08.01.2020 - 11:40

CES: BMW rückt autonomes Fahren in den Fokus

BMW stellt auf der CES alles unter das Motto „Change Your Perception“. Der Autobauer will damit klarmachen, dass ein Wechsel der Perspektive möglich ist, die Mobilitätsbedürfnisse der Zukunft nicht nur zu verstehen, sondern auch beantworten zu können. Die Bayern wollen das in Las Vegas überzeugend darstellen.

BMW i Interaction EASE

Da wäre gleich das Paket „BMW i Interaction EASE“. Der OEM zeigt, wie sich seine Designer, Entwickler und Ingenieure eine Zukunft vorstellen, in der autonomes Fahren alltäglich sein könnte. Der Fokus liegt ganz auf dem Innenraum. Dieser soll dem Fahrgast nicht nur ein Gefühl vermitteln, dass er bereits während der Reise schon angekommen ist, sondern auch die Möglichkeiten intuitiver und fast menschlicher Interaktion zwischen Passagier und Fahrzeug aufzeigen.

Die künstliche Intelligenz des Fahrzeugs erkennt, was der Fahrgast jenseits der Fensterscheiben fixiert und bietet ihm dazu entsprechende Informationen oder weitere Interaktionsmöglichkeiten an. Im BMW i Interaction EASE kommt das auf dem Mobile World Congress 2019 präsentierte BMW Natural Interaction zum Einsatz – eine multimodale Kombination aus unterschiedlichen Bedienmodalitäten. Dazu gehören die aus den aktuellen BMW Modellen bereits etablierten Interaktionsmöglichkeiten via Touchbedienung, Gestensteuerung sowie der Austausch über natürliche Sprache mit dem BMW Intelligent Personal Assistant.

BMW Natural Interaction

Neben dem sprachlichen Austausch mit dem BMW Intelligent Personal Assistant und einer neuartigen Gestensteuerung eröffnet vor allem die Blickerkennung neue Möglichkeiten auf die Bedürfnisse und Wünsche des Fahrgastes einzugehen. Der Nutzer muss nicht erst spezifische Kommandos in verschiedenen Modalitäten mühsam erlernen. Vielmehr verarbeitet die künstliche Intelligenz (KI) des Fahrzeugs die akustischen und visuellen Informationen aus den verschiedenen Sensoren und interpretiert diese entsprechend im Kontext aus Fahrsituation, Zeit, Ort sowie Fahrzeugsignalen. Fixiert dieser ein Objekt außerhalb des Fahrzeugs, wird dies von der KI als Auswahl erkannt und registriert.

Diese Interaktionsweise ist dem zwischenmenschlichen Dialog nachempfunden, bei dem der Blick deutlich macht, wer oder was angesprochen beziehungsweise gemeint ist. Mithilfe eines nachfolgenden Kommandos per Sprache oder Geste startet anschließend die gewünschte Interaktion mit dem anvisierten Objekt. So lassen sich z.B. Informationen zu bestimmten Gebäuden einholen.

Panorama Head-Up Display

Eine zentrale Rolle kommt dabei dem Panorama Head-Up Display zu, das sich wie eine Windschutzscheibe über die komplette Breite der Front erstreckt. Es bietet dem Fahrgast drei Betrachtungsmodi – „Explore“, „Entertain“ sowie „Ease“ – an, die je nach Auswahl das Interieur verändern, Informationen über die Außenwelt einblenden sowie für Entertainment, Privatsphäre oder Entspannung sorgen. Wie eine zweite, digitale Informationsebene legt es sich so über die reale Welt und fungiert damit wie zu eine überdimensionale Augmented-Reality-Bedienoberfläche. Situativ und abhängig von der äußeren Umgebung kann es zusätzliche Informationen auf der Frontscheibe einblenden. Erste Funktionsumfänge von BMW Natural Interaction werden im BMW iNEXT verfügbar sein.

