08.03.2021 - 09:20

Volkswagen präsentiert Strategie-Update

Der Autobauer forciert nach eigenen Angaben seine Elektro-Offensive und will sein Geschäft noch konsequenter digital ausrichten. Das hat CEO Ralf Brandstätter bei einem Update zur Unternehmensstrategie angekündigt. Brandstätter machte klar, dass der Wandel zur Elektromobilität erst der Anfang eines harten Ausleseprozesses in der Autoindustrie ist – die Digitalisierung von Produkten und Geschäftsmodellen steht bevor.

Elektrifizierung, softwaredefinierte Produkte, neue datenbasierte Geschäftsmodelle und autonomes Fahren – diese vier großen Kräfte treiben die künftige Entwicklung von Fahrzeugen, wenn es nach Volkswagen geht. Der OEM will den Wandel in diesen Bereichen forcieren, indem das Unternehmen Software zur Kernkompetenz ausgebaut, zusätzliche Erlöse in der Nutzungsphase der Autos erschließt und das autonome Fahren bis 2030 in die Breite trägt. „So, wie wir beim Thema E-Mobilität mutig vorangegangen sind, gehen wir auch die weiteren Zukunftsthemen an“, so Ralf Brandstätter.

Volkswagen will also das Tempo bei der Transformation zum softwareorientierten Mobilitätsanbieter deutlich anziehen. Mit der am 5. März 2021 vorgestellten Strategie ACCELERATE stellt sich das Unternehmen auf die möglicherweise tiefgreifenden Veränderungen der Automobilindustrie einstellen und das möglichst früh. Nach einer globalen Elektro-Offensive will der Konzern die Integration von Software im Fahrzeug und das digitale Kundenerlebnis zu wichtigen Kernkompetenzen machen. Mit datenbasierten Geschäftsmodellen will Volkswagen neue Kundengruppen ansprechen und zusätzliche Erlösquellen erschließen. Auch das Thema autonomes Fahren soll noch in dieser Dekade für viele Menschen verfügbar werden. „Die E-Mobilität war nur der Anfang, die echte Disruption steht noch bevor. Mit ACCELERATE erhöhen wir das Tempo auf dem Weg in die digitale Zukunft“, so Ralf Brandstätter, CEO von Volkswagen. „Wir werden Volkswagen in den kommenden Jahren so stark verändern wie nie zuvor.“

Mit der Strategie TRANSFORM 2025+ hatte Volkswagen seit 2016 seine tiefgreifende Transformation und die größte E-Offensive der Industrie gestartet. In der Retrospektive dürfte damit der Dieselskandal 2015 womöglich der wichtigste Katalysator für den Wandel des Konzern sein. Damals fiel offenbar nicht nur eine fragwürdige Führungskultur im Konzern in sich zusammen. Womöglich stieg damit auch eine neue, vorwärtsgewandte Denke wie der Phoenix aus der Asche.

Mit ACCELERATE will sich Volkswagen nun zur „begehrenswertesten Marke für nachhaltige Mobilität“ wandeln. Für die beschleunigte Transformation verfolgt Volkswagen nach eigenen Angaben drei strategische Werttreiber – „den Wert der Marke“, „skalierbare Plattformen“ und „wertvolles Unternehmen“ – die mit konkreten Maßnahmen und ambitionierten Zielen hinterlegt sein sollen.

Mit seinem Volumen will der Autobauer für die notwendige Skalierung der Software im Konzern sorgen. Software-Integration in das Fahrzeug und das digitale Erlebnis für Kundinnen und Kunden möchte das Führungsteam somit zur Kernkompetenz des Unternehmens machen, das hierzu federführend das kundenzentrierte digitale Ökosystem entwickeln soll. Dabei wird die ID.Familie zum Vorreiter. Dazu hat Volkswagen die agile Projekteinheit ID.Digital gegründet, die ab Sommer 2021 im 12-Wochen-Rhythmus Updates „over the air“ bereitstellen soll. Im besten Fall bleibt so das Fahrzeug über den gesamten Lebenszyklus permanent aktuell und wird mit neuen bzw. verbesserten Funktionen versorgt. Schon in zwei Jahren soll eine vollvernetzte Flotte von über 500.000 Fahrzeugen auf den Straßen fahren.

Geschäftsmodell 2.0

Das Auto als softwarebasiertes Produkt soll Volkswagen die Voraussetzungen für neue, datenbasierte Geschäftsmodelle ermöglichen. Einstiegshürden in die individuelle Mobilität sollen sinken – bei gleichzeitig passenden Nutzungspaketen für die Kundschaft. So will das Unternehmen zusätzliche Erlöse in der Nutzungsphase generieren – für Lade- und Energiedienstleistungen, für softwarebasierte Funktionen, die der Kunde je nach Bedarf dazu buchen kann, oder auch für das automatisierte Fahren.

