01.07.2021 - 06:15

Gastbeitrag: Markt- und Wettbewerbsanalyse zum autonomen Fahren

Um Unternehmen bei der Positionierung und strategischen Ausrichtung im Bereich des autonomen Fahrens zu unterstützen, veröffentlicht die Unternehmensberatung P3 in regelmäßigen Abständen ihre „Wettbewerbsmappe“. Exklusiv für intellicar.de hat P3 fünf wesentliche Takeaways aus dem Markt- und Wettbewerbsgeschehen der vergangenen Wochen zusammengefasst.

Markt- und Wettbewerbsanalysen verfolgen verschiedene Zwecke: vom Überblick der Aktivitäten von Wettbewerbern verschiedener Märkte bis hin zur Entscheidungsunterstützung für das Management. In dieser „Wettbewerbsmappe“ werden die globalen AD-Wertschöpfungsnetzwerke anhand von 6-Layer (Mobility-as-Service) bzw. 5-Layer-Modellen (Transportation-as-a-Service) analysiert. Im Fokus stehen dabei aktuell 43 MaaS sowie 26 TaaS Unternehmen. Ausgehend von ihrem Kerngeschäft werden strategische Partnerschaften, Investitionen oder Übernahmen bestimmter Marktteilnehmer identifiziert und in das Layer Modell eingeordnet. Betrachtungsmärkte sind dabei Nordamerika, China/Asien sowie Europa – in diesem Rahmen werden sowohl MaaS als auch TaaS Marktspieler detailliert betrachtet.

Darüber hinaus bietet die Mappe sowohl MaaS als auch TaaS Use Cases, unternehmensbezogene News, die Level 4 Timeline je Unternehmen, individuelle P3-Bewertungen der Unternehmen und vieles mehr. Die 52 Seiten umfassende Markt- und Wettbewerbsanalyse mit allerlei Einblicken kann hier kostenfrei heruntergeladen werden.

Die fünf wesentlichen Takeaways für diese Ausgabe sind:

TaaS Pilotprojekte werden auf Paketlieferungen ausgeweitet

Im Rahmen urbaner, autonomer Logistik- und Lieferkonzepte haben sich die verschiedenen prominenten Marktspieler wie Nuro, Gatik, Udelv oder zeitweise Cruise primär auf fahrerlose Lebensmitteltransporte fokussiert. Die Kooperation von Nuro und FedEx zeigt jedoch: Auch KEP-Dienstleiter nehmen autonome Paketzustellung auf der letzten Meile zunehmend in den Fokus. Insbesondere für Expresslieferungen könnte dies aus unserer Sicht ein spannender Anwendungsfall sein. Das kürzlich verkündete, semi-autonome Pilotprojekt von Hermes und Ford zeigt zudem, dass wir in Zukunft mit weiteren solcher Projekte rechnen können.

Amazon im autonomen Fahren weiterhin sehr aktiv

Neben dem Investment in Aurora sowie der Kooperation mit Embark hat Amazon nun mehr als 1.000 autonome Sattelschlepper bei Plus, einem weiteren Anbieter selbstfahrender LKW, bestellt. Zudem hat sich der E-Commerce Gigant das Recht gesichert, 20% des Unternehmens zu übernehmen. Spannend bleibt zudem, ob die Fahrzeuge von Zoox, im Juni 2020 durch Amazon erworben, früher oder später ebenfalls für Güterlieferungen eingesetzt werden. Eins lässt sich zumindest festhalten: Amazon macht sich weiterhin sehr unabhängig von anderen Logistikdienstleistern und baut sein Logistiknetz weiter auf – mit zukunftsträchtiger Technologie.

Waymo akquiriert enorme finanzielle Mittel und baut das eigene Ökosystem weiter aus

Die letzte Finanzierungsrunde in Höhe von 2,5 Mrd. Dollar zeigt vor allem eins: Waymo ist der gefragteste Player im Markt, kann den Robotaxi Service mithilfe der neuen Finanzmittel weiter skalieren und die ohnehin schon äußerst reife Technik weiterentwickeln.

Parallel ist Waymos Service zukünftig auch über Google Maps nutzbar, was das Ökosystem weiter aufwertet. Trotz vieler starker Player in den USA und China sehen wir Waymo weiterhin führend im autonomen Rennen.

Chinesische Robotaxi Anbieter werden in den USA immer aktiver

Führende und ambitionierte chinesische Robotaxi Unternehmen wie Baidu, AutoX oder Pony.ai sind bereits länger im US-amerikanischen Markt unterwegs und testen ihre Fahrzeuge auf kalifornischen Straßen – teilweise mit der offiziellen Genehmigung, dies fahrerlos zu tun.

Nun hat Pony.ai angekündigt, bereits 2022 einen kommerziellen Robotaxi Service in Kalifornien starten zu wollen. Chinesische Unternehmen sind im AD Umfeld also weiter auf dem Vormarsch und auch außerhalb des Heimatmarktes sehr aktiv, während US-Unternehmen es in China weitaus schwieriger haben dürften. Alles voran Waymo.

Überraschend ist, dass manche chinesische Unternehmen in den USA auf der „Blacklist“ stehen (z.B. Huawei), Anbieter autonomer und vernetzter Shuttles mit sicherheitskritischen Funktionen jedoch nicht.

Kampf ums Kapital

Das autonome Fahren ist entwicklungs- und damit auch kostenintensiv. Während in den vergangenen Jahren hohe Summe in verschiedene MaaS und TaaS Unternehmen geflossen sind, zeichnet sich derzeit ein weiterer Trend ab: der Weg an die Börse.

Zuletzt haben Aurora, Argo, Plus und Embark solche Pläne publik gemacht – teilweise mithilfe einer Special Purpose Acquisition Company (SPAC). Darüber hinaus hat sich Cruise beim Mutterkonzern GM eine hohe Kreditlinie für die Origin Fahrzeuge gesichert, welche zunächst in Dubai zum Einsatz kommen sollen.

Es wird also deutlich, dass sich viele Unternehmen ein gutes finanzielles Polster aufbauen wollen und auch müssen, um die Technologie weiterzuentwickeln und zu skalieren. Marktspieler, die diesen Weg nicht gehen und in Finanzierungsrunden zudem weitaus weniger Kapital einsammeln als die führenden Akteure, werden somit weiterhin spannende Übernahmekandidaten bleiben – hierzu zählen beispielsweise Kodiak Robotics, Oxbotica, Gatik oder Udelv.

Über die Autoren:

Die Autoren Alexander Boll, Dennis Küster, Oliver Henke und Ricco Magdsick (v.l.) beschäftigen sich bei der Unternehmensberatung P3 im Themenfeld „Autonomous Mobility“ unter anderem mit Markt- und Wettbewerbsanalysen sowie Marktmodellen und – hochlaufkurven, der wirtschaftlichen und technischen Bewertung der Unternehmen im Markt sowie der Entwicklung von Markteintrittsstrategien – sowohl im Bereich MaaS, TaaS als auch Private Ownership. Darüber hinaus entwickeln sie mit ihren Kunden Kooperations- und Partneringstrategien entlang der Wertschöpfungskette des autonomen Fahrens und unterstützen Unternehmen im Rahmen einer Technical Due Diligence bei der Suche nach „best-fit“ Kooperations- oder Übernahmezielen.

Autor: jst

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01.07.2021 06:24