Im Explore-Modus rückt die Umgebung außerhalb des Fahrzeugs in den Fokus, der BMW Intelligent Personal Assistant kann mithilfe von Augmented-Reality-Technologie für den Fahrgast relevante Informationen auf dem Display und gleichzeitig in der Sichtachse passgenau über die reale Welt legen. Dabei werden auf Wunsch zusätzliche Infos oder Interaktionsmöglichkeiten mit der näheren und auch weiteren Umgebung angezeigt. Ein fokussierter Blick auf die Einblendung und weiterführende Informationen erscheinen auf dem Display. Um noch eine Interaktionsebene tiefer einzutauchen, reichte eine bestätigende Geste.

Im Entertain Modus steht das Erlebnis im Fahrzeug im Vordergrund. Die Außenwelt wird durch die abgedunkelten Seitenflächen ausgeblendet und auf dem Panorama Head-up Display können beispielsweise Filme angesehen werden. Die dort gezeigten Inhalte werden durch ambiente Beleuchtung im Innenraum wie auf einer Bühne in Licht und Farbe erweitert und erlaubt ein völliges Eintauchen in das mediale Erlebnis.

Im Ease-Modus verwandelt sich das Fahrzeug in einen Ort der Ruhe und Entspannung. Durch eine Berührung des intelligenten Materials nimmt der Sitz die sogenannte Zero-Gravity-Position ein und gibt dem Fahrgast das Gefühl, beinahe zu schweben. Der BMW Intelligent Personal Assistant dunkelt das Panorama Head-up Display ab, macht die Seitenflächen intransparent. Eine Lichtinszenierung taucht den Innenraum in ein beruhigendes Licht und eine entsprechende Soundinszenierung taucht den Raum in eine angenehme Klangwelt.

Sitzen

Und weil beim automatisierten Fahren eines Tages das Innenleben noch mehr Aufmerksamkeit braucht, hat BMW den Komfortsitz ZeroG Lounger ausgestellt, der so bereits in wenigen Jahren in Serie zum Einsatz kommen wird. Den ZeroG Lounger kann der Fahrgast bis zu einem Winkel von 60 Grad nach hinten neigen, ohne dabei Einbußen beim Komfort und bei der Sicherheit hinnehmen zu müssen. Das Ablegen und auf Wunsch induktive Laden des jeweiligen Geräts ist jederzeit möglich. Dank ausgefeiltem Design, hat der Fahrgast in jeder einstellbaren Sitz- oder Liege-Position des ZeroG Lounger ganz bequem die Möglichkeit, auf das Display seines Smartphones zu blicken. Zwei BMW X7 sind auf der CES mit ZeroG Lounger ausgestattet und stehen dort für Probefahrten zur Verfügung.

BWM i3 Urban Suite

Konventionelle BMW i3 wurden bis auf Fahrersitz und Dashboard komplett umgebaut und dem Ambiente eines Boutique Hotels nachempfunden. Im Innenraum der 20 BMW i3 Urban Suite Modelle, die auf den Straßen von Las Vegas im Einsatz sind und per App angefordert werden können, erwartet die Passagiere eine entspannte Atmosphäre. Dazu tragen Lounge-Sessel mit viel Beinfreiheit bei, die zudem die Möglichkeit bieten, in einer speziellen Hörzone die Außenwelt akustisch komplett auszublenden.

Vernetzung beginnt beim i3 schon damit, dass sich das Fahrzeug per App rufen lässt. Der Fahrgast kann darüber seinen Abholort eingeben und sein Ziel bestimmen. Sobald er in das gerufene Fahrzeug einsteigt, kann er sein iPhone kabellos mit dem Fahrzeug verbinden und sich die Inhalte seines mobilen Endgeräts via Mirror-Funktion auf dem ausklappbaren Dachhimmel-Display anzeigen lassen und damit arbeiten. In Sachen Entertainment setzt BMW auf Amazon Fire TV mit on-demand Zugriff auf eine Auswahl an Inhalten inklusive der Steuerung über Alexa. BMW will insgesamt demonstrieren, welche Möglichkeiten Infotainment in Bezug auf zukünftiges autonomes Fahren der Level 4 und Level 5 bieten könnte.

