08.07.2020 - 07:29

Mit MyAutoData sollen Verbraucher ihre Fahrzeugdaten selbst monetarisieren können

Autos sind heute auf vielen Ebenen vernetzt – mit onlinebasierten Service-Providern, dem Hersteller oder Entertainmentanbietern. Die auf diesem Wege erhobenen Fahrzeugdaten sollen kostbar sein wie nie und werden ausgiebig – etwa für Marketing und Entwicklungszwecke – von den Automobilkonzernen genutzt. Das meint zumindest MyAutoData und will selbst Geld verdienen.

Bei MyAutoData ist man der Meinung, dass Verbraucher noch nicht wissen, wie sehr ihre Fahrzeugdaten ein echter Goldschatz sind. Versicherung, Zulassung, TÜV, Reparatur, Leasing, Kauf oder die Bewegungsdaten – bislang gab es keine Möglichkeit für Verbraucher, diese Daten digital an einem Ort vor einem unbefugten Zugriff durch Dritte sicher aufzubewahren und zu nutzen. Das Startup MyAutoData aus München will das ändern und Verbraucherinnenn und Verbrauchern einen Datentresor zur Verfügung stellen.

MyAutoData, kurz MAUD, soll demnach als geschlossenes Ökosystem funktionieren: Fahrzeughalter im können sogenannten Datentresor ihre Daten selbst geschützt verwalten und mit einer Zugriffserlaubnis, die den teilnehmenden Unternehmen erteilt wird, auch Geld verdienen. Oder durch vergünstigte Angebote, etwa von Versicherungen, sparen. MAUD funktioniert – nach eigenen Angaben – außerdem als Fahrtenbuch. Unternehmen können die freigeschalteten Informationen rechtssicher und DSGVO-konform abfragen. Auf dem integrierten Marktplatz erhalten die Nutzer auf Anfrage per Knopfdruck Angebote über Services und Produkte für ihr Fahrzeug. Die Mitgliedschaft ist für Fahrzeughalter und Unternehmen kostenlos.

Geld muss natürlich trotzdem verdient werden: Fahrzeughalter haben so bei MAUD weltweit die Gelegenheit, ihre Daten sicher und selbstbestimmt zu verwalten und damit Geld zu verdienen. Damit dies funktioniert, können geprüfte Unternehmen auf der Plattform gegen Gebühr Analysen der freigeschalteten Daten durchführen. Die Daten sind dabei weitestgehend anonymisiert und können nicht aus der Plattform extrahiert werden. Der Nutzer entscheidet selbst, welche Daten er freischalten möchte, und kann dies jederzeit rückgängig machen.

Unternehmen wie z. B. Autohändler, Autoversicherer oder Werkstätten erhalten auf der Plattform direkt von den Eigentümern aktuelle, qualitative und rechtssichere Echtzeitdaten, und das herstellerübergreifend sowie fahrt- und fahrzeugbezogen, heißt es in einer Pressemitteilung. Ein Vorteil für die Fahrzeugbesitzer sei: Auf dem MAUD Marketplace fragen sie mit einem Klick Serviceangebote für das eigene Kfz oder Motorrad z. B. von Werkstätten ab – die Nutzer bekommen so nur relevante Angebote und immer das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

Unternehmen können bei MAUD ihre Angebote nur auf konkrete, reale Anfragen hin einstellen oder individualisierte Werbung senden, wenn der Fahrzeughalter dies wünscht. Über den C2B-Marktplatz erhalten sie Leads durch direkte Angebotsanfragen der Fahrzeughalter, generieren neues Umsatz- und Kundenpotenzial und sparen bei Werbekosten und der Kundenakquisition.

Darüber hinaus will man die Daten seiner Mitglieder bestmöglich vor Cyberangriffen schützen, indem die Daten zerstückelt und auf unterschiedliche Datenbanken verteilt gespeichert werden. Diese wie auch die Server seien zusätzlich noch kryptisch verschlüsselt. Zugriffe auf Daten sollen so nur innerhalb des Systems durch den jeweiligen Anwender, niemals von anderen Personen oder gar von außen möglich sein. „Wir verkaufen oder vermarkten weder E-Mail-Adressen noch Daten an Dritte“, so Heiss.

Die Software wurde laut MyAutoData in einem streng vertraulichen dreijährigen Projekt in Zusammenarbeit mit der datenspezialisierten Softwarefirma Itransition – die schon für Kunden wie eBay oder PayPal Projekte realisierte – umgesetzt.

Die MAUD Web-App wurde mit Open-Source-Tools entwickelt und soll mit allen aktuellen Browsern, Betriebssystemen und Endgeräten kompatibel sein. Zur einfachen Bereitstellung der Fahrdaten wurde zusätzlich die App MAUD Connect entwickelt. Diese überträgt Daten direkt in den persönlichen Datenspeicher des Fahrzeughalters. Die App funktioniert sowohl mit iOS- als auch mit Android-Geräten.

Hinter MyAutoData steht Manfred Heiss. Laut Pressemitteilung war Heiss bereits lange Jahre im Management bei der Softwarefirma Oracle tätig, hatte bei BMW mit der Digitalisierung zu tun und schrieb als Autor für die Stiftung Datenschutz der Bundesregierung.

Autor: jst

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08.07.2020 07:46