15.04.2021 - 08:47

Urbanloop – „Individualverkehr“ der anderen Art

Vielen Menschen einen fahrbaren Untersatz anbieten und dabei zugleich die Größe der Beförderungsmittel auf ein Minimum reduzieren – das ist die Grundidee von Urbanloop. Was 2017 als einfaches Projekt für Studenten in Nancy begann, soll die städtische Mobilität in der französischen Stadt revolutionieren.

Ab 2024 könnte er zu einem neuen Transportmittel werden, mit Urbanloop soll der Weltrekord für den Energieverbrauch pro Kilometer für ein autonomes Schienenfahrzeug aufgestellt werden. Aus diesem Grund plant die Stadt Nancy, diese innovative Mobilitätslösung einzusetzen. Derzeit werden Tests mit der Urbanloop-Kapsel auf einem 1.200 Meter langen Schienenring durchgeführt, der auf einem 4,5 Hektar großen Gelände in Meurthe-et-Moselle installiert wurde. Bevor am 28. Mai der Weltrekord für den niedrigsten Energieverbrauch pro Kilometer eines autonomen Schienenfahrzeugs gebrochen werden soll, war Urbanloop nur das Ergebnis eines Projekts der Ecole Nationale Supérieure d’Électricité et de Mécanique in Nancy.

„2017 haben wir Studenten mit einem Projekt zum Thema Mobilität betraut. Sie sollten sich ein ökologisches, ökonomisches, für alle bezahlbares, sicheres und mit den aktuellen Technologien realisierbares Transportmittel überlegen“, erzählt Jean-Philippe Mangeot, Initiator des Projekts und Dozent. Danach begann die Idee, die eigentlich nie verwirklicht werden sollte, reale Formen anzunehmen. Nachdem das Urbanloop-Projekt entwickelt und eine Kapsel in Originalgröße auf einem 250-Meter langen Schienenring getestet wurde, wurde der Urbanloop nun auf einem Ring von 800 Metern und einem zweiten von 400 Metern, mit drei Stationen erprobt.

Urbanloop besteht aus mehreren einzelnen, mit Strom betriebenen Kapseln, in denen zwei Personen Platz finden, z.B. eine Person mit eingeschränkter Mobilität und ihre Begleitperson oder ein Radfahrer mit seinem Fahrrad. Dafür werden Motoren mit geringem Stromverbrauch, wie die von Fahrrädern oder Rollern verwendet. Das sind bürstenlose Gleichstrommotoren mit einer Leistung von 3 kW, 50 Ampere und einer Spannung von 42-72 V DC für den Antrieb der Kapsel. Dank dieser Komponenten erreicht die Kapsel eine Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h und im Durchschnitt 60 km/h. Das System soll als Service on Demand funktionieren, mit dem Wartezeiten vermieden werden und die Schienennetzauslastung verteilt wird.

Urbanloop nutzt auch künstliche Intelligenz, um die Flotte zu steuern, die Route der Kapseln zu planen und den Gesamtverkehr zu optimieren, indem die Fahrten der Nutzerinnen und Nutzer vorausgeplant werden. Dafür wird Software für die Vorausberechnung von Fahrten durch die Analyse existierender Daten verwendet, Wetterprognosen einbezogen, die Synchronisation mit dem öffentlichen Nahverkehr und Daten aus mobilen Anwendungen der Nutzerinnen und Nutzer verwendet.

Jedes Transportmodul kommuniziert seine Position regelmäßig über ein 4G-Netz. Mit 5G-Netzabdeckung soll die Datensynchronisation weiter verbessert werden. Der über einen Computer zentralisierte Austausch ermöglicht die Optimierung von Geschwindigkeiten, die Entlastung überlasteter Schienenringe, die Versorgung aller Stationen zu jeder Zeit, das Erkennen von Zeiten hoher Auslastung usw. Die Interaktion jeder Kapsel mit ihrer Umgebung ermöglicht es, die beste Route zwischen zwei Punkten in Echtzeit zu finden.

Nach zwei ersten Investitionsrunden ist für den Urbanloop eine dritte Aktion geplant, mit der zwischen 700.000 und einer Million Euro an Mitteln eingeworben werden sollen. Die dritte Runde erfolgt, sobald der Weltrekord erreicht ist und der zweite der drei für den öffentlichen Nahverkehr erforderlichen Anträge eingereicht wurde. Gleichzeitig hat die Stadt Nancy kürzlich ihr Interesse an Urbanloop bekundet und eine städtebauliche Studie in Auftrag gegeben. Erweist diese sich als erfolgreich, könnte das System 2024 bereits in Betrieb genommen werden.

„Die Kosten für eine Straßenbahn belaufen sich auf 20 Millionen Euro pro Kilometer, wohingegen Urbanloop zwischen einer und vier Millionen pro Kilometer kostet“, erklärt Jean-Philippe Mangeot. Nach Angaben des Projekt-Initiators werden 150 Kapseln, verteilt über 5 Kilometer Gleise, 3.000 Personen pro Stunde befördern können.

Autor: jst

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15.04.2021 08:24