09.09.2021 - 08:35

Intel setzt noch stärker auf Automotive

Pat Gelsinger, CEO von Intel, prognostizierte bei einer Keynote auf der IAA, dass die Kosten für Halbleiter bis 2030 über 20 % der Gesamtkosten bei Premium-Fahrzeugen ausmachen werden – ein Anstieg um mehr als das Fünffache von 4 % im Jahr 2019. Um die steigende Nachfrage zu bedienen, plant Intel u.a. den Bau neuer Chip-Fabriken in Europa.

Zurückzuführen sei diese Entwicklung demnach auf die generell steigende Nachfrage nach Halbleitern. Gelsinger rechnet damit, dass sich der TAM für Automobil-Halbleiter bis zum Ende des Jahrzehnts auf 115 Mrd. US-Dollar mehr als verdoppeln wird, was 11 % des Gesamtsiliziummarktes entspricht. Dieser Trend wird von dem getrieben, was Gelsinger die „Digitalisierung von allem” nannte, sowie von vier „Superkräften“, die die Auto- und Mobilitätsbranche maßgeblich beeinflussen werden – allgegenwärtige Datenverarbeitung, pervasive Konnektivität, Edge-to-Cloud-Infrastruktur und Künstliche Intelligenz.

Gelsinger beschrieb diese Situation als enorme Herausforderung und große Chance – und als perfekten Zeitpunkt für Intel, sich dieser Verantwortung zu stellen. „Diese neue Ära der anhaltenden Nachfrage nach Halbleitern erfordert eine mutige und weitsichtige Denkweise”, sagte Gelsinger. Damit dürfte sich auch zeigen, dass man bei Intel 2017 in ein gutes Näschen hatte, als man sich für die Übernahme des israelischen Startups Mobileye für 15,3 Mrd. Dollar entschied.

Investitionen in Europa

Um seinen Standpunkt zu verdeutlichen, erinnerte Gelsinger daran, dass Intel den Bau von mindestens zwei neuen Halbleiterfabriken in Europa mit einem Investitionsvolumen von bis zu 80 Mrd. Euro innerhalb der nächsten zehn Jahre plane. Er erläuterte auch die Bestandteile der bereits angekündigten IDM 2.0-Strategie des Unternehmens und erklärte, wie diese Programme speziell auf die Auto- und Mobilitätsindustrie in der EU zutreffen.

Die im März angekündigten Intel Foundry Services führen derzeit Gespräche mit potenziellen Kunden in Europa, darunter Automobilunternehmen und deren Zulieferer. Heute wird der Großteil der Chips für die Automotive-Industrie mit älteren Prozesstechnologien gefertigt. Mit der Umstellung der Automobilanwendungen auf höher performante Verarbeitung geht auch eine Migration zu fortschrittlicheren Prozesstechnologien einher. Intel arbeitet deshalb mit OEMs zusammen und stelle in Europa beträchtliche Ressourcen bereit, um diesen Übergang in den nächsten Jahren weltweit voranzubringen. Das Unternehmen kündigte Pläne an, in der Fabrik in Irland feste Foundry-Kapazitäten vorzuhalten und das neue Intel Foundry Services Accelerator Programm zu starten, um ChipentwicklerInnen in der Automobilindustrie beim Übergang zu fortschrittlicheren Nodes zu unterstützen. Hierfür baut Intel ein neues Design-Team auf und will sowohl kunden- als auch branchenspezifisches Wissen zur Verfügung stellen, um auf die spezifischen Bedürfnisse der Automobilkunden einzugehen.

Mobileye

Mobileye CEO Amnon Shashua skizzierte die Lösungen von Mobileye sowohl für Fahrassistenzsysteme als auch für Autonomes Fahren und beschrieb die Sensorkonfiguration, die auf Skalierbarkeit und Sicherheit auf allen Ebenen selbstfahrender Fahrzeuge abzielt. Er erklärte, dass Mobileye wie Intel „den Traum von autonomer Mobilität, überall, jederzeit und für alle Menschen“ teilt und branchenführende Lösungen von Mobileye zur Verwirklichung dieses Traums beitragen werden.

Mobileye zeigte bei der Keynote als Weltpremiere ein serienreifes selbstfahrendes Fahrzeug, das mit dem Selbstfahr-System Mobileye Drive ausgestattet ist und unter der Marke MoovitAV NutzerInnen als Mobilitätsdienst angeboten wird. „Mobileye hat es sich zur Aufgabe gemacht, autonome Fahrzeuge zu den Verbraucher:innen zu bringen”, sagte Shashua. „Das neue Mobileye Robotaxi, das über den MoovitAV Dienst zugänglich ist, stellt einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg hin zu einer Welt mit selbstfahrenden Fahrzeugen dar.”

In seiner Keynote betonte Gelsinger die Vorreiterrolle Deutschlands bei der Regulierung von autonomen Fahrzeugen und verwies auf das Mitte dieses Jahres verabschiedete Gesetz, das den kommerziellen Einsatz und Betrieb von selbstfahrenden Fahrzeugen erlaubt. Das neue Gesetz ermögliche es Mobileye, ab 2022 einen Robotaxi-Dienst gemeinsam mit der Münchner Sixt SE anzubieten. Intel und Mobileye sind davon überzeugt, dass autonome Fahrzeuge überall dort zum Einsatz kommen, wo die entsprechenden Rechtsrahmen geschaffen werden. Deutschland ist daher ein gutes Beispiel für andere Länder, um zu zeigen, wie die Branche dem Versprechen selbstfahrender Fahrzeuge näherkommen kann.

IEEE AV-Sicherheitsstandard

Jack Weast, Intel Fellow und Mobileye Vice President of Automotive Standards, diskutierte mit Gelsinger auf der Bühne den kürzlich veröffentlichten Entwurf des IEEE 2846 – der erste AV-Sicherheitsstandard, der sich mit der Frage beschäftigt: „Wie sicher ist sicher genug?”. Weast erläuterte, dass IEEE 2846 auf dem Mobileyes Responsibility-Sensitive Safety (RSS) Modell basiert, das jene Annahmen formalisiert, die von Menschen tagtäglich getroffen werden und die AVs machen müssen, um Risiko und Nutzen in Einklang zu bringen. „IEEE 2846 wird den Regulierungsbehörden das notwendige Werkzeug an die Hand geben, um AVs überall auf den Straßen zu akzeptieren”, sagte Weast.

Autor: jst




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