20.11.2020 - 07:46

RABus bringt selbstfahrende Busse auf die Straße

In Mannheim und Friedrichshafen sollen selbstfahrende Busse im Rahmen eines Forschungsprojektes am regulären Straßenverkehr teilnehmen. Darauf aufbauend soll ein Modell für einen effizienten ÖPNV mit autonomen Bussen in Baden-Württemberg entstehen.

Einen ÖPNV-Betrieb mit elektrifizierten und automatisierten Fahrzeugen zu testen, ist Ziel des neuen Verbundprojekts RABus: In Mannheim und Friedrichshafen sollen selbstfahrende Busse am regulären Straßenverkehr teilnehmen. Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) übernehmen in diesem Reallabor die Begleitforschung zu Nachfrage, Akzeptanz und Wirkungen.

Das „Reallabor für den Automatisierten Busbetrieb im ÖPNV in der Stadt und auf dem Land“, kurz RABus, ist eine der umgesetzten Maßnahmen der strategischen Landesziele zur automatisierten und vernetzten Mobilität in Baden-Württemberg. Derzeit sind automatisierte Fahrzeuge im straßengebundenen ÖPNV meist nur mit niedriger Geschwindigkeit unterwegs. Dies führe zu längeren Fahrzeiten und damit zu einer geringeren Akzeptanz und weniger Nutzung. Das zu ändern, ist Ziel des Forschungsprojektes RABus: Mannheim und Friedrichshafen fungieren hierbei – unterstützt von den jeweiligen Verkehrsverbänden – als Reallabore. In beiden Städten soll bis zum Ende des Jahres 2023 ein weitgehend wirtschaftlicher ÖPNV-Betrieb mit elektrifizierten und automatisierten Fahrzeugen etabliert werden. Im Reallabor Mannheim liegt der Schwerpunkt auf dem automatisierten Betrieb im Mischverkehr in einem neuen Stadtquartier; im Reallabor Friedrichshafen dagegen steht der automatisierte Überlandbetrieb im Mittelpunkt der Aktivitäten.

Um im jeweiligen Umfeld ein angepasstes und gleichzeitig sicheres Fahrverhalten zu erreichen, sollen die Fahrzeuge mit akzeptablen Geschwindigkeiten im regulären Verkehr „mitschwimmen“ können – innerorts wie außerorts. Zum Einsatz kommen hierfür Shuttles von 2getthere, einer Tochter der ZF Friedrichshafen AG. ZF hatte 2019 60 Prozent der Anteile der 2getthere B.V. übernommen. Das Unternehmen mit Sitz in Utrecht und Büros in San Francisco, Dubai und Singapur bietet komplette automatisierte Transportsysteme. Deren Einsatzspektrum reicht von fahrerlosen elektrischen Transportsystemen auf Flughäfen, Gewerbe- und Themenparks bis zu dedizierten städtischen Verkehrsinfrastrukturen. Mit diesem strategischen Investment wollte der Zulieferer sein Standbein in den Wachstumsmärkten „Mobility as a Service“ und fahrerlose Transportsysteme stärken. Zudem ergänzt die Beteiligung bestehende Aktivitäten von ZF. Die in Mannheim und Karlsruhe zum Einsatz kommenden Fahrzeuge bieten Raum für bis zu 22 Personen auf 6 x 2,1 x 2,8 Metern. Sie werden bedarfsorientiert und fahrplanunabhängig in den städtischen Verkehrsfluss integriert.

Verkehrsmodell mit autonomen Bussen

„Bei RABus handelt es sich um ein Reallabor, bei dem wir durch den Einsatz mehrerer Fahrzeuge unter realen Bedingungen aussagekräftige Daten gewinnen. Dies geht weit über einen reinen Demonstrationsbetrieb hinaus“, erklärt Dr. Martin Kagerbauer vom Institut für Verkehrswesen (IFV) des KIT. Das IFV hat im Projekt RABus die Begleitforschung zu Nachfrage, Akzeptanz und Wirkungen auf den Straßenverkehr übernommen. Dazu werten die Forschenden die im Realbetrieb anfallenden Daten aus. Außerdem werden Fahrgäste vor, während und nach der Nutzung befragt. Die Rückmeldungen sollen in die Gestaltung künftiger ÖPNV-Systeme einfließen. Zudem erstellt das Karlsruher Forschungsteam Verkehrsnachfragemodelle für Friedrichshafen und Mannheim, in die automatisierte Busse integriert sind und die es erlauben, einen effizienten Einsatz solcher Busse zu simulieren. Darauf aufbauend lassen sich künftige ÖPNV-Systeme mit autonomen Bussen konzipieren. Die Forschungsgruppe will darüber hinaus ein Verkehrsmodell erarbeiten, das anhand der Ergebnisse der Realbetriebe Aussagen über weitere potenzielle und sinnvolle Einsatzgebiete im Land Baden-Württemberg liefert.

„Unsere autonomen Shuttles sind mit elektrischem Antrieb, modernster Sensorik und mit künstlicher Intelligenz versehenen Zentralrechnern ausgestattet. Über speziell für Level 4-Systeme ausgelegte Konnektivitätsdienste können sie zudem mit der Infrastruktur kommunizieren. Wir freuen uns, dass die Shuttles nun erstmals auch in Deutschland im Einsatz sein werden. Der Ansatz des Reallabors in Friedrichshafen ist ein Meilenstein für die urbane Mobilität der Zukunft, da die Anbindung des ländlichen Raums an Stadtzentren künftig sehr wichtig und den On-Demand-Bedarf von den Außenbereichen in Richtung Innenstadt ergänzen wird; so wie wir ihn im Reallabor Mannheim etablieren. Die Shuttles sind mit einem autonomen Fahrsystem, dem „Virtual Driver“ und weiteren Komponenten ausgestattet, die zu einem beträchtlichen Anteil in Baden-Württemberg – hier im ‚Land der Tüftler‘ – entwickelt wurden; und wir sind stolz, einen Beitrag zur Zukunft des ÖPNV leisten zu können“, so Torsten Gollewski, Executive Vice President Autonomous Mobility Systems bei der ZF Friedrichshafen AG.

Das Verkehrsministerium des Landes Baden-Württemberg fördert RABus mit sieben Millionen Euro.

Autor: jst

– ANZEIGE –



Aktuelle Termine

IT-TRANS - IT for Public Transport

Zum Termin

Kompaktwissen KFZ-Elektronik

Zum Termin

Automotive Ethernet

Zum Termin
Gefunden bei intellicar.de
https://intellicar.de/tests-and-research/rabus-bringt-selbstfahrende-busse-auf-die-strasse/
20.11.2020 07:07