05.08.2020 - 07:32

Urban Data Partnership – Basis für vernetzte Systeme

Unter der Federführung der Fraunhofer-Gesellschaft beginnt sich in der „Morgenstadt Initiative“ derzeit eine Allianz aus Städten zu formen, die der Herausforderung der urbanen Daten gemeinsam begegnen möchte. So will man E-Government, vernetzte Mobilität oder dezentrale Infrastruktur auch in kleineren Städten etablieren.

Die Ausrichtung auf die digitale Zukunft hat im Alltag der Menschen Fuß gefasst – von der Idee des papierlosen Büros bis auf die Straßen der sogenannten Smart Cities. Dabei macht der Fortschritt bei kleinen und mittelgroßen Städten nicht Halt, da ist man sich bei Fraunhofer offenbar sicher. Die digitale Transformation findet längst nicht nur in den Metropolen der Welt statt: Auch die Menschen in regionalen Zentren und ländlichen Regionen digitalisieren Bürgerdienste, navigieren ihre Autos mit intelligenten Apps durch Staus und rechnen die Parkgebühr mit dem Smartphone ab. Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit sei dabei nicht einmal sichtbar: Umgang mit Daten.

Hier gehe es um Management, Mehrwerte, Sicherheit und Souveränität – und in erster Linie auch um Know-how innerhalb der Stadtverwaltungen. Unter Federführung der Fraunhofer-Standorte in Lemgo, Stuttgart und Berlin beginnt sich in der „Morgenstadt Initiative“ derzeit eine Allianz aus Städten zu formen, die der Herausforderung der urbanen Daten
gemeinsam begegnen möchte.

Eine Stadt hat ihren eigenen Rhythmus – ein Pulsieren von Autos, Straßenbahnen und Bussen, Pendlern, Besuchern, Händlern und Gastronomen. Und alle Menschen und Prozesse haben eine Gemeinsamkeit im Puls der Digitalisierung: sie produzieren Daten. Ob E-Government, vernetzte Mobilität oder dezentrale Infrastruktur bei Versorgung oder Verkehr, die Datenflut im täglichen Leben einer Stadt nimmt immer mehr zu. Ebenso wie die Fragen der Bürgerinnen und Bürger danach, wer über diese Daten verfügt und wie sicher diese sind.

Auch Städteplaner und Entscheider in der Verwaltung kennen diese Herausforderungen bereits: „Die Entwicklung von Städten hin zu Smart Cities führt zu Datenvolumina ungeahnten Ausmaßes. Gleichzeitig eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten bei der Vernetzung, Auswertung und Verwertung dieser Datenbestände. Bürgerinnen und Bürger stellen zu Recht die Forderung nach klaren, transparenten Regeln und nach Sicherheit bei der Verfügung über ihre Daten. Das Projekt Urban Data Partnership bietet den Projektpartnern die Möglichkeit im Verbund rechtzeitig Lösungen für die daraus entstehenden Herausforderungen zu finden“, erklärt Gregor Moss, Beigeordneter der Stadt Bielefeld für das Dezernat – Wirtschaft | Stadtentwicklung | Mobilität.

Hier gab das Fraunhofer-Innovationsnetzwerk „Morgenstadt“ den Impuls, den anstehenden Aufgaben und Herausforderungen als Städtegemeinschaft zu begegnen – um gemeinsames Wissen zu schaffen bzw. zu erwerben, Erfahrungen zu teilen und Strategien oder nützliche Richtlinien für sich selbst und andere Städte zu entwickeln. Diese Partnerschaft, die das erste Mal im September auf der Smart City Solutions in Stuttgart vorgestellt wurde, trägt den Titel „Urban Data Partnership“. In der Wachstumsregion Ostwestfalen-Lippe nehmen die Städte Bielefeld, Detmold, Gütersloh, Lemgo, teil sowie Menden und Soest aus Südwestfalen und arbeiten hierbei gemeinsam mit weiteren Städten in Deutschland zusammen. Die wissenschaftliche Begleitung und Koordination erfolgen durch die Fraunhofer-Standorte in Lemgo, Stuttgart und Berlin. In städteübergreifenden Fachgruppen und Arbeitskreisen wollen die teilnehmenden Städtevertreter zusammen mit den Forschern von Fraunhofer zukünftig Themen in den Fokus neh-men wie „Data Ownership“, also Souveränität, Sicherheit, Eigenverantwortlichkeit, Unabhängigkeit und Transparenz in der Verwaltung und Nutzung der Städtedaten. Hier legen die Städte insbesondere großen Wert auf die Bedürfnisse und Bedenken der Bürgerinnen und Bürger: „In Detmold hat der Auftakt-Workshop im Rahmen der Bürgerbeteiligung zur Digitalen Agenda gezeigt, dass den Bürgerinnen und Bürgern der verantwortungsbewusste und transparente Umgang mit städtischen Daten sehr wichtig ist. Es wurde aber auch diskutiert, wie wir in Detmold vorhandene Daten nutzen, neu denken oder neu zusammenfügen können. Genau diesen Fragen wollen wir nun im Rahmen der Kooperation nachgehen und Lösungen finden, mit de-nen wir unser Datenmanagement sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltig gestalten können,“ sagt Sandra Müller, Chief Digital Officer der Stadt Detmold.

