30.03.2020 - 16:01

Wunder kauft in Australien zu und entlässt in Deutschland

Nach eigenen Angaben hat das Hamburger Startup Wunder Mobility den australischen Carsharer- und Technologieentwickler KEAZ übernommen. Mit der Technologie von KEAZ können Unternehmen wie Vermieter, Autohäuser und Unternehmen Benutzern über eine angepasste mobile Anwendung und ein Back-Office-Management-Tool den gemeinsamen Zugriff auf Fahrzeuge ermöglichen. 

KEAZ ist im asiatisch-pazifischen Raum und Nordamerika aktiv. Zu den Kunden zählen u.a. Unternehmen wie Toyota, Lexus, Envoy und Merchants Fleet. Durch den Deal werden Teile des australischen Teams, darunter auch Gründer und CTO Tim Bos, Teil von Wunder Mobility und verbleiben Down Under. KEAZ wurde 2013 gegründet und hat sich seitdem als Technologieanbieter im Carsharing- und Mietwagen-Bereich etabliert.

Wunder bietet schlüsselfertige Lösungen über eine Plattform, wodurch Unternehmen und Städte neue Mobilitätsdienste schnell starten und skalieren können. Nach eigenen Angaben nutzen bereits über 60 Partner in mehr als 70 Städten auf sechs Kontinenten die Wunder Mobility-Plattform. Das Headquarter und die technischen Büros von Wunder befinden sich in Deutschland (Hamburg, Dortmund). In Los Angeles gibt es auch ein US-amerikanisches Büro.

Unruhige Zeiten

Wunder bezeichnet sich selbst als eines von Europas am schnellsten wachsende Unternehmen für Mobilitätstechnologie. Allerdings bestätigen zwei voneinander unabhängige Quellen, dass parallel zur Übernahmemeldung von KEAZ auch eine Kündigungs- und Kurzarbeit-Welle angelaufen sei. Demnach sind bereits 20 Leute in die Kurzarbeit geschickt worden, weitere 20 Personen wurden während ihrer Probezeit kurzfristig entlassen. Weitere 10 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die am 1. April ihren neuen Job antreten sollten, werden demnach nicht bei Wunder Mobility anfangen können. Beide Quellen sprechen auch von einem sehr ruppigen internen Ton. Gleichzeitig herrsche im Team Unverständnis über die Akquisition von KEAZ und der parallel laufenden Entlassungswelle. Die Übernahme von KEAZ sei allerdings auch ein Prozess gewesen, der bereits seit längerer Zeit angebahnt wurde, nicht unüblich bei Firmenzukäufen.

Gleichzeitig ließ sich Gunnar Froh, Gründer von Wunder Mobility, noch am Freitag im Handelsblatt in Bezug auf den Zukauf von KEAZ zitieren: „Der Zukauf soll ein Auftakt für eine Serie sein. Wir sagen: Es passiert viel Schlechtes in der Corona-Zeit, aber es gibt auch viele Möglichkeiten“. Darüber hinaus soll der Gründer gegenüber dem Handelsblatt von weiteren Zukäufen gesprochen und auf etwa 50 Millionen Euro verwiesen haben, die für Akquisitionen zur Verfügung stünden.

Wir baten über eine Presseanfrage an Wunder Mobility um eine Stellungnahme. Gunnar Froh, Gründer und CEO von Wunder Mobility, ließ uns ein entsprechendes schriftliches Statement über die PR-Agentur des Unternehmens zukommen, das wir hier komplett unseren Leserinnen und Lesern zur Verfügung stellen wollen.

Wunder Mobility übernimmt Fleetbird„Wir können verstehen, dass die Meldung einer Akquisition mitten in der Krise, die auch uns gezwungen hat, unser Team in einigen Teilen neu auszurichten, bei einigen Menschen auf Unverständnis stößt.  

Konkret hat Wunder Mobility in den vergangenen zwei Wochen bei 10% des Teams die Arbeitsverträge aufgehoben. Davon waren ausschließlich Mitarbeiter in Probezeit betroffen. Für weitere 10% des Teams wurde vorübergehend Kurzarbeit beantragt.  

Für uns als junges Unternehmen ist ein strategisches Wachstum sehr wichtig. Akquisitionen spielen dabei eine wesentliche Rolle. Sie helfen sicherzustellen, dass wir schnell auf neue Marktumstände reagieren können und sich unser Unternehmen auch in Krisenzeiten zügig entwickelt.  

Gerade die Mobilitätsbranche ist von den Einschränkungen durch das Corona-Virus massiv betroffen. Wir fokussieren uns derzeit auf die Geschäftsbereiche, die schon heute erheblichen Umsatz generieren. In anderen Bereichen wie Research & Development oder Events fällt aktuell weniger Arbeit an. Die Planung unseres Wunder Mobility Summits beispielsweise hat im Augenblick keine hohe Priorität. Die Nachfrage im Kundenservice ist hingegen gestiegen.  

Wir sind sehr optimistisch, dass diese Maßnahmen nur kurzfristig notwendig sind und sich das Wachstum der Mitarbeiterzahlen nach Ende der Corona Krise wieder beschleunigen wird.“

Autor: Jens Stoewase (eigene Recherche und mit Pressematerial der WunderCar Mobility Solutions GmbH sowie einer Stellungnahme von Gunnar Froh über die schoesslers GmbH)

Autor: jst
Gefunden bei intellicar.de
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30.03.2020 16:58