19.12.2019 - 14:40

VW soll mit unvollständiger Softwarearchitektur für ID.3 zu kämpfen haben

Eigentlich sollte der ID.3 von Volkswagen das digitale eAuto des Konzerns werden, doch nun scheint der Bug im Detail zu liegen. Die Softwarearchitektur des Fahrzeugs soll nicht vollständig sein.

Wie das Manager Magazin exklusiv vermeldet, kämpft der Autobauer damit, dass die Fahrzeuge, die bereits seit November im Werk in Zwickau (Sachsen) produziert werden, nur mit einer unvollständigen  Softwarearchitektur vom Band rollen sollen. Generell ist die Auslieferung für die gefertigten Fahrzeuge für den Sommer 2020 geplant. Doch nun müssen die ersten 20.000 Fahrzeuge in zwei Chargen ersteinmal zwischengeparkt und im Frühjahr mit einer passenden Software „nachgerüstet“ werden.

Eigentlich wäre solch eine Problematik das maximal perfekte Einsatzszenario für die Over-The-Air-Technologie (OTA), bei der eben Softwareupdates per drahtlosem Download ins Fahrzeug transferiert werden können. Doch da liegt wohl der Hase im Pfeffer. Denn laut Manager Magazin können Updates per OTA erst im Nachgang eingespielt werden. Dies bedeutet, dass im Frühling Serviceteams ausrücken müssen und zwei mal 10.000 Fahrzeuge auf angemieteten Parkplätzen Software direkt per Kabel in die eAutos einspielen müssen.

Zuletzt gab es im Frühjahr 2019 die Meldungen, dass Volkswagen beim Golf 8 mit Schwierigkeiten bei der Software und Elektronik zu kämpfen hatte. So soll das Volumenfahrzeug der Wolfsburger zwar mit einer sehr umfassenden digitalen Ausstattung und einer sehr hohen Zahl an Assistenzsystemen die Kunden überzeugen, allerdings mit vorerst reduziertem Funktionsumfang ausgeliefert werden. Über weitere Firmware-Updates will man im Nachgang den Umfang erweitern. Letztlich ist das ein nicht unüblicher Weg, um den Funktionsumfang von Consumer-Hardware über den Lebenszyklus zu erweitern. So verdoppelte der Audio-Hardwarehersteller Rode (Mikrofone & digitale Audiorecorder) zuletzt bei einem seiner Systeme binnen 8 Monaten den Funktionsportolio des Geräts.

Erst im November vermeldete Volkswagen, dass man bis 2025 als Konzern den Eigenanteil der Softwareentwicklung in Fahrzeugen auf über 60 Prozent (heute unter zehn Prozent) steigern will. Dafür soll die hauseigene Car.Software-Organisation die zentrale Rolle spielen. Sie wird ausgegründet und soll ab dem 1. Januar 2020 als eigenständige Geschäftseinheit im Konzern agieren. Langfristig wird die Weiterentwicklung der Car.Software-Organisation mit dem Zielbild einer „Software-Marke“ im Konzern mit eigenem Markenauftritt angestrebt.

Mitte Dezember verkündete Volkswagen noch eine wichtige Personalie: Björn Goerke, bislang CTO und President SAP Cloud Platform beim Softwareunternehmen SAP, wird zum 1. Januar 2020 Chief Technology Officer (CTO) der Car.Software-Organisation. Man dürfte die ID.3-Problematik damit als eine Art Feuertaufe für den Software-Mann bezeichnen.

Konzernchef Herbert Diess hat beim Thema Softwarearchitektur wohl noch größere Pläne. Es soll eine Art eigenes Autobetriebssystem entstehen, das man auch anderen Herstellern anbieten will. Für die Car.Software-Organisation sucht der Autobauer aktuell wohl Partner. Laut Manager Magazin sollen die Nachbarn von Continental im Gespräch sein.

Autor: Jens Stoewhase

Autor: jst

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