12.05.2021 - 14:45

VWN und Argo AI testen autonomen ID. BUZZ in München

Im Sommer 2021 sollen die ersten autonom fahrenden Prototypen auf Basis des künftigen ID. BUZZ im Münchner Umland getestet werden. Bei Volkswagen Nutzfahrzeuge bezeichnet man das als einen Meilenstein in der internationalen Zusammenarbeit.

Im Volkswagen-Konzern ist die Entwicklung des Autonomen Fahrens auf Level 4 für selbstfahrende Shuttles und Transporter bei der Nutzfahrzeugsparte aufgehangen. Und die Marschrichtung und Erwartungen sind da bereits recht konkret. So erwartet man, dass leichte Nutzfahrzeuge der erste, logische Einsatzort für die autonome Beförderung von Menschen und Gütern sein wird. „Unser Ziel ist es, mit der autonomen Version des ID. BUZZ ab 2025 kommerzielle Einsätze bei Fahr- und Zustelldiensten zu ermöglichen“, erklärte Christian Senger, Bereichsleiter Autonomes Fahren bei VWN. So wolle man mit dem Befördern von Personen beginnen und dann darauf aufbauend auch Güter transportieren.

Die Logik ist dabei bestechend einfach: Personen können sich zu den autonom fahrenden Fahrzeugen bewegen, einsteigen etc. Der Transport von Gütern gestaltet sich komplexer: Hier darf die Transportkette nicht abreißen und sorgt entsprechend vor und nach dem Transport mit autonomen Fahrzeugen für weitere Anpassungen. VWN will jedoch die Erkenntnisse aus der Personenbeförderung – insbesondere, die dann absolvierten Strecken – auch für das Transportsegment nutzen und denkt hin bis zu Angeboten, die man heute unter TaaS, also Transport as a Service, zusammenfasst. VWN ist zudem im Volkswagen Konzern Leitmarke für Autonomes Fahren sowie für Mobility-as-a-Service (MaaS) und TaaS. So soll der Konzernbereich in Zukunft ebenso entsprechende Special Purpose Vehicles (SPV), etwa Robo-Taxis und -Transporter, entwickeln und bauen.

Der Einstieg generell soll nach und nach passieren, erklärte Christian Senger: „Kunden können sich dann in ausgewählten Städten mit autonomen Fahrzeugen sicher zu ihrem Ziel bringen lassen, und auch Zusteller bei Paketdiensten werden durch das Autonome Fahren deutlich entlastet.“

Volkswagen Nutzfahrzeuge setzt auf neues Lidar von Argo AI

Volkswagen Nutzfahrzeuge nutzt für die Entwicklung des autonom fahrenden ID. BUZZ AD die Lidar-Technik von Argo AI, mit der Objekte in bis zu 400 Meter Entfernung erkannt werden können. In einer digitalen Pressekonferenz wurde dabei betont, dass man bei VWN und Argo AI auf die volle Bandbreite von Sensorsystemen setzen will. Zwar sei das neue Lidar-System mit einer sehr hohen Reichweite versehen, aber auch die anderen Sensorsysteme würden genutzt und gebraucht, um die Sicherheit zu gewährleisten. Wenn man wollte, dann konnte man das als einen kleinen Seitenhieb gegen Tesla verstehen, musste man aber nicht.

Volkswagen Nutzfahrzeuge hat für die Entwicklung des Autonomen Fahrens ein eigenes Geschäftsfeld gegründet und sich für die Integration der Technologie in den vollelektrischen ID. BUZZ AD an Argo AI beteiligt, einem Unternehmen aus den USA , das das sogenannte Self-Driving-System (SDS) entwickelt. Im Frühjahr hatte Argo bereits einen ersten Prototyp damit ausgestattet und testet damit erstmals auch in Deutschland.

