25.11.2020 - 08:18

Fünf Mitarbeiter, vier Monate, ein Pilotprojekt

Der spanische Automobilhersteller Seat lässt aktuell fünf Montagearbeiter in einem 16-wöchigen Intensivkurs zu SEAT:CODE Nachwuchsprogrammierern umschulen. Das sind die bisherigen Erfahrungen.

Fünf Mitarbeiter, vier Monate, ein Pilotprojekt – Seat will dem digitalen Wandel in Industrie und Arbeitswelt mit einer wegweisenden Fortbildungsmaßnahme begegnen: Der spanische Automobilhersteller lässt aktuell fünf Montagearbeiter zu Nachwuchsprogrammierern umschulen. „Wir möchten zeigen, dass es sehr wohl möglich ist, Mitarbeiter, die bislang an der Montagelinie standen, so zu fördern, dass sie in einem völlig neuen Kontext arbeiten und dabei mithilfe moderner Technologien ihr Leben und ihre Zukunft verändern können“, erklärt Carlos Buenosvinos, CEO des Softwareentwicklungszentrums SEAT:CODE. Der Intensivkurs ist eine große Herausforderung, der sich die fünf Kandidaten mit der Unterstützung ihres Arbeitgebers jedoch gewachsen fühlen. Seat hat ihre Geschichten und Erfahrungen zusammengefasst:

26. Juni: Abschied vom bisherigen Arbeitsplatz

In der Werkshalle 8 im SEAT Werk Martorell ist Óscar Orellana gerade dabei, Sicherheitsgurte, Querträger und Airbagmodule zu montieren. „Ich habe vor neun Jahren als Auszubildender bei SEAT angefangen und seitdem verschiedene Tätigkeiten an der Montagelinie ausgeübt. Bis heute“, erklärt er. Sein Kollege Adrián Hitos stellt derweil im Elektroniklabor ein abschließendes Mal sicher, dass alle Maschinen einwandfrei laufen. Mit großer Freude erzählt er: „Für mich beginnt jetzt persönlich und beruflich ein neuer Weg. Ich bin sehr stolz, zu den Mitarbeitern zu gehören, die für diese Fortbildung ausgewählt wurden.“ Neben Óscar Orellana und Adrián Hitos haben sich für den Intensivkurs auch ihre Kollegen Miguel Ángel Pablos, Óscar Lara und Pablo Pardo qualifiziert.

Adrián Hitos fährt fort: „Es war schon immer mein Traum, Programmierer zu werden. Als ich von dieser Fortbildung hörte, habe ich nicht einen Augenblick gezögert.“ Für den Intensivkurs durfte sich jeder bewerben, der Mitarbeiter der SEAT S.A. ist und sowohl Interesse an der Softwareprogrammierung als auch Vorkenntnisse der englischen Sprache besitzt. Carlos Buenosvinos hat die Bewerbungen mit seinem Team gesichtet und erklärt, welche Kriterien für sie dabei eine Rolle spielten: „Bei SEAT:CODE legen wir großen Wert auf die Grundeinstellung des Bewerbers. Wir suchen bei Bewerbungsgesprächen nach diesem Funkeln in den Augen der Kandidaten, wenn sie über neue Technologien sprechen. Wir möchten ihren Willen spüren, die Zukunft mitzugestalten.“ So habe ein Kandidat während des Bewerbungsgesprächs erzählt, dass er ein eigenes Telemetriesystem entworfen habe, um sich mit den Fahrzeugen, die er reparieren sollte, verbinden zu können. Ein anderer habe ein unabhängiges WLAN-System eingerichtet, um Fahrzeuge in den verschiedenen Werkstätten zu orten.