Auch bei der Angebotsstruktur will Volkswagen die Komplexität deutlich reduzieren. Künftige Fahrzeuggenerationen werden demnach mit erheblich weniger Varianten produziert. Die individuelle Konfiguration wird nicht mehr über die Hardware beim Kauf festgelegt. Das Auto hat quasi alles bereits an Bord und die Kundschaft kann gewünschte Funktionen „on demand“ über das digitale Ökosystem im Auto hinzubuchen. Die Komplexität in der Fertigung nimmt dadurch deutlich ab. Das Prinzip kennt man bereits aus der Games-Industrie. Schon zu Zeiten, als noch DVDs und CDs als Datenträger für Computerspiele existierten, konnte man Zusantzcodes erwerben, um Erweiterungsoptionen in Spielen freizuschalten.

Steigerung der Profitabilität

Bis 2025 investiert Volkswagen rund 16 Milliarden Euro in die Zukunftsthemen E-Mobilität, Hybridisierung und Digitalisierung. Um die hohen Zukunftsinvestitionen schultern zu können, hat sich das Unternehmen mit ACCELERATE das Ziel gesetzt, weiter konsequent an seiner Effizienz zu arbeiten. Die angestrebte operative Marge von mindestens 6 Prozent soll bis zum Jahr 2023 erreicht und darüber hinaus nachhaltig abgesichert werden.

Der Fokus liegt dabei auf der Stärkung der Resilienz gegenüber Marktschwankungen. Dazu will Volkswagen bis 2023 die Fixkosten um 5 Prozent senken, die Produktivität der Werke um 5 Prozent jährlich steigern, die Materialkosten um 7 Prozent optimieren und alle Regionen nachhaltig in die schwarzen Zahlen bringen. In Südamerika und den USA peilt die Volkswagen bereits im laufenden Geschäftsjahr den Breakeven an. In Nordamerika wird demnach jetzt mit rund 15 Prozent weniger Absatz die Gewinnzone erreicht, in Südamerika sogar mit rund 30 Prozent weniger.

Trinity

All das, was sich Volkswagen für die Zukunft vorgenommen hat, soll im Jahr 2026 erstmals in einem Fahrzeug für die Kundinnen und Kunden erlebbar werden. Im Projekt Trinity fließen alle Faktoren zusammen. Dasdaraus resultierende Fahrzeug soll für Volkswagen in dreifacher Hinsicht neue Standards setzen: technologisch, beim Geschäftsmodell 2.0 und bei neuen Produktionsansätzen im Stammwerk Wolfsburg.

„Trinity ist so etwas wie der Kristallisationspunkt unserer Strategie ACCELERATE, ein Leuchtturmprojekt, unser Software Dream-Car“, sagt Ralf Brandstätter, CEO der Marke Volkswagen.Die neu entwickelte Fahrzeugarchitektur wird Maßstäbe bei Reichweite, Ladegeschwindigkeit („Laden so schnell wie tanken“) und Digitalisierung setzen.

Trinity soll von Beginn an automatisiertes Fahren mit Level 2+ ermöglichen und perspektivisch Level 4. „Trinity wird für unsere Kunden eine Art Zeitmaschine, die ihnen Zeit schenkt und Stress erspart. Diese Technologie darf nicht zum Privileg einiger weniger werden, darum machen wir sie durch unsere Skalierung für viele Menschen erreichbar“, so Ralf Brandstätter. Die fünf Jahre bis dahin dürften für Volkswagen immer mit einem Blick auf Tesla und Co verbunden sein. Honda hat gerade Level-3-Funktionen im Serienfahrzeug angekündigt. Tesla und weitere OEMs werden bis in fünf Jahren ebenfalls deutliche Schritte gemacht haben, wenn man die aktuellen schnellen Entwicklungsschritte bei Software und auch bei der Lidar-Technologie betrachtet.

Bei Volkswagen ist man trotzdem guter Hoffnung: Mit heute rund 6 Millionen verkauften Fahrzeugen pro Jahr will Volkswagen die nötigen Volumina mitbringen, um das in der Entwicklung anspruchsvolle autonome Fahren zu skalieren und weltweit auszurollen. Dazu wird Volkswagen beginnend mit Trinity ab 2026 federführend im Konzern über die vollvernetzte Fahrzeugflotte hinweg ein neuronales Netz aufbauen. Darüber sollen Fahrzeuge künftig kontinuierlich Daten austauschen – etwa zur Verkehrslage, Hindernissen oder Unfällen. Damit setzt Volkswagen auf ein selbstlernendes System mit Millionen Fahrzeugen, von dem die Kundschaft aller Konzernmarken profitieren soll.

Ralf Brandstätter: „Volkswagen wird sich von Grund auf verändern. Wir werden nicht nur für klimafreundliche E-Mobilität stehen, sondern vor allem auch für faszinierende digitale Kundenerlebnisse, für neue Geschäftsmodelle und das autonome Fahren für Viele. In den vergangenen Jahren haben wir uns eine starke Ausgangsbasis erarbeitet. Mit ACCELERATE geben wir der Digitalisierung jetzt einen weiteren Schub.“

Autor: jst




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