03.12.2019 - 11:37

Sind Mobility-Startups Augenwischerei?

Arthur Kipferler ist Mobilitäts-Experte und Partner bei der Wirtschaftsberatung Berylls Strategy Advisors. Die Meldung, dass Bosch seinen Roller-Sharing-Dienst Coup einstellt, hat ihn dazu bewegt, ein Statement zu diesem und ähnlichen Mobility Startups zu verfassen. Wir stellen es an dieser Stelle zur Diskussion.

Ende November 2019 musste der Sharing-Service Coup sein Ende verkünden. Coup ist bzw. war bald eine Ausgründung des Automobilzulieferers Bosch und wurde gemeinsam mit BCG Digital Ventures entwickelt. Basis waren die elektrischen Mopeds bzw. Roller des taiwanesischen Sharing-Anbieters Gogoro.

Arthur Kipferler ist der Überzeugung, dass dem Beispiel von Coup weitere Mobility-Startups folgen werden:

„Bosch stellt seinen E-Roller Sharing-Dienst Coup ein und verpasst der Euphorie rund um Dienstleistungen zu neuer Mobilität einen empfindlichen Dämpfer. Tatsächlich operieren viele Mobility Start-ups auf sehr dünnem Eis, decken mit ihrem Angebot keine „echte“ Nachfrage oder gar ein Grundbedürfnis. Kunden mieten bei ihnen ein Auto oder einen E-Roller für einen Weg, den sie ansonsten zu Fuß oder mit dem Bus, der Straßenbahn zurückgelegt hätten. Daraus ist bislang noch kein nachhaltig funktionierendes Geschäftsmodell entstanden. Denn leider liegt der Mietpreis oft unter jenen Kosten die nötig wären, um diesen Service dauerhaft und zuverlässig zu betreiben.

Die sinnvolle Subvention, beispielsweise der Busse und Bahnen des ÖPNV, macht es den Newcomern defacto unmöglich, ihren Service preislich unter dem klassischen Angebot zu positionieren und dann auch noch komfortabler zu sein.

Die Auslastung ist und bleibt ein Killer bei allen Alternativen, erst recht beim Rollerverleih, der zunächst mehrere hundert bis tausend Roller in eine Stadt stellen muss, um eine gute Verfügbarkeit zu signalisieren und Kunden in der Folge zum Download der App zu bewegen. Selbstverständlich kann so ein Angebot richtig profitabel sein, wenn alle Roller 95% der Zeit vermietet sind. So weit die Theorie, die übrigens gleichermaßen für Busse oder Taxen gilt. In der Praxis aber, gibt es Nichtstoßzeiten, Regen, Nacht, Glätte etc., was das Erreichen der Profitabilität extrem herausfordernd, wenn nicht unmöglich macht.

Nur wenn die Mobilitäts Start-ups zu marktgerechten Preisen über eine ordentliche Auslastung eine profitable Kostenposition für ihren Service erreichen, machen solche Angebote aus wirtschaftlicher Sicht Sinn. Tatsächlich ist offenbar selbst mit den üppigen Bosch-Ressourcen im Hintergrund, ein Mobility-Angebot alles andere als ein Selbstläufer. Im Business-Plan verbergen sich einfach zu viele Hürden, die erfolgreich genommen werden müssen, die wichtigsten sind: günstige Kosten der Fahrzeuge, ihr Verschleiß und die Wartung, Marketingbudgets, die IT des Gesamtsystems und natürlich die Auslastung der Roller. Unternehmen, die eine Jonglage mit so vielen Bällen beherrschen, haben eine Chance auf Erfolg. Coup gehörte nicht dazu und verschwindet, viele weitere Mobility Start-ups werden folgen.“

Wie sehen Sie die Zukunft von Mobility-Startups? Gleichzeitig stellen wir vom intellicar.de-Team die Frage in den Raum: Welche Anbieter und Unternehmen könnten die zukünftigen großen Player eines Mobilitätswandels sein?

Diskutieren Sie herzlich gern hier bei uns oder auf Twitter unter unserem Tweet >>. Wir bitten um einen fairen und seriösen Ton. Herzlichen Dank.

Autor: jst
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