25.03.2021 - 08:37

Region Hannover soll On-Demand-Service „sprinti“ bekommen

Den On-Demand-Service „sprinti“ wollen die Region Hannover und die Verkehrsunternehmen ÜSTRA und regiobus im Umland Hannovers einrichten. Für eine bis zu dreieinhalb Jahre dauernde Testphase geht das System in den drei Kommunen Sehnde, Springe und Wedemark ab Juni dieses Jahres an den Start. Im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens erhielt Via den Zuschlag für den Testlauf.

Der Service mit dem Namen „sprinti“ soll den Buslinienverkehr sinnvoll ergänzen und dabei schneller, flexibler und komfortabler nutzbar sein als bisherige Ruf- oder Anrufsammeltaxi-Verkehre.

„Mit sprinti schaffen wir ein Mobilitätsangebot im Umland, das für die Menschen attraktiver sein kann als ins eigene Auto zu steigen“, erläutert Regionspräsident Hauke Jagau. „Statt starrer Bedienung im Regeltakt wollen wir Fahrtwünsche schneller und vor allem nach Bedarf erfüllen. Eine simple App übernimmt dabei die Bestell- und Bezahlfunktion. Der Bus kommt, wenn er tatsächlich gebraucht wird. Dies ist nicht nur eine Frage der Wirtschaftlichkeit oder für mehr Service im öffentlichen Nahverkehr: Im ländlichen Raum bedeuten schnelle, verlässliche Verkehrsverbindungen Lebensqualität. Ich freue mich, auf viele neugierige und hoffentlich zufriedene sprinti-Fahrgäste!“

„Dieses Projekt ist ein Meilenstein für die Mobilität in den Umlandkommunen und in dieser Form sicherlich einmalig in Deutschland“, betont Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz. „Die Verkehrswende kann nur gelingen, wenn wir die Kunden überzeugen. Schnelligkeit, Verfügbarkeit, unkomplizierte Buchung und Bezahlung sowie der Komfort während der Fahrt, sind die Erfolgskomponenten“, meint Franz.

So funktioniert der „sprinti“

Gebucht werden kann der „sprinti“ über die GVH App. Die Kunden werden an virtuellen Haltestellen abgeholt bzw. abgesetzt – nicht weiter als 150 Meter vom Start- oder Zielort entfernt. Von der Buchung des Kunden bis zur Nutzung sollen nur ca. 15 bis 20 Minuten vergehen. Zusätzlich können Fahrten im Voraus bestellt werden – auch als wiederkehrende Fahrten. Nutzen kann den Service, wer über eine gültige GVH-Fahrkarte verfügt – genau wie beim Fahren mit Bussen und Bahnen; es gibt keinen Preisaufschlag. Attraktiv und vor allem besser merkbar sollen die Einsatzzeiten sein: 06:00 bis 01:00 Uhr an Werktagen, an den Wochenenden von 8:00 bis sogar 4:00 Uhr.

Die Fahrzeuge, mit denen das Testangebot begleitet wird, werden bis zu sechs Fahrgäste aufnehmen können. Sie werden barrierefrei und in der Lage sein, bis zu zwei Rollstühle mitzunehmen. Dies wird per Hublift am Heck des Fahrzeuges ermöglicht. Rollatoren oder Kinderwagen können ebenfalls mitgenommen werden. Insgesamt 20 Kleintransporter des Typs „Mercedes-Benz Sprinter Mobility“ sind für die drei Kommunen vorgesehen. Die Rekrutierung der Fahrerinnen und Fahrer läuft bereits. Die Firma Via möchte in den nächsten Wochen rund 100 Personale für den neuen Fahrdienst gewinnen. Im Rahmen von Schulungen sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor dem 1. Juni fit gemacht werden.

Zurzeit geht das Betreiberkonsortium von jährlichen Aufwendungen von knapp 3,5 Mio. Euro aus. Die Region Hannover hat für das Projekt für die ersten beiden Jahre einen Förderantrag auf EU-Mittel gestellt. Die Förderquote beträgt dabei 50 Prozent. Auch nach den ersten beiden Jahren strebt die Region eine Förderung des On-Demand-Services an. „Wir bewerben uns aktuell mit dem „sprinti“ im Rahmen des Modellprojektes zur Stärkung des ÖPNV“, erklärt Franz. Mit bis zu 30 Mio. Euro und einer Quote von bis zu 95 Prozent fördert das Bundesverkehrsministerium innovative Projekte im Nahverkehr. „Das Ziel ist es, dieses On-Demand-System in der sogenannten Tarifzone C des GVH auszurollen. Damit würden wir insgesamt 11 Kommunen einbinden“ so Franz.

Um das neue Angebot angemessen zu bewerben und vor Ort bekannt zu machen, läuft derzeit eine Ausschreibung für eine Marketingagentur. Die Vergabe ist für Ende März vorgesehen. Die wesentlichen Bausteine der Kommunikation für den „sprinti“ sind die Beteiligung der potentiellen Nutzer, die Bekanntmachung vor Ort und die Vermittlung der Nutzungsmodalitäten durch verschiedene Inhalte und Kanäle. Der zeitliche Hauptfokus für die Bewerbung liegt zunächst um den Einführungstermin herum – also im Mai und Juni, soll aber auch danach fortgesetzt werden.

„sprinti soll in das bestehende Busliniennetz der Kommunen integriert werden. Eine Ergänzung im besten Sinne“, betont ÜSTRA Vorständin und regiobus-Geschäftsführerin Elke van Zadel. Neben dem umweltpolitischen Aspekt sei auch die Wirtschaftlichkeit ein wichtiger Faktor. „Schließlich wird der Transporter dort eingesetzt, wo der Bus keinen Sinn macht.“

„Selbst bei der Ausweitung der On-Demand-Verkehre wird das Busangebot weiterhin die tragende Säule des Verkehrsangebotes dort vor Ort sein, wo es den Bedarf gibt. Mit einem neuen Angebot ergeben sich möglicherweise weitere Arbeitsfelder und flexiblere Einsatzmöglichkeiten in Zukunft“, betont ÜSTRA Vorständin Denise Hain.

Ein kleines Aber

Auch Moia, der Ridesharing-Service aus dem Volkswagen-Konzern, läuft in Hannover. Dessen Bediengebiet ist bisher eher innerstädtisch. Aktuell pausiert der Service wohl aufgrund der Pandemiesituation. Laut Webseite startet man wieder im August 2021 und dann mit einer elektrischen Flotte, wie man sie bereits aus Hamburg kennt. Bleibt also die Frage: Warum bedient Moia zukünftig nicht auch die Randgebiete bzw. die Region Hannover?

Autor: jst

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25.03.2021 08:55