausgestattet. Das sind die regulär verbauten Systeme im E-Golf. Freese und Tittel nutzen die Wave Trophy um ihr System auf der 2.500 Kilometer langen Rallye im Alltag und jenseits von vorgegebenen Testszenarien zu protokollieren.

Teamchef Daniel Tittel (Fachbereich Elektrische Antriebe) erklärt mir, dass IAV aktuell mit mehreren Fahrzeugen und verschiedenen technischen Setups das hochautomatisierte Fahren weiterentwickelt. Die Autos sind neben der Seriensensorik mit zusätzlichem Radar, Laser und Kameras in den Seitenspiegeln ausgestattet. Das Wave-Fahrzeug soll dabei insbesondere im Bereich der Spurhaltung und Abstandsmessung weitere Erkenntnisse liefern. Dafür hat sich das Entwicklerteam mit seinen Analyse- und Computersystemen zwischen die Sensorik und Aktorik „gehangen“. Matthias Freese liefert die passende Erklärung: „Wir entwickeln Lösungen für den Markt. Da hilft es sehr, wenn man sich mit den marktüblichen Technologien auseinandersetzt.“

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Auf der Strecke von Lutherstadt Wittenberg nach Berlin meistert der Wagen die verschiedenen Fahrsituationen. Schwierig wird es auf der Landstraße, denn die sich ständig ändernden Lichtverhältnisse auf den Brandenburger Alleen bringen die Kamera MPC1 an ihre Grenzen. Auf Autobahnen merkt man, dass das Setup aus Kamera- und Radarsensorik auch in der Kurvenerkennung noch Luft nach oben hat. Unsicher fühle ich mich dennoch zu keiner Zeit. Der Technologieträger und Freese bringen uns entspannt nach Berlin Schönefeld, zum Tesla-Zentrum und dem Ende der Tagesetappe.

polski fiat

Vor Ort treffen nach und nach zahllose Tesla Modell S ein, Roadster und verschiedenste Exoten, wie ein Elektro-Bulli und auch ein elektrischer Polski Fiat. Das Team der Tesla-Niederlassung, ganz in der Nähe des Ortes, der eines Tages mal ein Flughafen sein soll, hat gut zu tun, die Ladelogistik für die 90 Teams aus 10 Nationen zu organisieren. Wirft man einen Blick auf die verschiedensten Ladegeräte der Fahrerinnen und Fahrer, wird einem klar, dass die Elektromobilität auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel ist.

e-mobilityIch bin am Ziel, mache mich auf den Heimweg und verabschiede mich vom Team, das am gleichen Abend noch in Richtung Magdeburg aufbricht.

PS: Daniel Tittel und Matthias Freese bloggen auch während ihrer Tour auf wavetrophy.iav.com >>

Autor: Jens Stoewhase

Autor: jst
Gefunden bei intellicar.de
https://intellicar.de/tests-and-research/wave-trophy-2015-elektromobilitaet-trifft-hochautomatisiertes-fahren/
16.06.2015 21:12