08.05.2020 - 08:03

Autoindustrie kein „Harmonisierungs-Champion“?

Eine aktuelle Befragung der Management- und Technologieberatung BearingPoint zeigt: Entscheider in der Automobilbranche wissen, wie wichtig global harmonisierte Abläufe sind – aber setzen sie selbst bisher kaum um.

Deutsche Automobil-Unternehmen und -Zulieferer geben sich selbst schlechte Noten, wenn es darum geht, mit vereinheitlichten Geschäftsprozessen digitale Innovationen voranzutreiben. Eine überwältigende Mehrheit von 83 Prozent der Teilnehmer stimmt in einer aktuellen Befragung von BearingPoint zu, dass harmonisierte Geschäftsprozesse im Sinne einer regions- und geschäftsübergreifenden Vereinheitlichung von Unternehmensabläufen ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei der unternehmensweiten Umsetzung von digitalen Innovationen sind. Gleichzeitig geben aber 77 Prozent aller Befragten an, dass in ihren Unternehmen die Prozesslandschaft überhaupt nicht oder nur teilweise harmonisiert ist. An der BearingPoint-Umfrage nahmen 200 Entscheider in mindestens leitender Funktion aus Unternehmen im Bereich Automotive und Automobilzulieferer teil.

Die Umfrage zeigt auch, dass Unternehmen mit einer flächendeckenden Harmonisierung von Geschäftsprozessen („Harmonisierungs-Champions“), erfolgreicher darin sind, Digitalisierungsinnovationen umzusetzen. Sie haben solche Neuerungen 19-mal häufiger ausgerollt als Unternehmen, die ihre Prozesslandschaft laut eigener Aussage gar nicht vereinheitlicht haben („Harmonisierungs-Laggards“) und doppelt so häufig als die Unternehmen, die ihre Prozesslandschaft nur teilweise vereinheitlicht haben („Harmonisierungs-Practitioners“).

Für „Harmonisierungs-Champions“ unter den befragten Unternehmen sind vor allem Big Data & Analytics sowie Internet of Things (IoT) wichtige digitale Innovationsbereiche. 31 Prozent dieser Unternehmen setzten bereits Initiativen in Big Data & Analytics um, 25 Prozent bei Internet of Things – im Vergleich zu 19 Prozent im Umfeld von Künstlicher Intelligenz (KI) und nur 13 Prozent beim Thema Blockchain oder 10 Prozent bei Digital Twins. Harmonisierung-Champions sind dabei aber auch gleichzeitig die Umsetzungs-Champions bei digitalen Innovationen. So setzen sie beispielsweise IoT-Projekte 12-mal und KI-Projekte 4,5-mal häufiger um als die Harmonisierungs-Laggards.

„Von Big Data & Analytics bis hin zum Digital Twin gibt es zahlreiche digitale Innovationen, die Automotive-Unternehmen wettbewerbsstark und zukunftssicher machen können. Dabei zeigt sich aber, dass vollständig harmonisierte Prozesse überhaupt erst die Grundlage für die Umsetzung von Digitalisierungsvorhaben sind“, erläutert Dr. Stefan Penthin, Globaler Leiter Automotive bei BearingPoint.

Eine globale Geschäftsprozessharmonisierung in Kombination mit der Einführung einer modernen ERP-Technologie wie zum Beispiel SAP S/4 HANA kann gleichzeitig die notwendige Vorarbeit und einen wesentlichen Schritt in Richtung Umsetzung der digitalen Transformation des gesamten Unternehmens leisten. Diese Transformation muss das Ziel haben, für die Geschäftseinheiten und regionalen Entitäten wie Werke und Vertriebsgesellschaften einen optimierten gemeinsamen Nenner mit firmenweiter Reichweite zu schaffen.

Autor: jst
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08.05.2020 08:42