15.01.2020 - 21:01

Wie sich Kia für die Zukunft neu erfinden will

Der koreanische Autohersteller Kia hat seine Strategie für die kommenden fünf Jahre präzisiert. Das Ganze läuft unter dem Namen „Plan S“. Neben einem starken Anteil an batterieelektrischen Fahrzeugen, will man auch neue Mobilitätsprodukte und -dienste aufbauen.

Die Kia Motors Corporation hat auf ihrem Investorentag in Seoul neben der Finanz- und Investitionsstrategie bis 2025 Details des so genannten „Plan S“ vorgestellt. Es wundert nicht, dass die mittel- bis langfristige Strategie neben der Antriebselektrifizierung insbesondere neue Mobilitätsdienste sowie Konnektivität und automatisiertes Fahren umfasst. Ganz grundsätzlich strebt das Unternehmen eine führende Rolle in der Autoindustrie an. „Plan S“-Strategie setzt auf einen zweigleisigen und vorausschauenden Wandel von einem auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ausgerichteten Business hin zu einem System, in dessen Zentrum Elektrofahrzeuge und maßgeschneiderte Mobilitätslösungen stehen.

CEO Han-woo Park auf Investor Day

Bis Ende 2025 wollen die Koreaner eine vollständige Palette von elf E-Fahrzeugen anbieten. Da die Elektromobilität weltweit – laut Prognosen – bis 2026 weiter wachsen soll, geht Kia davon aus, bis dahin einen weltweiten Jahresabsatz von einer Million umweltfreundlicher Fahrzeuge zu erreichen (ohne China), davon 500.000 Stromer.

Im Rahmen des neuen Geschäftsmodells will Kia neue Mobilitätsdienstleistungen anbieten. Die Basis dafür sollen Elektrofahrzeuge sein bilden. Für die wachsenden Märkte Carsharing- und E-Commerce will der koreanische OEM passende und zweckgebundene Spezialfahrzeuge entwickeln und gleichzeitig „Wettbewerbsfähigkeit auf höchstem Niveau gewährleisten“.

„Die rasanten Veränderungen in der Automobilindustrie bieten für Kia Motors einen günstigen Zeitpunkt, sich jetzt radikal in ein Unternehmen zu verwandeln, das sich global wegweisenden, auf Kundennutzen abzielenden Innovationen widmet. Kia wird sich aktiv erneuern, die bevorstehenden Herausforderungen annehmen und neue Chancen erkennen und nutzen, um das Unternehmen voranzutreiben“, sagte Han-woo Park, Präsident und CEO von Kia Motors. „Plan S ist eine mutige Roadmap für die bevorstehende Geschäftsumstellung von Kia, die sich auf die beiden Säulen Elektrofahrzeuge und Mobilitätslösungen stützt. Für uns steht der Kunde an erster Stelle. Kia wird seine Markeninnovation durch die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen stärken, die Kunden neue Erfahrungen ermöglichen.“

Förderung von Mobilitätsdiensten, Einstieg ins PBV-Geschäft Kia wird sein Geschäft diversifizieren, um vor allem in Großstädten umweltfreundliche Mobilitätsdienste im Bereich des elektrischen und autonomen Fahrens anzubieten. Das Unternehmen wird auch in den Markt für zweckgebundene Spezialfahrzeuge (PBV) einsteigen, um sich hier einen neuen Firmenkundenstamm aufzubauen. Angesichts der wachsenden Verbreitung von E-Commerce und Car-Sharing gilt das PBV-Geschäft als Wachstumsmarkt.

Alternativen zu Fahrverbotszonen?

In weltweit bedeutenden Großstädten, die aktiv auf den Klimawandel reagieren und die Verbreitung von Elektrofahrzeugen unterstützen, will Kia in Kooperation mit lokalen Partnern Mobilitätsknotenpunkte einrichten, die Ladestationen, Fahrzeugwartungszentren und Komforteinrichtungen beinhalten. Da aus Umweltschutzgründen bestimmte Bereiche der Städte von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor nicht befahren werden dürfen, dienen diese „Mobility Hubs“ dem Umsteigen zwischen Elektro- und Verbrennerfahrzeugen. Kia wird die Infrastruktur der Knotenpunkte wie Ladestationen oder Komforteinrichtungen nutzen, um neue Geschäftsmodelle zu erforschen.

Langfristig soll es in Stadtzentren selbstfahrende Robotaxis und bedarfsgesteuerte Roboshuttles geben, die auch die „Mobility Hubs“ bedienen. Betreiben will diese autonomen Fahrservices Kia.

Bei Mobilitätsdiensten bereits mittendrin

Sowohl in Korea als auch in anderen Ländern hat Kia in jüngster Zeit die Zusammenarbeit mit Mobilitätsdienstleistern intensiviert. 2018 investierte man in Grab, den größten südostasiatischen Anbieter von Mitfahrdiensten (Ridehailing-Services), Lebensmittelzustellung und Zahlungslösungen. Im März 2019 stieg man bei Ola ein, einem indischen Unternehmen, das Peer-to-Peer-Ridesharing, Ridehailing, Taxidienste, Lebensmittelzustellung und andere Mobilitätsdienste anbietet.

