06.01.2020 - 17:29

Level 2+ und Level 4 Systeme: ZF vermeldet erste Auftragseingänge

Wenn es um automatisiertes und autonomes Fahren geht, dann fordert der Markt unterschiedliche Lösungen: Beim Pkw haben vorerst intelligente Assistenzfunktionen, so genannte Level 2+ Systeme, das größte Potenzial. Dagegen werden sich bei Nutzfahrzeugen und im städtischen Personentransport voraussichtlich vollautomatisierte Systeme nach Level 4 und höher durchsetzen. ZF zeigt auf der CES Lösungen für beide Themen.

„ZF bietet komplette Systeme mit unterschiedlichen Leistungsstufen an und ist mit Lösungen für Pkw, Nutzfahrzeuge und Industrietechnik in allen relevanten Anwendungsfeldern aktiv. Es zahlt sich jetzt aus, dass wir uns rechtzeitig strategisch auf diesen Bedarf eingestellt haben“, so der ZF-Vorstandsvorsitzende Wolf-Henning Scheider.

Erster Großauftrag für ZF coASSIST

ZF erhielt von einem nicht genannten asiatischen Automobilhersteller einen Großauftrag für die Lieferung des Level 2+ Einstiegssystems coASSIST für Pkw ab Ende 2020. Zum Lieferumfang zählen System- und Software-Entwicklung, Umfeldsensorik und zentrale elektronische Steuereinheit. Auf der Grundlage von Kamera- und Radardaten ermöglicht das Level 2+ System Funktionen wie etwa Abstandsregel-Tempomat, Verkehrszeichenerkennung, Spurwechsel-, Spurhalte- und Stauassistent.

„Für Pkw sehen wir bei Level 2+ Konzepten das größte Potenzial, automatisierte Fahrfunktionen umzusetzen und für alle Autofahrer erreichbar zu machen“, erläutert Wolf-Henning Scheider. Assistenzfunktionen werden hier durch ein zusätzliches Steuergerät zu einem ganzheitlich agierenden, leistungsfähigen und intelligenten Fahrerassistenzsystem zusammengeführt. Aus dem erhöhten Funktionsumfang sollensich für die Fahrer mehr Sicherheit und mehr Komfort ergeben als bei isolierten Fahrerassistenzsystemen. Gegen höhere Automatisierungslevel bei Pkw sprechen aktuell die hohen Systemkosten sowie die noch nicht geklärten rechtlichen Rahmenbedingungen, heißt es in der Pressemitteilung dazu. ZF coASSIST wird dabei als komplettes System für deutlich unter 1.000 US-Dollar erhältlich sein. ZF bietet neben coASSIST weitere, leistungsfähigere Level 2+ Systeme an: ZF coDRIVE und ZF coPILOT.

Entwicklungsauftrag für ZF ProAI im Lkw

„Bei Nutzfahrzeugen sehen wir dagegen schon jetzt eine Nachfrage nach Systemen, die vollautomatisiertes Fahren nach Level 4 und höher in wenigen Jahren möglich machen“, verdeutlicht Scheider. Nutzfahrzeuge können schon heute auf geschlossenen Arealen oder abgegrenzten Fahrspuren vollautomatisiert fahren. Zudem ergeben sich durch fahrerlosen Transport auf Betriebshöfen oder im städtischen Personentransport Einsparpotenziale, die zu einer raschen Amortisierung der Systemkosten führen.

Ein ebenfalls nicht genannter internationaler Nutzfahrzeughersteller hat ZF den Auftrag für die Entwicklung der ZF ProAI RoboThink erteilt: Ab 2024/25 soll diese als Zentralrechner eines vollautomatisierten Level 4 Systems im Lkw zum Einsatz kommen.

ZF will Anbieter von Software-Produkten werden

Außerdem stellt ZF die Weichen für eine schnellere und umfassendere Software-Entwicklung: Gemeinsam mit Microsoft wird ZF die Geschwindigkeit und Qualität seiner Prozesse, Methoden und Lösungen im Software-Engineering an das Vorbild von IT-Unternehmen anpassen. Durch diesen Wandel will ZF seine globalen Ressourcen effizienter einsetzen und besser auf Kundenbedürfnisse reagieren können. Zuletzt hatte ZF einen enge Zusammenarbeit mit Microsoft vermeldet. Dabei geht es um die Nutzung von Azure Cloud-Services und Entwicklertools sowie Microsofts Erfahrungen in der agilen Softwareentwicklung. In Zukunft wird ZF auch als Anbieter von reinen Software-Produkten im Automotive-Markt auftreten.

Editor: Jens Stoewhase mit Pressematerial der ZF Friedrichshafen AG

Autor: jst

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