16.12.2019 - 15:21

Was kann die MirrorCam in Daimlers Mercedes-Benz Trucks?

Seit Juni 2019 liefert Mercedes-Benz Trucks den neuen Lkw Actros serienmäßig mit der MirrorCam aus. Doch was kann der digitale Rückspiegel? Infos zum neuen System haben wir zusammengestellt.

Die MirrorCam besteht aus zwei links und rechts am Dachrahmen befestigten Kameras, zwei hochformatigen, im Fahrerhaus an den A-Säulen befestigten Monitoren sowie den Steuerelementen im Türmodul und im Secondary Display. Außerdem gibt es auf der Beifahrerseite sowie am Bett je eine Taste zum Einschalten der MirrorCam bei ausgeschal­tetem Motor. Die von den Kameras übertragenen Bilder werden mit einer Auflösung von 720 x 1.920 Pixel auf die zwei 15,2″ großen Monitore übertragen. Analog zum herkömmlichen Spiegelsystem ist das Monitorbild in Haupt- und Weitwinkelsichtbereich gegliedert.

Rundumsicht

Da die Kameras der MirrorCam am Dachrahmen befestigt sind und sich die Monitore im Inneren des Fahrer­hauses befinden, hat der Fahrer eine verbesserte direkte Sicht durch die Seitenscheiben. Der Blick schräg nach vorn ist frei, weil die großen Außenspiegel fehlen, die dem Fahrer bei einem herkömmlichen Spiegelsystem in vielen Situationen die Sicht nehmen. Das soll besonders beim Heranfahren an Kreuzungen und Kreisverkehre, beim Rangieren und in engen Kurven von Vorteil sein.

Rückwärts im Weitwinkelmodus

Die Anzeige im Display wechselt beim Rückwärtsrangieren dann in eine spezielle Rangieransicht. Insbesondere das rückwärts um die Kurve Rangieren wird erleichtert, da auch weiter entfernte Bereiche im Fahrzeugumfeld größengleich dargestellt werden. Diese Ansicht wird automatisch beim Einlegen des Rückwärtsgangs aktiviert und bleibt dann auch beim Vorwärtsfahren bis zehn km/h oder bis zur Deaktivierung durch Knopfdruck angezeigt.

Der rückwärtige Verkehr

Auch die Distanzlinien im Display der MirrorCam sollen Fahrern helfen, Abstände zu Objekten hinter dem eigenen Fahrzeug der Fahrsituation angemessen besser einzuschätzen. Zudem können Fahrer vor dem Losfahren über das Türbedienfeld eine der Linien so platzieren, dass sie ihnen das Ende des eigenen Fahrzeugs im Bild symbolisiert. Zu diesem Zweck legen sie wegen ihrer guten Sichtbarkeit beispielsweise einfach seine Warnweste auf dem Boden neben das Trailer-Ende und richtet die Linie entsprechend aus. Detektiert das System den Wechsel einer gezogenen Einheit wie einem Auflieger oder Anhänger, wird der Fahrer durch Blinken der Linie darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Zuglänge möglicherweise geändert haben könnte. Eine Neuausrichtung ist jedoch nur dann nötig, wenn dies tatsächlich der Fall ist. Später auf der Fahrt beim Überholen zeigt ihm die MirrorCam dann mit roten, orangen und gelben Markierungen an, ob er bereits sicher auf die rechte Spur zurückkehren kann oder ob noch ein paar Meter zum nötigen Sicherheitsabstand fehlen.

Mitschwenkendes Kamerabild

Bei Kurvenfahrten mit dem Sattelzug schwenkt das Bild des kurveninneren Displays mit, sodass der Fahrer das Trailer-Ende während der Kurvenfahrt immer im Blick behalten kann. Mit einem herkömmlichen Spiegelsystem dagegen zeigt der kurveninnere Spiegel aufgrund des Knickwinkels des Sattelzugs oft nur die Seitenwand des Trailers.

Bei Regen und Dunkelheit

Die wasser­abweisende Beschichtung der Kameraobjektive führt zu weniger Verunreinigungen. Zudem ist die Sicht auf die Bildschirme frei von Reflexionen und Schmutz auf den Seitenscheiben des Fahrerhauses. Das Kamerasystem ist automatisch beheizt, wenn die Temperaturen unter 15 Grad Celsius fallen, und die Helligkeit lässt sich getrennt für Fahrer- und Beifahrerseite einstellen. Per Tastendruck kehrt der Fahrer schnell zur Grundein­stellung zurück, wenn zuvor das Sichtfeld für spezielle Fahrsituationen manuell verschoben worden war. Bei Dämmerung und Nacht zeigt sich ebenfalls, dass die lichtstarken Kameras Vorteile gegenüber dem klassi­schen Rückspiegel haben: Das System passt sich dann stufenlos den sich ändernden Lichtverhältnissen an. Gleiches gilt für Bereiche mit künstlicher Beleuchtung wie beispielsweise in einem Tunnel.

Zusammenspiel mit dem Abbiege-Assistenten

Der Abbiege-Assistent ist ein Warnsystem, das den Fahrer dabei unterstützt, gefährliche Rechtsabbiegeunfälle zu verhindern. Zu diesem Zweck schlägt das System rechtzeitig optisch und akustisch Alarm, wenn im Warn­bereich auf der rechten Seite des Lkw eine Kollision mit einem stehenden oder beweglichen Objekt droht: Erst erscheint ein gelbes Dreieck im Display der MirrorCam auf der Beifahrerseite, dann ein rotes Dreieck. So kann der Fahrer in der Regel rechtzeitig bremsen, wenn er beim Rechtsabbiegen auf der Beifahrerseite etwas übersehen hat. Der Abbiege-Assistent fungiert außerdem als Spurwechsel-Assistent für die rechte Seite und warnt den Fahrer hier mit gelbem beziehungs­weise rotem Dreieck im Monitor der MirrorCam, wenn sich auf der rechten Spur neben ihm ein anderer Verkehrsteilnehmer befindet.

Überwachung des Fahrzeugumfelds während der Rast

Die MirrorCam lässt sich auch bei ausgeschaltetem Motor und nach der zweiminütigen Nachlaufzeit zum sicheren Verlassen des Fahrzeugs für jeweils weitere zwei Minuten vom Fahrerhaus anschalten. Zu diesem Zweck sind in der Kabine auf der Beifahrerseite sowie am Bett Schalter verbaut. Diese Funktion ist für den Fahrer ein angenehmer Sicherheitsgewinn, denn so kann er das Fahrzeugumfeld jederzeit in Augenschein nehmen, ohne dass dies von außen erkennbar wäre. Wenn sich zum Beispiel Diebe am Tank oder an der Ladung hörbar zu schaffen machen, kann der Fahrer das auch bei geschlossenem Vorhang beobachten und gegebenenfalls Alarm schlagen.

Editor: Jens Stoewhase mit Pressematerial der Daimler AG

Autor: jst

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16.12.2019 15:10