In Madrid gründete Kia mit dem spanischen Energiekonzern Repsol das Joint Venture Wible, das im September 2018 seinen Betrieb aufgenommen hat. Wible verfügt über 500 Fahrzeuge vom Typ Kia Niro Plug-in Hybrid, die den Nutzern im „Free-Floating“-Verfahren zur Verfügung stehen, also innerhalb des Servicegebiets überall angemietet und zurückgegeben werden können. Seit dem Start haben sich mehr als 130.000 Mitglieder bei Wible registiert.

Im September 2019 unterzeichnete Kia – als Teil der Hyundai Motor Group – eine Vereinbarung zur Gründung eines Joint Ventures mit Aptiv. Aptiv entwickelt u.a. autonome Fahrlösungen. Diese Partnerschaft soll Kia helfen, seine autonomen Fahrtechnologien auf den Levels 4 und 5 (nach SAE) voranzutreiben, die als Standards für zukünftige Mobilitätslösungen dienen sollen. Im Rahmen des Joint Ventures soll bis 2022 eine hochmoderne autonome Fahrplattform entwickelt und 2023 in ausgewählten Bereichen getestet werden. Im zweiten Halbjahr 2024 ist die kommerzielle Produktion und die Lieferung der Plattform an globale Automobilhersteller und Mobilitätsdienstleister geplant.

Starker Fokus auf Spezialfahrzeuge

Kia begnügt sich aber nicht damit, für Fahrzeuge, die an einzelne Endverbraucher verkauft werden, neue Nutzungsoptionen zu eröffnen. Der Hersteller richtet seine Aufmerksamkeit auch auf das Wachstumspotenzial des Spezialfahrzeug-Marktes, der Unternehmen und andere Kunden bedient. Die Nachfrage von Firmenkunden aus den Bereichen Transport, Logistik und Vertrieb soll in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich stark zunehmen. Während der Spezialfahrzeug-Anteil am weltweiten Automobilmarkt zurzeit bei nur 5 Prozent liegt, wird prognostiziert, dass er mit der zunehmenden Verbreitung von E-Commerce und Ridesharing bis 2030 auf 25 Prozent anwachsen wird.

Kia wird seine Anstrengungen vor allem darauf konzentrieren, durch die Gewinnung von Kernkunden PBV-Produkte in führenden Märkten zu fördern. In einer Übergangsphase will das Unternehmen dabei mit speziellen Verkleidungen für vorhandene Modelle wie Kia e-Niro und e-Soul arbeiten. Anschließend werden auf die Zielkunden zugeschnittene Spezialfahrzeuge entwickelt und produziert, zum Beispiel Carsharing-Fahrzeuge, Niederflur-Logistikfahrzeuge zum einfachen Be- und Entladen oder Lieferwagen mit Kühl- und Gefrierausrüstung für Frischwaren.

Mit der zunehmenden Verbreitung autonomer Fahrtechnologien will Kia sein Geschäftsmodell um maßgeschneiderte Speziallösungen erweitern, die sich auf elektrische, selbstfahrende Fahrzeuge wie zum Beispiel fahrerlose Kleinsttransporter und Robotaxis konzentrieren. Als Basis dient dabei eine integrierte, modulare „Skateboard“-Plattform inklusive einer flachen, tief positionierten Batterie und einem kompakten Motor – zwei der zentralen Elektrofahrzeugkomponenten. Diese Struktur ermöglicht die Montage einer Karosserie, die sich ganz nach den funktionalen Anforderungen der Nutzer gestalten lässt. Bei derartigen, für besondere Zwecke eingesetzten Spezialfahrzeugen misst Kia wettbewerbsfähigen Kosten eine große Bedeutung bei. Deshalb will man eng mit externen Unternehmen zusammenarbeiten und sein eigenes Netzwerk für das Geschäft mit Fahrzeugsonderausstattungen nutzen sowie ein spezielles Entwicklungsteam und Produktionssystem aufbauen.

Finanzierung des Wandels

Kia plant, bis Ende 2025 insgesamt 29 Billionen Won (25 Milliarden US-Dollar) zu investieren und das bei einer erwarteten Betriebsgewinnmarge von 6 Prozent und einer Eigenkapitalrendite von satten 10,6 Prozent. Die Investitionen in den Prozess des Übergangs zu elektrischen und autonomen Fahrzeugen sowie zu künftigen Mobilitätsdiensten will der Konzern größtenteils durch Einsparungen bei Investitionen im Bereich der Verbrennungsmotoren finanzieren.

Kia erwartet ein schrittweises Sinken der Investitionskosten bei Verbrennern, weil man die Fertigungskomplexität reduzieren selbst reduzieren will. Stattdessen sollen die Investitionen auf elektrische und autonome Fahrzeuge konzentriert werden, um seine weltweite Führungsposition in zukünftigen Geschäftsfeldern zu festigen.

Die Investitionen in das Zukunftsgeschäft sind auf die Stärkung der technologischen Kompetenz von Kia sowie die Erschließung neuer Geschäftsfelder ausgerichtet und werden über offene Innovationen getätigt, die vielfältige Synergien mit externen Playern schaffen, heißt es in einer entsprechenden Pressemeldung.

Editor: Jens Stoewhase mit Pressematerial der Kia Motors Deutschland GmbH

Autor: jst
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15.01.2020 21:38