„Wir betrachten das Argo-Testprogramm als das größte für innerstädtisches Fahren, mit sechs Standorten allein in den USA“, erklärte Argo-CEO Bryan Salesky. „Jetzt freuen wir uns, auf Basis dieser Entwicklungsarbeit an unserem Standort München die Tests für den Einsatz im europäischen Verkehr durchzuführen. Dazu haben wir gerade ein Testfeld in unmittelbarer Nähe zum Münchner Flughafen eingerichtet.“

Sowohl Volkswagen Nutzfahrzeuge als auch Argo AI halten den Einsatz einer Kombination aus Sensoren und Kamerasystemen im Fahrzeug für unverzichtbar. Argo AI hat kürzlich einen Lidar-Scanner vorgestellt, der im Gegensatz zum Radar-System mit Lichtwellen arbeitet und Objekte aus einer Distanz von bis zu 400 Metern erfassen kann. Sein patentierter Geiger-Modus besitzt die Fähigkeit, selbst kleinste Partikel (ein Photon) zu erkennen, so dass auch sehr schwach reflektierende Objekte erfasst werden und damit sehr genaue Darstellungen der Umgebung möglich sind. „Diese Technologie setzen wir auch bei den Fahrzeugen von Volkswagen Nutzfahrzeuge ein“, so Salesky. Argo AI wurde erst 2016 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Pittsburgh, Pennsylvania. Erst im Sommer 2020 hatten sich der US-amerikanische Automobilhersteller Ford und der VW-Konzern mit 2,6 Milliarden US-Dollar an Argo AI beteiligt. Beide Konzerne wollen so Kosten bei der Entwicklung der Technik für autonomes Fahren sparen. München ist seit diesem Zeitpunkt Sitz der Europazentrale von Argo AI.

MOIA bekommt autonome ID. BUZZ ab 2025

Auch für den kommerziellen Einsatz der künftigen Technik bei Fahrdienstleistern gibt es konkrete Pläne. Im Jahr 2025 soll die Konzerntochter MOIA der erste Nutzer des autonom fahrenden ID. BUZZ AD sein. „Hamburg wird als erste Stadt einen autonomen Ridepooling-Service mit einem ID. BUZZ haben”, sagte Geschäftsführer Robert Henrich. Aktuell geht man davon aus, dass man bereits zum ITS-Kongress im Herbst 2021 in Hamburg, einen entsprechenden Test mit dem ID. BUZZ sehen wird. Das Tochterunternehmen des Volkswagen Konzerns MOIA entwickelt an den Standorten Berlin und Hamburg Mobilitätsdienstleistungen und arbeitet partnerschaftlich mit Städten und den vor Ort ansässigen öffentlichen Verkehrsträgern zusammen. Nach ersten Anlaufschwierigkeiten, die oft auch mit den Städten und z.B. der Taxilobby zu tun hatten, bietet MOIA ein Ridepooling-Services in Hamburg und Hannover an. Coronabedingt gab es auch 2020 und 2021 auch Pausen. Aktuell meldete sich MOIA jedoch zurück und nimmt am 1. Juni 2021 den Ridepooling-Dienst als regulären Betrieb in der Hansestadt wieder auf. MOIA ist der flächengrößte Sharing-Anbieter Hamburgs und beschäftigt aktuell 1.200 MitarbeiterInnen. Autonomes Fahren sei für das Unternehmen ein wichtiger Schritt auf dem Weg, dieses neue Geschäftsfeld auszubauen, hieß es auf einer Pressekonferenz.

Volkswagen Nutzfahrzeuge testet mit Argo AI in München

Argo AI wird gemeinsam mit VWN die Möglichkeiten des am Flughafen München entstehenden Innovationszentrums LabCampus künftig zur Erprobung und Entwicklung seiner Fahrzeugsysteme nutzen. Schon im März 2021 war bekanntgegeben worden, dass Argo AI eine Teststrecke am Münchner Flughafen einrichten sowie Flächen im ersten LabCampus Bürogebäude LAB 48 anmieten würde. Auf der Teststrecke, die unweit der Flugzeugwartungshallen im Südwesten des Airports entsteht, sollen die autonom fahrenden Fahrzeuge unter realitätsnahen Bedingungen in unterschiedlichen Verkehrssituationen erprobt werden.

Autor: jst




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