PERSPECTIVE

07.September 2018

Die Wirtschaftsförderer, Teil 1 – Die SAENA



Die deutsche Automobilindustrie wandelt sich und hat mit den Themen Elektromobilität, Automatisierung, Sharing und Vernetzung vier große Themen, an denen sie sich abarbeiten muss. Für die wirtschaftpolitische Gestaltung in den Bundesländern ist dieser Wandel ebenfalls ein wichtiger Standortfaktor. Gilt doch insbesondere die Autoindustrie als Jobmotor und sorgt entsprechend für Steueraufkommen. Verschiedene Landesgesellschaften unterstützen deshalb in den Bundesländern in ihrer Funktion als Wirtschaftsförderer nicht nur die Ansiedlung neuer Unternehmen, sondern sind Gestalter und übernehmen Verantwortung bei Forschungsprojekten, die den Wandel in der Automobilindustrie begleiten bzw. beschleunigen können.

Wir von intellicar haben dabei festgestellt, dass sich diese Landesgesellschaften in den letzten drei Jahren stark auf die neuen Themen fokussiert haben. War zuerst die Elektromobilität das wichtige Themenfeld, wurde nach Ende der „Schaufenster Elektromobilität“ schnell klar, dass sich die Mobilitätsthemen in Richtung neue Geschäftsmodelle, autonomes Fahren und Vernetzung von Fahrzeugen und Infrastrukturen entwickeln würden. Die Agenturen reagierten mit einem schnellen Wandel. Vor diesem Hintergrund haben wir die verschiedenen Agenturen um ein Statement zu ihrer neuen Ausrichtung gebeten und werden sie in einer kleinen wöchentlichen Reihe veröffentlichen. Den Anfang machen die KollegInnen der Sächsische Energieagentur – SAENA GmbH in Dresden.

Vom Schaufenster Elektromobilität zur Effizienten Mobilität in Sachsen

Das Schaufenster Bayern-Sachsen ELEKTROMOBILITÄT VERBINDET wurde 2012 von der Bundesregierung an die beiden Kooperationspartner auf Basis eines gemeinsamen guten Konzepts vergeben. Erfahrung mit Elektromobilität konnte der Freistaat Sachsen damals bereits aus der Modellregion Elektromobilität Sachsen vorweisen. Im Schaufenster wurde die Elektromobilität auf Langstrecken, im urbanen und ländlichen Raum erprobt sowie Weiterbildungsangebote entwickelt. Die För- derung breiter Akzeptanz, die Erforschung des Nutzerverhaltens und der Aufbau von Know-how standen im Fokus. So wurde die internationale Sichtbarkeit gesteigert und Kooperationen angebahnt. Dabei hat die Sächsische Energieagentur – SAENA GmbH als Projektleitstelle Partner zusammengeführt und beraten, Projekte initiiert und begleitet sowie die Antragstellung koordiniert.

In ca. 40 Projekten mit über 100 Partnern wurden rund 130 Millionen Euro von Bund, Ländern und Unternehmen im Zeitraum von 2012 bis 2016 umgesetzt und münden in aktuell weiter betriebenen Konzepten, Produkten und Dienstleistungen. Dazu gehören z.B. ein Autoservice im ländlichen Raum, der das System von Elektromobilität, Lademanagement, hauseigener Stromgewinnung sowie -speicher ganzheitlich integriert. Zudem werden Produkte wie Straßenleuchten mit Stromlademodul vermarktet. Der Fuhrpark der sächsischen Polizei wurde elektrifiziert sowie Hybrid- und Elektrobusse mit modernstem Lademanagement in Verkehrsbetrieben eingeführt. Sächsische Kommunen implementieren und erproben den Einsatz von Elektrofahrzeugen in ihren Fuhrparks und arbeiten an umfassenden Mobilitätskonzepten für Ihre Bürger. Der Aufbau flächendeckender und bedarfsgerechter Ladeinfrastruktur steht ebenfalls im Fokus aktueller Entwicklungen. So sind z.B. wichtige Ladepunkte an der A9 in der Nutzung.

Auch nach Abschluss des Schaufensters arbeitet die Kompetenzstelle der SAENA GmbH, finanziert durch das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, weiter an der Effizienten Mobilität in Sachsen. Dafür berät SAENA Unternehmen, Hochschulen sowie Verwaltung und die breite Öffentlichkeit zum Thema, bietet den Austausch im Netzwerk im Rahmen von Veranstaltungen, berät zur Förderlandschaft und stellt den Dialog zur Landes-, Bundes- und EU-Ebene sicher. Effizienter Verkehrsfluss, Verkehrssicherheit und Komfort sind Anforderungen, die mit Hilfe von Automatisierung und Vernetzung erfüllt werden können. Zur Erhöhung des elektrischen Fahrzeuganteils bedarf es ergänzend Lösungen Intelligenter Verkehrssysteme. Z.B. ist die intelligente Einbindung des elektrischen Schwerlastverkehrs Gegenstand des Projektes eJIT – Just-in-Time-Logistiksystem auf elektromobiler Basis.

Die sächsischen Akteure arbeiten längst an der smarten Elektromobilität und einem hochautomatisierten Verkehrsmanagementsystem. Mit dem BMW i3, i8, VW eGolf und Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid schlägt das Herz der Elektrofahrzeugfertigung in Sachsen. Das VW-Werk in Zwickau wird zur reinen E- Mobilitäts-Produktion umgestaltet, in erster Linie für die Volkswagen I.D.-Reihe. In und um Chemnitz bündeln sich softwarestarke Unternehmen und Institute für Umfelderkennung, Sensordatenverarbeitung und Lokalisierung. In unmittelbarer Nachbarschaft sind die Kernkompetenzen für Telekommunikationsnetze verankert, die in absehbarer Zeit für die V2X-Kommunikation benötigt werden. Das 5G Lab Germany forscht seit 2014 mit Industriepartnern am Mobilfunk von morgen. Test- und Prüftechnologien für zukünftige automatisierte und vernetzte Fahrzeuge werden von der FSD Fahrzeugsystemdaten GmbH – Zentrale Stelle nach StVG neutral entwickelt und vorgegeben.

Infineon startet in Dresden ein Entwicklungszentrum für Automobilelektronik und Künstliche Intelligenz. Bosch baut eine Halbleiterfabrik für Chips, die im Bereich autonome Fahrzeuge und IoT zum Einsatz kommen. Leipzig und Dresden arbeiten in Smart Hubs an der Vernetzung der Systeme. In diesem Ökosystem wird ein digitales städtisches Testfeld Dresden/Sachsen aufgebaut, was die Möglichkeit für Testfahrten bietet, um automatisierte und vernetzte Fahrfunktionen zu erproben und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig wird in Leipzig der Betrieb eines autonomen Shuttles mit höheren Geschwin- digkeiten vorbereitet. Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung sind eingeladen den Wandel vom traditionellen Zuliefererland über die Integration von Mikroelektronik, Sensorik, Leichtbau und Softwareentwicklung hin zum Angebot einer Effizienten Mobilität mitzugestalten. www.effiziente-mobilitaet-sachsen.de

Wir bedanken uns für das Statement bei Yvonne Jähne, Sächsische Energieagentur – SAENA GmbH
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