03.03.2021 - 08:36

Catena-X – Autobranche baut digitales Informations-Netzwerk aus

Man will mit Partnern aus benachbarten Branchen eine Vernetzung über ganze Lieferketten hinweg sicherstellen und verbessern. Über die Initiative „Catena-X“ sollen durch mehr Datenaustausch u.a. die Versorgungssicherheit erhöht, Rückrufe rascher abgewickelt und die Einhaltung von Klimaschutz-Regeln überwacht werden.

Im Rahmen der Veranstaltung „Durch Kooperation an die Spitze. Die Automobilbranche gestaltet den digitalen Wandel“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und des Verbands der Automobilindustrie haben die Initiatoren der Automotive Alliance über Fortschritte und weitere Details informiert. Zu den Gründern des Partner-Netzwerks zählen die BMW AG, Deutsche Telekom AG, Robert Bosch GmbH, SAP SE, Siemens AG und ZF Friedrichshafen AG.

Neben den Initiatoren werden sich die Mercedes-Benz AG, BASF SE, Henkel AG & Co. KGaA, Schaeffler AG, German Edge Cloud GmbH & Co. KG, ISTOS GmbH und SupplyOn AG, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V., die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V und ARENA2036 am Aufbau eines offenen, skalierbaren Netzwerks für den unternehmensübergreifenden und sicheren Informations- und Datenaustausch in der Fahrzeugindustrie beteiligen. Darüber hinaus sind schon jetzt mehrere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) an Bord.

Die Automotive Alliance will künftig unter dem Namen „Catena-X Automotive Network (Catena-X)“ auftreten. Als umsetzungsorientiertes Netzwerk und zur Sicherstellung von Offenheit und Neutralität plant Catena-X demnach, sich als eingetragener Verein zu organisieren. Catena-X versteht sich als erweiterbares Ökosystem, an dem sich Automobilhersteller und -zulieferer, Händlerverbände sowie Ausrüster, zu denen Anwendungs-, Plattform- und Infrastrukturanbieter gehören, gleichermaßen beteiligen können. Ziel ist es, einen einheitlichen Standard für Daten- und Informationsflüsse in der gesamten automobilen Wertschöpfungskette zu schaffen.

Durch eine standardisierte Informations- und Datenverfügbarkeit wollen die beteiligten Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit der Fahrzeugindustrie erhöhen, die Effizienz in der industriespezifischen Zusammenarbeit verbessern sowie Unternehmensprozesse flächendeckend beschleunigen. Ein Fokus soll insbesondere auch auf KMUs liegen, deren aktive Beteiligung für den Erfolg des Netzwerkes von zentraler Bedeutung ist. Catena-X wird daher von Beginn als offenes Netzwerk mit „KMU-ready“-Lösungen gedacht, an dem diese schnell und mit geringen IT-Infrastrukturinvestitionen teilhaben sollen.

Zudem sollen bereits bestehende Strukturen der europäischen Fahrzeugindustrie in das Netzwerk eingebunden und weiter optimiert werden – so zum Beispiel Prozesse im Bereich Teilelogistik. Neben Effizienzvorteilen in der Lieferkette versprechen sich die Teilnehmer des Netzwerkes beispielsweise leistungsfähigere Qualitäts- & Logistikprozesse, höhere Transparenz hinsichtlich nachhaltiger CO2-Reduzierung sowie ein vereinfachtes Stammdatenmanagement. Auf diese Weise durchgehend verbundene Datenketten sollen es ermöglichen, digitale Zwillinge von Automobilen zu erschaffen, auf deren Basis sich innovative Geschäftsprozesse und Serviceangebote entwickeln lassen.

Mit dem International Data Spaces (IDS) Standard für Datensouveränität, der auch Bestandteil der europäischen Cloud-Dateninfrastruktur GAIA-X sein wird, haben die beteiligten Unternehmen sich bereits auf wesentliche Infrastruktur-Grundlagen zur Projektumsetzung verständigt.

Gemeinschaftlich wurden im ersten Schritt fünf Anwendungsbereiche definiert, die mit Hilfe einer vernetzten Dateninfrastruktur einen swesentlichen Beitrag für steigende Produktivität und höhere Nachhaltigkeit entlang künftiger Wertschöpfungsketten leisten können: Qualitätsmanagement, Logistik, Instandhaltung, Lieferketten-Management und Nachhaltigkeit. In diesen Bereichen liegt der Fokus für Pilotprojekte von Catena-X. Darüber hinaus sind die Produktion und Entwicklung unterstützende Anwendungen geplant. Das Daten-Netzwerk soll eine wichtige Basis schaffen, damit die Branche den Herausforderungen der digitalen Transformation noch effizienter begegnen und die Chancen der Digitalisierung noch besser nutzen kann.

Damit dürfte der gemeinsame Datenraum Stück für Stück zum Tragen kommen, den die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel zuletzt angemahnt und die Industrie zur Zusammenarbeit ermuntert hatte.

Autor: jst

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