25.06.2021 - 11:30

Wenn das Auto deine Gesundheit checkt

IAV geht davon aus, dass mit steigendem Durchschnittsalter der AutofahrerInnen die Wahrscheinlichkeit krankheitsbedingter Notfälle hinterm Steuer zunimmt und präsentiert einen digitalen Gesundheitsassistenten im Auto.

Die IAV hat gemeinsam mit der Universität Oldenburg einen digitalen Assistenten entwickelt, der den Gesundheitsstatus von FahrerInnen beobachtet und von Kurzatmigkeit bis Herzinfarkt, Veränderungen sicher detektieren soll – und im Notfall automatisiert Rettungsmaßnahmen einleitet.

Bisher spielen Systeme, die den Gesundheitsstatus der Personen hinterm Steuer beobachten und im Ernstfall reagieren, im Fahrzeug kaum eine Rolle. Demnach sind aktuelle Assistenzsysteme wie Müdigkeits- oder Emergency-Assist-Programme nicht wirklich wissend, wenn es um die den Gesundheitszustand von FahrerInnen geht. „Sie greifen damit in Gesundheitsnotfällen nicht oder zu spät ein“, so Mark Busse, Abteilungsleiter Connected Systems Integration bei IAV. Mit dem Gesundheitsassistenten von IAV soll sich das ändern. Hier werden die Vitaldaten der FahrerInnen wie auch Abweichungen vom individuellen Fahrverhalten ins Zentrum der Entscheidung gestellt, ob und in welchem Maß das Fahrzeug bzw. die digitalen Systeme einschreiteen.

IAV hat den digitalen Gesundheitsassistenten unter dem Namen „The Car That Cares“ entwickelt und bereits in einem handelsüblichen Pkw getestet. Die Universität Oldenburg kooperierte für dieses Projekt mit IAV und unterstützten bei der Sensorik, der Erkennung von medizinischen Notfällen und der Bewertung von Medizinprodukten.

Das System von IAV besteht aus mehreren Komponenten: einem zertifizierten Brustgurt, der Puls und
Atemfrequenz erfasst, einer KI-gestützten und im Fahrzeug implementierten IAV-Software sowie einer
intelligenten und gesicherten IAV-Cloud-Infrastruktur.

Dank des modularen Aufbaus des Systems soll zu einem späteren Zeitpunkt auch die Integration weiterer Messsysteme und Sensoren möglich sein, etwa zur Bestimmung der Sauerstoffsättigung und der Zuckerwerte. Die abgesicherte Dateninfrastruktur lässt sich demnach flexibel gestalten und somit auf die Datenschutzbestimmungen des jeweiligen Landes anpassen.

In der Cloud analysiert eine neu entwickelte KI die Gesundheits- und Fahrzeugdaten, erstellt ein digitales Profil der FahrerInnen und übermittelt relevante Schwellwerte an das Fahrzeug. Sobald die KI-gestützte Software im Fahrzeug erkennt, dass die Daten der fahrenden Person vom Normalzustand abweichen und zum sicherheitskritischen Faktor werden könnten, aktiviert sie die Assistenz- und Automatisierungsfunktionen des Fahrzeugs.

Die Machine Learning Algorithmen sollen laut IAV so trainiert sein, dass sie on- und offline Anomalien im Gesundheitszustand der fahrenden Person erkennen. Dazu gehören leichte bis schwere Einschränkungen und Notfälle wie beispielsweise Atemnot, Herzinfarkt oder Bewusstseinsverlust.

Jens Schulze, Abteilungsleiter Data Analytics & Fleet Validation bei IAV, erklärt: „Das System reagiert konsequent, aber zugleich angemessen auf die Situation.“ In leichter Atemnot etwa warnt das System die FahrerInnen über das Infotainment-System und aktiviert bei Bedarf den Spurassistenten und verringert die Geschwindigkeit. „Bei Notfällen wie einem Herzinfarkt oder gar einem Bewusstseinsverlust kommt das Fahrzeug sicher am Straßenrand zum Halt und setzt einen eCall ab“, so Schulze. Die Fahrerin bzw. der Fahrer hat jederzeit die Möglichkeit, die eingeleiteten Maßnahmen zu stoppen.

Der Gesundheitsassistent aus Brustgurt, Software und Cloud-Anbindung lässt sich sowohl in die
bestehende Softwarearchitektur moderner Serienfahrzeuge einbinden, als auch in der Entwicklungsphase neuer Modelle integrieren, erklärt IAV in einer Pressemitteilung dazu.

Auch der Einsatz in Nutzfahrzeugen bietet sich an: Das System könnte die Vitaldaten von FahrerInnen von Nutzfahrzeugen beobachten, bei kritischen Veränderungen warnen – und im Notfall die tonnenschweren Fahrzeuge sicher zum Halten bringen.

Autor: jst

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25.06.2021 11:48