11.11.2020 - 10:38

In Zeiten von Corona: „Setzt nicht auf die Touristen!“

Shared Micromobility erfordert jetzt Fokus und Innovation

Betreiber von Shared Micromobility sollten sich jetzt voll auf die aktuelle Situation konzentrieren und flexibel innovative Angebote machen. Das ist das Ergebnis der Panel-Diskussion „Shared Micromobility – Lessons learnt from the 1st Covid wave and how to prepare for the 2nd?“, die im Rahmen der Onlinekonferenz Autonomy 2020 stattfand.

Moderiert von Enrico Howe, Experte für Mikromobilität und Moped-Sharing, erläuterten Alexander Gmelin, CPO von Invers, Julian Lehmann, Director Business Development bei Tier und Julien Chamussy, CEO von fluctuo, ihre Erfahrungen aus der ersten Welle der Pandemie und entwickelten Handlungsempfehlungen für die zweite Welle.

Shared-Mobility-Branche zeigt stabile Entwicklung über Lockdown-Phase hinweg

Einleitend stellte Enrico Howe aktuelle Nutzungszahlen aus dem Whitepaper „European shared micromobility in the face of a pandemic – A story of emerging industry resilience“ vor. Das Whitepaper analysiert die Marktentwicklung im Moped- und Scooter-Sharing in den europäischen Kernmärkten Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien in drei Phasen: September 2019 als pre-Covid19-Phase, März/Aril 2020 als Lockdown-Phase und September 2020 als Phase nach der ersten Welle. Als Vergleichsgröße dient die durchschnittliche Anzahl von Fahrten pro Tag pro verfügbarem Fahrzeug. Demnach ist die Nutzung von Mopeds und Scootern zwar am Höhepunkt der ersten Covid-Welle im März und April 2020 im Vergleich zum September 2019 massiv eingebrochen, konnte sich aber über den Sommer erholen und teilweise Vorjahresniveau erreichen.

Wichtig sind jetzt flexible und innovative Shared-Mobility-Angebote

Schock ist der Begriff, mit dem alle Panel-Teilnehmer die erste Reaktion des Marktes auf den Lockdown im März beschreiben. Plötzlich und unerwartet brach das Geschäft zusammen. Betreiber mussten entscheiden, ob ihre Fahrzeuge im Einsatz bleiben oder das Geschäft pausieren soll, um Kosten zu senken, erklärte Julien Chamussy von fluctuo. Je nach Fahrzeugtyp und Region variierten die Entscheidungen. In Nordamerika kam es bei Betreibern zu Entlassungen. Ein starker Impuls für die Shared-Mobility-Branche ging dann von der Notwendigkeit des Social Distancing aus, so Alexander Gmelin von Invers. Viele Nutzer wechselten vom öffentlichen Nahverkehr zu Shared-Mobility-Angeboten. Außerdem wurden Abo-Modelle attraktiv. Betreiber setzen Hygiene-Maßnahmen um und passten ihr Preismodell an. Die Nachfrage zog über die Sommermonate wieder an. Das Wichtigste für Betreiber war in dieser Phase, schnell agieren zu können, betont Julian Lehmann von Tier. Das Unternehmen hat umgehend eine Taskforce eingesetzt, die Szenarien entwickelt und schnell umgesetzt hat, so dass aus dem ersten Schockmoment Chancen für weiteres Geschäft entstanden.

Betreiber von Shared Micromobility sind auf die zweite Welle besser vorbereitet

Jetzt, in der zweiten Welle, sind die Marktteilnehmer zwar besser vorbereitet und kennen das „new normal“, so die einhellige Meinung der Panel-Teilnehmer, aber die Herausforderungen bleiben: die Nachfrage nach Mobilitätsdiensten wird durch die aktuellen Lockdown-Maßnahmen zurück gehen und je nach Entwicklung weiter stark variieren, Fragen nach angemessenen Hygiene-Maßnahmen bleiben. Anders als in der ersten Welle trifft es den Markt allerdings jetzt in einer Jahreszeit, in der die Nachfrage nach Mikromobilität wetterbedingt üblicherweise sinkt. Daher ist der Kostendruck nicht so stark wie in der ersten Welle. Allerdings müssen Betreiber umdenken: So warnt Julien Chamussy, sie dürften nicht auf Touristen setzen. Zielgruppe für das Geschäft mit Mobilitätsdiensten sind jetzt die Einheimischen, Preismodelle und Stellplätze der Fahrzeuge müssen an ihren Bedarf angepasst werden, die Zusammenarbeit mit Anbietern des öffentlichen Nahverkehrs ist das Gebot der Stunde.

Zwei Trends sieht Alexander Gmelin in dieser Situation: Erstens müssen sich die Betreiber in diese Krisenzeiten noch stärker und ausschließlich auf ihr Geschäft und die sich ändernden Bedingungen fokussieren, zügig neue Geschäftsmodelle umsetzen und Partnerschaften eingehen können. Dabei ist eine zuverlässige technische Infrastruktur erfolgsentscheidend. Zweitens sollten sie innovative Ansätze entwickeln: so lassen sich zum Beispiel Abo-Modelle mit anderen Shared-Mobility-Angeboten kombinieren, um nicht genutzte Zeiten zu minimieren. Darüber hinaus können neue Funktionen wie Sensoren für die Luftqualität oder Geräusch-Sensoren das Angebot differenzieren. Auch diese Flexibilität sollte die Technologie den Betreibern bieten.

Insgesamt gingen die Panel-Teilnehmer davon aus, dass die Nachfrage nach Shared Micromobility weiterhin steigt und der Markt sich in und nach der zweiten Welle sehr dynamisch entwickeln wird. Ein Grund dafür ist der Trend zum Individualverkehr, der aus der Pandemie-Erfahrung resultiert und zu mehr und neuen Kunden im Scooter- und Moped-Sharing führt. Darüber hinaus unterstützen aktuelle Initiativen der Verkehrspolitik und Städteplanung die Akzeptanz von Mikromobilität, indem sie innerstädtische Infrastruktur mit neuen Fahrradwegen, Parkmöglichkeiten und Ladestationen an die Bedürfnisse der von Shared Micromobility anpassen.

Gastautorin: Stephanie Altemöller, INVERS GmbH

Autor: jst

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