5G

Auf dem Messeauftritt setzt BMW das Thema 5G als Schwerpunkt. Der neue Mobilfunk-Standard katapultiert das mobile Netz in eine neue Dimension, dank seiner 10- bis 100-fach erhöhten Bandbreite im Verglich zu jetzigen Standards sowie minimalen Latenzen. Mit der Markteinführung des BMW iNEXT im Jahr 2021 wird dieses Fahrzeug auch 5G-fähig ausgestattet sein. Vor Ort gibt es eine Live-Demonstration, wie 5G auch beim Thema Verkehrssicherheit unterstützen kann. Ein BMW i3 sowie ein Smartphone sollen hierbei die Hauptrolle spielen.

Durch die 5G-Vernetzung des Fahrzeugs weiß die Intelligenz im Fahrzeug, wo sie sich befindet, und hat Informationen zu den umliegenden Gebäuden, Geschäften und anderen Objekten und kann diese bei Bedarf dem Nutzer anbieten. Die 5G-Befähigung des BMW iNext wird über die im Fahrzeug integrierte SIM-Karte ermöglicht, so dass der Kunde auch ohne ein entsprechend ausgerüstetes Smartphone die neue Technologie in seinem Fahrzeug nutzen kann. Die neue Generation der Telematik-Komponente, die die BMW Group zusammen mit HARMAN Samsung entwickelt hat, unterstützt so erstmals auch das hochpräzise Global Navigation Satellite System (GNSS). Damit wird nicht nur die Geopositionierung des Fahrzeugs genauer und zuverlässiger, sondern entspricht auch den gesetzlichen Vorgaben (Automotive Safety Integrity Level B nach ISO 26262 Standard). GNSS ist auch unabdingbar für die Umsetzung von teilautomatisierten Fahrfunktionen, wie sie beim BMW iNEXT verfügbar sein werden. Der Aufbau der Telematik-Komponenten ist zudem modular gehalten.

Mit Hilfe von 5G können Videoinhalte in hoher Qualität bis zu einer Auflösung von 4K wiedergegeben werden. Dasselbe gilt auch für Videokonferenzen, die neben einer hohen Datenrate ebenfalls niedrige Latenzen erfordern. Cloudbasiertes Gaming wird so zu einer interessanten Anwendung im Fahrzeug, da es ohne Verzögerung gestreamt werden kann.

Die BMW Group will den Einsatz der 5G-Technologie und deren Anwendungsmöglichkeiten auch Dritten öffnen. Bereits seit 1. Juli 2019 stellt der OEM seine anonymisierten sicherheitsrelevanten Verkehrsdaten allen Interessierten für nicht-kommerzielle Zwecknutzung zur Verfügung.

C-V2X

Für die Umsetzung und Realisierung von kooperativen und intelligenten Transportsystemen (C-IST) werden zwei Arten von Hochgeschwindigkeitsvernetzungen benötigt. Erstens gilt es sicherheitsrelevante Verkehrsdaten über eine neutrale Serverplattform allen im Verkehrssystem aktiven Parteien zur Verfügung zu stellen. Dies muss herstellerübergreifend, industrieübergreifend und auch im Austausch mit Verkehrsinstitutionen oder Behörden gewährleistet sein, heißt es von BMW. Zweitens hält BMW die Vernetzung aller Verkehrsteilnehmer für notwendig. Nur so sei sichergestellt, dass diese direkt (peer-to-peer) und in Echtzeit miteinander kommunizieren, ohne dabei auf Mobilfunkverbindung angewiesen zu sein.

Hierbei wird sich ein speziell ausgestatteter BMW i3 einem Fußgänger mit einem Smartphone nähern, das ebenfalls 5G unterstützt. Sobald eine bestimmte Entfernung zwischen den beiden unterschritten wird, werden sowohl im Fahrzeug als auch auf dem mobilen Endgerät Warnhinweise eingeblendet. In der praktischen Anwendung ließen sich via C-V2X alle Verkehrsteilnehmer, also neben Fahrzeugen auch Fußgänger, Fahrrad-, Roller- oder E-Scooterfahrer miteinander vernetzen. Wie ein solcher Anwendungsfall in der Praxis umgesetzt werden könnte, zeigt die BMW Group in Zusammenarbeit mit Qualcomm auf der CES im Rahmen einer Live-Demonstration.

Editor: Jens Stoewhase mit Pressematerial der BMW Group

Autor: jst
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08.01.2020 11:00