03.06.2021 - 08:48

TU Dresden beforscht das Ride-Sharing

Fahrtentscheidungen beim Ride-Sharing nimmt ein interdisziplinäres Forschungsteam der TU Dresden unter die Lupe. So bieten geteilte Fahrten zwar einen finanziellen Vorteil, es müssen aber möglicherweise Einschränkungen im Komfort und bei der Fahrtdauer in Kauf genommen werden. Aus diesen Faktoren ergeben sich unterschiedliche Verhaltensmuster.

Ein interdisziplinäres Forschungsteam der TU Dresden an der von Prof. Marc Timme geleiteten Professur für Netzwerkdynamik (Center for Advancing Electronics Dresden – cfaed und Institut für Theoretische Physik) hat die Motivation von Menschen untersucht, Angebote „geteilter Mobilität“ zu nutzen.

Beim Ride-Sharing befördert ein Fahrzeug mehrere Fahrgäste gleichzeitig, indem es zwei oder mehr Fahrtwünsche mit ähnlichem Start- und Zielort kombiniert. Seine Akzeptanz leitet sich aber aus Bedürfnissen und Verhalten der Menschen ab. So bieten geteilte Fahrten zwar einen finanziellen Vorteil, es müssen aber möglicherweise Einschränkungen im Komfort und bei der Fahrtdauer in Kauf genommen werden. Aus diesen Faktoren ergeben sich unterschiedliche Verhaltensmuster, die das beobachtete Nutzungsverhalten aus 360 Mio. realen Fahrtanfragen von 2019 in New York City und Chicago erklären. Die Studie wurde nun in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.

Am effizientesten ist Ride-Sharing oder auch Ride-Pooling demnach an Orten mit hoher Nachfrage und vielen ähnlichen Fahrtanfragen. Doch ob und unter welchen Bedingungen die Menschen tatsächlich bereit sind, Ride-Sharing anzunehmen, war bisher schwer zu beantworten. In ihrer Studie wollen die WissenschaftlerInnen die komplexe Anreizstruktur entschlüsselt haben, die der Entscheidung für oder gegen eine geteilte Fahrt zugrunde liegt. In einem spieltheoretischen Modell beschreiben sie das Verhalten aller Nutzer, die Fahrten von einem Ort aus buchen, und zeigen, wie die Interaktionen zwischen einzelnen Ride-Sharing-NutzerInnen zu zwei qualitativ unterschiedlichen Akzeptanzmustern führen. Bei der einen Variante ist die Bereitschaft, Fahrten zu teilen gleichbleibend hoch. Bei der anderen nimmt die Offenheit für geteilte Fahrten jedoch ab, je höher die Nachfrage nach Fahrten insgesamt steigt. Bei insgesamt wenigen NutzerInnen im System wächst die Zahl von Ride-Sharing-Buchungen zwar mit der Anzahl der Fahrtanfragen, bei vielen NutzerInnen flacht die Nutzung jedoch ab. Der relative Anteil an geteilten Fahrtanfragen wird also kleiner – obwohl bei hoher Nachfrage die Chancen steigen, dass weniger Umweg in Kauf genommen werden muss, da sich Fahrtrouten optimieren lassen.

„Fahrgäste spekulieren darauf, zwar den günstigeren Fahrpreis im Tarif der geteilten Fahrten zu nutzen, aber aufgrund einer geringen Nachfrage nach Fahrten dennoch alleine und damit direkt von A nach B befördert zu werden“, erklärt David Storch, Doktorand an der Professur für Netzwerkdynamik und Erstautor der Studie. Bei hoher Nachfrage, also beispielsweise zu den typischen Stoßzeiten, sei die Aussicht auf eine Fahrt als alleinige PassagierIn geringer – „Fahrgäste verlieren fast sicher Komfort durch eine geteilte Fahrt. Sie tendieren häufiger dazu, gleich den teureren Tarif zu buchen, um alleine zu fahren.“
Die anhand der Modellierung gefundenen Nachfragemuster konnten die ForscherInnen in einer Analyse von über 360 Millionen Fahrtwünschen in New York City und Chicago nachweisen und somit ihr Model stützen. Die Analyse zeigt, dass je nach Ausgangspunkt der Fahrt beide Verhaltensmuster in den Städten parallel existieren. Malte Schröder, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur, interpretiert die Ergebnisse so: „Da beide Verhaltensmuster in den Städten koexistieren, ist vermutlich bereits eine moderate Steigerung der finanziellen Anreize ausreichend, um die Akzeptanz für Ride-Sharing auch an anderen Orten und für andere Nutzergruppen stark zu erhöhen.“

Autor: jst

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03.06.2021 08:11