22.07.2020 - 07:47

Wie Bosch sich für die digitale Zukunft wappnet

Bosch bündelt Fahrzeugelektronik und Software. Zum neuen Geschäftsbereich „Cross-Domain Computing Solutions“ gehören ab Anfang des kommenden Jahres rund 17.000 Mitarbeiter in mehr als 20 Ländern weltweit. Dafür führt Bosch Mitarbeiter aus der Software-, Elektrik- sowie Elektronikentwicklung aus den Bereichen Fahrerassistenz und automatisiertes Fahren, Car Multimedia sowie Antrieb und Body Electronics in der neuen Einheit zusammen.

Das Auto wird inzwischen vor allem durch Software und Elektronik verändert. Bis zum Jahr 2030 soll der Markt für softwareintensive Elektroniksysteme jährlich um rund 15 Prozent wachsen. Da ist es nur nachvollziehbar, dass Bosch in diesem Markt eine führende Rolle einnehmen und ausbauen möchte. Mit dem neu gegründeten Geschäftsbereich „Cross-Domain Computing Solutions“ will man sich deshalb passend aufstellen. Bestehende und neue Kunden sollen von der neuen Einheit ab Anfang 2021 Elektroniksysteme und die dazu passende Software für alle Fahrzeugbereiche beziehen können.

Der Trend zu einer immer anspruchsvolleren Elektronik sowie immer mehr Software nimmt nicht mehr ab. So steigt die Komplexität in der Fahrzeugentwicklung erheblich an. Bosch will diese Komplexität mit übergreifenden Software- und Elektroniklösungen reduzieren. Zudem sollen neue Fahrzeugfunktionen künftig deutlich schneller auf die Straße kommen. Dafür führt das Unternehmen rund 17.000 Mitarbeitern aus der Software-, Elektrik- sowie Elektronikentwicklung aus den Bereichen Fahrerassistenz und automatisiertes Fahren, Car Multimedia sowie Antrieb und Body Electronics in der neuen Einheit zusammen.

Software

Hatte ein Auto vor zehn Jahren noch rund zehn Millionen Zeilen Software-Code, soll die Software von automatisiert fahrenden Fahrzeugen zwischen 300 und 500 Millionen Codezeilen umfassen. Zur Einordnung: Alleine eine Million Zeilen Code entsprechen rund 18.000 gedruckten Textseiten. „Software bestimmt künftig maßgeblich die Fähigkeiten und Eigenschaften von Fahrzeugen. Sie sorgt dafür, dass Autos immer smarter werden und liefert Autofahrern einen erlebbaren Mehrwert“, sagt Harald Kröger, Geschäftsführer in der Mobilitätssparte der Robert Bosch GmbH. Der Zulieferer will die strategische Bedeutung der Fahrzeugsoftware früh erkannt haben und entwickelt sie seit rund vier Jahrzehnten selbst – nach eigenen Angaben mit einem aktuellen jährlichen Invest von drei Milliarden Euro.

Die traditionelle Softwareentwicklung in einzelnen, voneinander unabhängigen Bereichen gerät jedoch zunehmend an ihre Grenzen. Deshalb will der Konzern seine Expertise in der automobilen Softwareentwicklung in der Cross-Domain Computing Solutions bündeln. „Software aus einer Hand zu liefern, ist unsere Antwort auf die immense Herausforderung, Autos immer stärker zu digitalisieren“, so Kröger.

Er verantwortet den neuen Geschäftsbereich, in dem künftig sowohl die Basissoftware der Fahrzeugcomputer und Steuergeräte als auch die Software der Fahrzeugfunktionen – von der Einparkhilfe und dem Spurhalteassistenten bis zum Musikstreaming – entwickelt wird. In Folge kommen neue Funktionen künftig deutlich schneller und via Software-Update zu den Nutzern. Fahrzeughersteller könnten ihren Kunden somit ein überzeugendes Fahrzeugerlebnis aus „einem Guss“ anbieten, so heißt es bei Bosch.

Die Zulieferer stehen unter Zugzwang: BMW, Daimler und der Volkswagen-Konzern postulieren seit einiger Zeit, dass sie eigene Betriebssysteme für ihre Fahrzeuge entwickeln wollen. Man will den Eigenanteil an Software von aktuell 10 auf ca. 60 Prozent steigern. Da stellt sich in dem Wachstumssegment Software natürlich die Frage: Wo bleiben dann noch die Zulieferer?

Fahrzeugelektronik

Parallel zu einer übergreifenden Softwareentwicklung will Bosch intensiv daran arbeiten, die elektrische und elektronische (E/E-)Architektur von Fahrzeugen zukunftsfähig zu machen. In der neuen Einheit bündelt das Unternehmen daher ebenso die Entwicklung von Fahrzeugcomputern, Steuergeräten und Sensoren. Ihr reibungsloses Zusammenspiel ist in Zukunft entscheidend. „Kernaufgabe von Cross-Domain Computing Solutions wird es sein, die Komplexität der Elektroniksysteme beherrschbar und darüber hinaus so sicher wie möglich zu machen“, sagt Kröger. Besonderen Fokus will Bosch dabei auf Hochleistungsrechner als technische Basis für die Digitalisierung neuer Fahrzeuge legen.

Sie bündeln in allen Fahrzeugbereichen die immer umfassenderen Funktionen und übernehmen die Aufgaben einzelner Steuergeräte. „Mehr als 100 einzelne Steuergeräte sind in aktuellen Premiumfahrzeugen verbaut, selbst in Kleinwagen sind es heute bereits 30 bis 50. Mit Hochleistungsrechnern lässt sich diese Anzahl zukünftig deutlich reduzieren“, erklärt Kröger weiter. Da diese Fahrzeugcomputer sowohl für Cockpit- und Vernetzungsfunktionen, für Fahrerassistenzsysteme und automatisiertes Fahren sowie den Antrieb nun erstmals in einer übergreifenden Einheit entwickelt werden, entsteht eine durchgängige IT-Architektur für das gesamte Fahrzeug. Sie sorgt für ein nahtloses Zusammenspiel der elektrischen und elektronischen Komponenten. Zudem realisiert Bosch damit wertvolle Synergien.

Markt- und Kundennähe

Mit Cross-Domain Computing Solutions will der Zulieferer seinen Kunden künftig Fahrzeugelektronik und Software aus einer Hand bieten. Ab Anfang 2021 sollen daher der gesamte Geschäftsbereich Car Multimedia und weitere Produkteinheiten der Geschäftsbereiche Powertrain Solutions, Chassis Systems Control und Automotive Electronics, die übergreifende softwareintensive Elektroniksysteme entwickeln, bei Cross-Domain Computing Solutions unter einem Dach zusammengeführt werden. Der neue Geschäftsbereich wird damit rund 17.000 Mitarbeiter an mehr als 40 Standorten und in über 20 Ländern beschäftigen. Die Details der zukünftigen Organisation sollen unter Beteiligung der zuständigen Arbeitnehmervertretungen erarbeitet werden.

Fertigungskompetenzen

Bereits im April 2020 hat Bosch die gesamte Elektronikfertigung des Unternehmensbereichs Mobility Solutions gebündelt. Im Geschäftsbereich Automotive Electronics soll nun die Produktion von Steuergeräten und Fahrzeugrechnern übergreifend für alle Fahrzeugbereiche koordiniert werden. So sollen Synergien auch in der Fertigung realisiert werden. Im neuen Fertigungsverbund arbeiten demnach rund 24.000 Mitarbeiter in 21 Werken und 14 Ländern.

Autor: jst

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