22.11.2019 - 12:49

IAA 2021 – von der Automesse zur Mobilitätsplattform?

Der VDA hat ein völlig neues Konzept für die IAA entwickelt: Die Messe soll künftig neben der Leistungsschau in den Hallen die Innovationen und Erlebniswelten auch in die Stadt zu den Bürgern bringen. Noch-VDA-Präsident Mattes hat erste Details verlauten lassen.

Nach mittelprächtigen Zahlen der 2019er Ausgabe in Frankfurt soll sich die IAA von einer Autoshow zur Mobilitätsplattform wandeln. Die deutschen Automobilhersteller legen auch in Zukunft den Fokus darauf, weltweit technologisch führende Fahrzeuge zu entwickeln und zu bauen. Gleichzeitig wandeln sie sich auch zu Mobilitätsanbietern. Neue Technologien setzen sich durch, neue Player treten auf den Markt. Der Verband der Automobilindustrie (VDA), als Organisator der IAA, will diesem Spagat mit einem neuen IAA-Konzept Rechnung targen.

Die IAA 2021 soll weiterhin die neuesten Fahrzeuge und Entwicklungen der Pkw-Hersteller und Zulieferer zeigen. Zugleich soll sie sich noch stärker als bisher als Dialog- und Themenplattform präsentieren und zu einem Ort des Wissensaustauschs entwickeln – unter Beteiligung der Automobilindustrie und anderen Branchen sowie unter Einbeziehung der Stadt, die 2021 Ort der neuen IAA wird.

„Die IAA wird keine reine Autoshow mehr sein, sondern eine Mobilitätsplattform. Sie wird auch raus aus den Messehallen und in die Städte gehen“, erklärt VDA-Präsident Bernhard Mattes. „Sie wird direkt zu den Menschen kommen, die außerhalb von Messehallen und -gelände neueste Fahrzeuge, neueste Technologie und Mobilitätskonzepte erleben und ausprobieren können.“

Den Städten, die bereits Interesse an einer Ausrichtung gezeigt haben, sind inzwischen die nötigen Unterlagen inkl. Anforderungskatalog, Timing und Erläuterungen zugegangen. Der VDA ist offen für weitere Kommunen, die sich an dem laufenden Bewerbungsverfahren beteiligen wollen.

„Natürlich steht für uns weiterhin das Automobil im Mittelpunkt. Aber wir werden für die kommende IAA auch die Verbindung mit anderen Verkehrsträgern suchen – und den Dialog mit den Menschen darüber, wie wir Verkehr künftig gestalten wollen“, erklärte Mattes.

Die neue IAA setzt mit dem neuen Konzept auf drei Säulen: Automobilhersteller, Zulieferer und Mobilitätsdienstleister können im Rahmen von Premieren, Pressekonferenzen und Markeninszenierungen ihre neuesten Fahrzeuge und Entwicklungen präsentieren und auf der IAA Conference aktuelle Themen durchaus auch kritisch diskutieren. Dieser Kern der IAA wird durch zwei Erlebniswelten ergänzt.

So sollen beispielsweise großzügige Teststrecken für Probefahrten und Parcours auf abgesperrten Straßen und Arealen entstehen. Besucher sollen dort neueste Technologie, wie beispielsweise automatisiert fahrende Autos mit alternativen Antrieben, neueste Modelle oder neue Mobilitätsangebote in Praxistests erleben können. In Verbindung mit Events sollen die Marken der Aussteller unmittelbar im urbanen Raum erlebbar werden. Zudem sucht die Branche den Dialog mit dem Bürger sowie automobil-kritischen Gruppen in Form von Dialogveranstaltungen.

Verbindungsglied zwischen dem Kern der IAA auf einer zentralen Fläche und dem urbanen Spot ist die dritte Säule: eine Erlebnisachse. Dort sollen Konzept-, Test- und Serienfahrzeuge der Aussteller pendeln und die Besucher neueste Technologie bis hin zum automatisierten Fahren unmittelbar im Praxistest erlebbar machen. Städtische Verkehrsangebote, darunter der ÖPNV, verschmelzen dabei zu einem neuen IAA-Mobilitätskonzept, das neue städtische Infrastruktur wie Wasserstofftankstellen, Ladesäulen und Mobilitäts-Hubs miteinbeziehen kann.

„Wir wollen, dass schon die kommende IAA über die Zeit des Events hinauswirkt. Mit dem Abbau der Stände ist nicht alles vorbei, sie soll etwas Nachhaltiges schaffen. Im besten Fall ist sie Anstoß für die Etablierung neuer Konzepte und Testfelder eines neuen Mobilitätsmixes in der ausrichtenden Stadt. Über dieses Konzept reden wir derzeit mit mehreren Städten“, sagte Bernhard Mattes.

Die Wandlung von einer reinen Leistungsschau zu einem Konzept für einen neuen Mobilitätsmix in der entsprechenden Stadt soll in enger Abstimmung mit der jeweiligen Kommune gelingen. Der VDA hat dafür eine recht konkrete Anforderung formuliert: Die Stadt selbst also sollte aktiv zum Gelingen beitragen. Dazu gehören die Bereitschaft, ein Organisations-Konzept zu entwickeln, sowie die Bereitstellung von Flächen für Erlebnisräume einschließlich eines Kosten- und Ertragsmodells. Zuletzt sind für einen Erfolg Organisationkapazitäten der jeweiligen Verwaltung und auch die Bereitschaft zu Investitionen nötig, etwa für einen Ausbau der Ladeinfrastruktur, Wasserstofftankstellen oder Erprobungsstrecken für autonom fahrende Autos.

Es dürfte spannend werden, welche Städte ein Interesse daran haben, Geld in die Infrastruktur zu investieren, die vorrangig für die IAA entwickelt werden müsste.

Editor: Jens Stoewhase mit Pressematerial des Verbandes der Automobilindustrie e. V. (VDA)

Autor: jst




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