12.02.2020 - 07:42

„Dynamischer Fahrsimulator“ an der Hochschule Trier eingeweiht

Nach einer etwa dreijährigen Bau- und Erprobungszeit fand bereits im Januar die Einweihung des von der Carl-Zeiss-Stiftung geförderten Forschungsgroßgeräts vor.

Simulation ist ein Mittel im Entwicklungsprozess, das es ermöglicht ein noch in Entwicklung befindliches System in einer realistischen Umgebung zu erproben und zu optimieren. Bei der Entwicklung von Algorithmen zum automatisierten Fahren beispielsweise geht die Automobilindustrie einen Schritt weiter und trainiert Künstliche Neuronale Netze in simulierten Verkehrsszenarien. So werden teils Millionen von simulierten Kilometern zurückgelegt, um die Software auf ihren Einsatz im realen Fahrzeug vorzubereiten, ohne das ein Mensch miteinbezogen wird.

Mit dem neuen Fahrsimulator an der Hochschule Trier wird hingegen dazu bewusst die Interaktion von Mensch und Technik untersucht. Die Forschenden verfolgen den Ansatz, dass die Entwicklung sicherer und zuverlässiger Systeme die Einbeziehung menschlicher Reaktionen und der Akzeptanz durch den Nutzer bereits bei der Entwicklung unverzichtbar ist. Angestrebt wird, die Lücke zwischen psychologischer Grundlagenforschung und technischer Entwicklungsarbeit durch gezielte Übertragung von Ergebnissen hinsichtlich besonders relevanter Aspekte zu überbrücken. Damit will man einen Beitrag zu sicherer, zuverlässiger und umweltfreundlicher Mobilität der Zukunft leisten.

„Der Fahrsimulator ist sozusagen unsere Zeitmaschine. Er ist ein ideales Mittel, um einen Menschen in die automobile Zukunft zu versetzen. Egal, ob es um automatisiertes Fahren, Elektromobilität oder neue Sicherheitskonzepte geht, wir können Technik und Mensch in jede denkbare Situation bringen, ohne jemanden zu gefährden“, erläutert Prof. Dr. Schneider.

Der Fahrsimulator kann beispielsweise dafür eingesetzt werden, neuartige Systeme zur Fahrerüberwachung zu entwickeln und zu testen. Diese sollen eine Einschätzung des kognitiven Zustands der Fahrerin bzw. des Fahrers erlauben. Damit wäre es dann möglich einzuschätzen, wie gut der Mensch in der Lage ist, die Kontrolle zu übernehmen, wenn ihn das automatisierte Fahrzeug dazu auffordert. So kann die Sicherheit und Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren verbessert werden.

Das frisch eingeweihte System soll hauptsächlich in Projekten des Forschungsverbunds Verkehrstechnik und Verkehrssicherheit (FVV Trier) eingesetzt werden. Dieser interdisziplinäre Verbund besteht aus Ingenieuren, Informatikern und Psychologen unter Leitung der Professoren Dr. Matthias Scherer (Elektrotechnik), Dr. Hartmut Zoppke (Maschinenbau), Dr. Jörn Schneider (Informatik) an der Hochschule Trier sowie der Allgemeinen Psychologie der Universität Trier, geleitet von Prof. Dr. Christian Frings.

„Der Fahrsimulator ermöglicht es uns, experimentalpsychologische Messungen in einer kontrollierten und dennoch realitätsnahen Umgebung zu erheben“, betont Prof. Dr. Frings von der Universität Trier.

Um eine realistische Fahrzeugumgebung für den Fahrer zu erzeugen, wurde der Simulator um Teile des proTRon EVOLUTION, des Forschungsfahrzeugs der Hochschule Trier, ergänzt. Für dieses soll auch untersucht werden, wie Probanden mit neuen elektrischen Antriebskonzepten umgehen und wie innovative Assistenzsysteme gebaut sein müssen, die eine sparsame Fahrweise zur Optimierung von Reichweite und CO2-Bilanz fördern.

Die grundlegende Stärke des Forschungsgroßgerätes, Fahr- und Verkehrsszenarien auf gefahrlose, realistische und reproduzierbare Art zu analysieren, ist ein immenser Vorteil für die Arbeit der Wissenschaftler an der Optimierung des Zusammenspiels von Mensch und Maschine.

Die Forscher erwarten, dass die Zusammenarbeit der Hochschule Trier mit der Fahrzeugindustrie durch dieses neue Forschungsgroßgerät erheblichen Anschub erfahren wird, was durch erste Gespräche und Kooperationszusagen bestätigt wird. Im Anschluss an den Festakt fand ein Fachsymposium zum Einsatz von Fahrsimulatoren für die Entwicklung und Gestaltung der Mobilität der Zukunft statt. Beide Veranstaltungen erfreuten sich breiter Beteiligung von Vertretern aus Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft.

Nach einer etwa dreijährigen Bau- und Erprobungszeit nahm Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf die feierliche Einweihung des Forschungsgroßgeräts vor. Die Carl-Zeiss-Stiftung förderte das Projekt mit knapp einer halben Million Euro. Gleichzeitig gab es eine ergänzende finanzielle Zuwendung seitens des Förderkreises der Hochschule Trier.

Editor: Jens Stoewhase mit Pressematerial der Hochschule Trier

Autor: jst

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12.02.2020 07:07