29. Juni: Startschuss in ein neues Berufsleben

Der Intensivkurs für die fünf Programmierneulinge startet mit den Worten: „Guten Morgen. Ab heute machen wir aus euch Programmierer.“ In den folgenden 16 Wochen werden sie an der GeeksHubs Academy, der Programmierschule des spanischen IT-Dienstleisters GeeksHubs, alles lernen, was sie über Software wissen müssen – vom Front-End, der Benutzerschnittstelle, bis zum Back-End, der Schnittstelle für Administratoren. „Vor mir liegt eine große Herausforderung, das verunsichert mich schon ein wenig“, gibt Adrián Hitos zu. Óscar Orellana ist zuversichtlicher: „Ich bin hoch motiviert, weil ich jetzt auf eines meiner größten Ziele hinarbeiten kann.“

„Unsere Branche erlebt einen nie dagewesenen Wandel. Um diesen disruptiven Veränderungen zu begegnen, setzen wir bei SEAT auf unternehmenseigene Talente: Sie zeigen großes Engagement und sind mit der Unternehmenskultur vertraut. Darüber hinaus vermitteln wir unseren Mitarbeitern auf diese Weise, dass wir auf sie zählen, um die neuen Herausforderungen zu bewältigen“, erklärt Ismael Lara, Leiter der Abteilung für Unternehmenskultur, Fortbildung und Personalentwicklung bei der SEAT S.A. „Wir sind fest davon überzeugt, dass die Mitarbeiter, die diesen Kurs durchlaufen, anschließend einen noch wertvolleren Beitrag in unserem Unternehmen leisten können“, ergänzt Carlos Buenosvinos.

13. Oktober: Auf der Zielgeraden

Die fünf Kandidaten haben sich inzwischen bei SEAT:CODE eingelebt, vor ihnen liegen die letzten drei Wochen der Fortbildung. „Das ist eine sehr intensive Erfahrung. Wir haben in kurzer Zeit viel zu erledigen. Für mich ist das eine große, aber zu bewältigende Herausforderung“, sagt Adrián Hitos. „Die vergangenen Wochen waren sehr aufregend. Wir haben jeden Tag etwas Neues gelernt und sind zu einem Team zusammengewachsen. Wir unterstützen uns gegenseitig“, beschreibt Óscar Orellana die vergangenen Wochen. Von nun an ist jedoch jeder auf sich allein gestellt, denn die Bewerber müssen ihr individuelles Abschlussprojekt einer Jury vorstellen.

Ismael Lara ist von den Fortschritten der fünf Kandidaten durchweg begeistert: „Sie haben die erwartete Lernkurve bei Weitem übertroffen. Schon jetzt wären sie in der Lage, als Juniorentwickler zu arbeiten, zum Beispiel an Anwendungen für SEAT MÓ oder an der Software zur Optimierung der Unternehmenslogistik.“ Schon bald werden die fünf Mitarbeiter wissen, ob ihre Leistungen gut genug waren, um in das SEAT:CODE Team aufgenommen zu werden. „Ich fühle mich gut vorbereitet und denke, dass ich mit den anderen Programmierern im Team mithalten könnte“, sagt Adrián Hitos. „Jetzt beginnt meine Zukunft – mit der Entwicklung von Anwendungen und Webseiten für SEAT“, ist sich Óscar Orellana sicher.

16 Wochen intensives Training bis zum SEAT:CODE Junior-Programmierer

Die fünf Mitarbeiter sind zwar die ersten, die das Programm durchlaufen, sollen jedoch längst nicht die letzten sein, versichert Ismael Lara: „Dieses Pilotprojekt ist für uns nur der Anfang – aus ihm lässt sich aber schon jetzt die Richtung ablesen, in die wir uns in den nächsten Jahren bewegen werden.“ Carlos Buenosvinos fügt hinzu: „Für unser Unternehmen wird es große Vorteile haben, wenn wir uns dafür einsetzen, dass mehr Mitarbeiter diesen Prozess durchlaufen. Da auch andere Unternehmen die Chancen der Industrie 4.0 nutzen, werden wir uns bald in einem intensiven Wettbewerb wiederfinden.“

Autor: jst




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25.11.2020 08:15