04.07.2019 - 11:36

Daimler AG und BMW Group machen langfristige Entwicklungskooperation für automatisiertes Fahren fest

Foto: Daimler AG

Beide Konzerne haben sich zum Ziel gesetzt, innerhalb der langfristigen Entwicklungskooperation die Technologie für Fahrassistenzsysteme und hochautomatisiertes Fahren auf Autobahnen sowie automatisierte Parkfunktionen (jeweils bis SAE Level 4) voranzutreiben. Für 2024 plant man bereits die Markteinführung in Serien-Pkw, gleichzeitig wollen beide Unternehmen die Umsetzung der Technologie in Serienprodukte individuell betreiben. An den Standorten Sindelfingen und Unterschleißheim sollen zukünftig über 1.200 Fachleute die Entwicklungsarbeit übernehmen.

Die Daimler AG und die BMW Group haben den Start ihrer Zusammenarbeit im Bereich automatisiertes Fahren verkündet. Der dafür notwendige Vertrag über eine langfristige, strategische Kooperation auf diesem Gebiet wurde am 4. Juli 2019 unterzeichnet. Gemeinsam wollen die Hersteller die nächste Technologiegeneration für Fahrassistenzsysteme und automatisiertes Fahren auf Autobahnen sowie automatisierte Parkfunktionen (jeweils bis SAE Level 4) entwickeln. Gleichzeitig ist man auch an Gesprächen interessiert, wenn es um eine Ausdehnung des Kooperationsumfangs in der Zukunft auf höhere Automatisierungsgrade für urbane Gegenden und Städte geht. Das unterstreiche den langfristig und nachhaltig angelegten Charakter der Kooperation hin zu einer skalierbaren Plattform des automatisierten Fahrens, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Interessante Zusatzinfo für die Branche: Die nicht-exklusive Kooperation ist offen für weitere OEM- und Technologie-Partner. Die Ergebnisse der Zusammenarbeit werden zudem weiteren OEMs zur Lizenzierung angeboten.

Ziel der Zusammenarbeit ist unter anderem eine schnelle Markteinführung der Technologie: Ab dem Jahr 2024 sollen entsprechende Systeme in Pkw für Privatkunden verfügbar sein. Jedes Unternehmen wird die Ergebnisse der Entwicklungskooperation individuell in seine Serienprodukte umsetzen. Im Rahmen der Kooperation werden über 1.200 Fachleute zusammenarbeiten, zum Teil auch in gemischten Teams. Zu den Standorten zählen das Mercedes‑Benz Technology Center (MTC) in Sindelfingen, das Daimler Prüf- und Technologiezentrum in Immendingen und der BMW Group Autonomous Driving Campus in Unterschleißheim bei München. Die Aufgaben sind unter anderem, eine skalierbare Architektur für Fahrassistenzsysteme inklusive Sensoren zu konzipieren, ein gemeinsames Rechenzentrum zur Speicherung, Verwaltung und Weiterverarbeitung von Daten aufzubauen sowie Funktionen und Software zu entwickeln.

Zuletzt hatten Daimler und BMW gemeinsam mit Aptiv, Audi, Baidu, Continental, Fiat Chrysler, HERE, Infineon, Intel und Volkswagen das Whitepaper „Safety First for Automated Driving“ (Infos & Download) zur Sicherheit von automatisierten Fahrzeugen SAE Level 3 und 4 veröffentlicht. Die Publikation fasst alle relevanten Sicherheitsmethoden für das automatisierte Fahren nach SAE Level 3 und Level 4 zusammen und führt eine Methode der Nachvollziehbarkeit ein. Diese erstreckt sich vom TOP Ziel – sicherer als der durchschnittliche Fahrer – bis zu den einzelnen Sicherheitszielen der jeweiligen Komponenten.

Die Daimler AG arbeitet bereits seit geraumer Zeit intensiv an Serienentwicklungsprojekten sowohl für konkrete Level 3-Fahrzeuge als auch für Level 4/5-Fahrzeuge. Dabei baut Daimler auf eine langjährige Entwicklungserfahrung an aktiven Sicherheitssystemen auf, deren Funktionalitäten in weiten Teilen von Beginn an in-house programmiert werden. In San José im Silicon Valley wird 2019 der erste Pilot für Tests von Mercedes-Benz und Bosch für selbstfahrende Fahrzeuge (Level 4/5) im urbanen Bereich gestartet. Damit wird ein weiterer Meilenstein in der bestehenden Kooperation zwischen beiden Partnern erreicht und die Zusammenarbeit wie geplant fortgeführt werden. Anfang der kommenden Dekade wird Mercedes-Benz sowohl hochautomatisierte (Level 3) als auch vollautomatisierte (Level 4/5) Fahrzeuge auf den Markt bringen. Daimler sieht sich selbst als einzigen OEM weltweit, der aufgrund des Gesamtportfolios vom Pkw über Van und Bus bis hin zum Lkw für alle relevanten Anwendungsfälle des autonomen Fahrens bestens positioniert ist und setzt daher beim automatisierten Fahren auf skalierbare Lösungen.

Die BMW Group arbeitet seit dem Jahr 2006 am hochautomatisierten Fahren und hat für die Entwicklung zur Serienreife eine nicht-exklusive Plattform mit Technologie-, Zuliefer- und OEM-Partnern begründet. Seit 2017 ist die Entwicklung am Autonomous Driving Campus in Unterschleißheim gebündelt und die Industrialisierung der Technologie wird gemeinsam mit den Partnern vorangetrieben. Einzigartig sei dabei der von Level 2 bis 4 skalierbare Technologieansatz, der eine hohe Flexibilität und Zukunftsfähigkeit ermöglicht. Die dort erstmals eingesetzte agile Softwareentwicklung beschleunige dabei die Entwicklung der Plattform und setze Maßstäbe in der Automobilindustrie. Weltweit werde der neueste Technologiestand mit aktuell mehr als 70 Testfahrzeugen auf der Straße erprobt. Die Fahrzeuge sammeln Informationen, um die Technologie durch maschinelles Lernen mit künstlicher Intelligenz in der virtuellen Simulation weiter zu verbessern, und testen neue Funktionen von SAE Level 2 bis Level 5 auf der Straße. Die derzeit entwickelte Technologiegeneration wird 2021 erstmals im BMW iNEXT mit Level 3 in die Serie gehen und für Pilotprojekte mit Level 4 befähigt sein.

Autor: Jens Stoewhase mit Pressematerial der Daimler AG und BMW Group

Autor: jst

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