Um den Know-how-Transfer auch wissenschaftlich zu begleiten, sollen Einzeltermine mit den Wissenschaftlern von Fraunhofer vor Ort stattfinden sowie regelmäßige Austauschtermine aller Partner. Eine eigene Dialogplattform, separate Meetings und persönliche Workshops sollen die Partner untereinander vernetzen und das Arbeitsprogramm gemeinsam umsetzen. Die Erwartungen der Städtepartner beziehen sich dabei auf die Vorteile für die Verwaltung, aber auch auf die möglichen Mehrwertdienste für den Alltag in der Stadt: „Durch die intelligente Vernetzung von Daten können wir viele Ziele der Stadtentwicklung einfacher und besser erreichen, die Teilhabe vieler Bürgerinnen und Bürger verbessern und unsere kommunalen Angebote bürgerfreundlicher gestalten. Der Austausch mit den anderen Städten der ‚Urban Data Partnership‘ ist deshalb für uns sehr wertvoll“, erklärt Güterslohs Bürgermeister Henning Schulz.

Das Thema Urban Data Governance ist ein weiterer Forschungsschwerpunkt im bestehenden Morgenstadt-Netzwerk. Hier wird unteranderem Untersucht, wie die internen Verwaltungsstrukturen der Städte, wie Städte mit ihren Daten umgehen können. Daraus können für das zukünftige Datenmanagement wertvolle Instrumente werden: „Die Erarbeitung von Standards wird es uns ermöglichen, die Potentiale der Daten freizusetzen. Die Daten sollen unter Beachtung der rechtlichen Vorgaben auch für Dritte nutzbar gemacht werden und uns bei der effizienten und effektiven Aufgabenerfüllung unterstützen“, erklärt Dennis Ortmeier, CDO, Geschäftsbereichsleiter Verwaltung und Bürgerservice der Alten Hansestadt Lemgo.

Ein weiteres zentrales Thema sind die Mehrwerte, die hinter den Daten stehen. Welche Mehrwerte und Services verbergen sich hinter den Datenmengen und wie gehen Städte aktuell und in Zukunft damit um? Die Städtepartnerschaft will hier den Wissensaustausch aktiv fördern, Anwendungsfälle vergleichen und erfolgreiche Ansätze transferieren, indem unterschiedliche Regionen mit einbezogen wer-den: „Im Rahmen des Modellprojektes Smart Cities ¬– 5 für Südwestfalen – möchte Menden Ideengeber und Wegbereiter für die Region im Bereich Datenstrategie und -bereitstellung sein. Eine offene Datenplattform soll dabei als Grundlage für eine erfolgreiche Smart-City Architektur dienen“, so Sebastian Klein, Stadt Menden.

Auf der technischen Seite wollen die Partner beispielsweise die Anforderungsprofile für zukünftige „Urban Data Platform“ formulieren, auf welcher die städtischen Daten sicher und effizient verwaltet und genutzt werden können. Hier geht es vor allem um die Anforderungen an Datensätze, Datenarchitekturen und Datenanbieter . „Es ist an der Zeit, die vielen dezentral verteilten Daten einer Stadt optimal zu organisieren und allen internen und externen Nutzern bedarfsgerecht, in verlässlicher Qualität, sicher und effizient zur Verfügung zu stellen“, fasst Jürgen Treptow, Diplom-Geograph bei der Stadt Soest, diese Anforderungen zusammen.

Die Koordinatoren auf der Fraunhofer Seite sind überzeugt, mit dem gemeinschaftlichen Ansatz die richtige Richtung eingeschlagen zu haben: „Mit der auf ganz Deutschland ausgerichteten Partnerschaft für urbane Daten gehen wir im Rahmen der Morgenstadt-Initiative den nächsten Schritt“, erklärt Annika Henze-Sakowsky, Projektverantwortliche am Fraunhofer IOSB-INA. „Das gemeinsame Arbeitsprogramm unterstützt die teilnehmenden Städten dabei ihren digitalen Transformationsprozess selbstbestimmt zu gestalten.“

Autor: jst

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