19.06.2020 - 16:04

Startschuss für Volkswagens Car.Software-Organisation gefallen

Ab Juli wird die Car.Software-Organisation im Volkswagen Konzern von der Aufbauphase in den Arbeitsmodus wechseln und soll mit eigenem Budget und eigenen Mitarbeitern eine leistungsstarke digitale Plattform für alle Konzernmarken und Märkte entwickeln.

Christian Senger, CEO der Car.Software-Organisation, formulierte bei einem konzerninternen Online-Event ehrgeizige Ziele: „Bis 2025 wollen wir den Eigenanteil an der Software unserer Autos auf 60 Prozent steigern.“ Da liegt einige Arbeit vor den Temas, denn heute liegt der Anteil noch bei unter 10 Prozent. Senger räumte ein, dass es durchaus auch andere Wege in der Automobilindustrie gäbe: Einige Autohersteller würden enge Entwicklungspartnerschaften mit großen IT-Konzernen schließen, andere konzentrierten sich auf den reinen Fahrzeugbau und kauften Software weiter dazu. „Für uns kommt das nicht in Frage. Wir können und wir wollen unsere Software-Plattform selbst entwickeln“, so Senger.

Für diese strategische Entscheidung sieht er drei Gründe – Erfahrung, Kontrolle und Größenvorteile.

Die Erfahrung: „Wir sind mit der Komplexität des Automobils vertraut – das unterscheidet uns von Wettbewerbern außerhalb der Branche“, sagte Senger. In der Fahrzeugentwicklung und Fahrzeugproduktion verfüge Volkswagen über jahrzehntelange Erfahrung. In den kommenden Jahren will man die Car.Software-Organisation mehr als sieben Milliarden Euro in ihre Aufgaben investieren.

Die Kontrolle: „Volkswagen will die Hoheit über die komplette Fahrzeugarchitektur behalten – das schließt die Elektronik ein.“ Nur so sichere man sich die langfristige Wettbewerbsfähigkeit. „Schon deshalb können wir Dritten keinen kompletten Zugriff auf Daten in unseren Fahrzeugen geben.“ Künftige digitale Wertschöpfung soll somit im Unternehmen bleiben.

Die Größenvorteile: „Software entfaltet ihr Potenzial mit der steigenden Zahl der Fahrzeuge. Das gilt für Kostenvorteile, aber auch für das Lernen aus Daten. Diesen Skalierungsvorteil haben wir auf unserer Seite“, so Senger selbstbewusst. Mit rund 11 Millionen verkauften Fahrzeugen allein im Jahr 2019 ist der Konzern in puncto Größe ziemlich weit vorn.

Um die Größenvorteile optimal zu nutzen, soll es mit VW.OS künftig ein einheitliches Betriebssystem für die Pkw-Marken des Konzerns geben – mit der Volkswagen Automotive Cloud als technischem Rückgrat. „Die Automotive Cloud ist technisch startbereit. Wir erweitern ihren Funktionsumfang und bereiten uns auf die Anbindung der ersten Fahrzeugmodelle vor“, sagt Senger.

Hardware, Betriebssystem und Anwendungen sind künftig voneinander getrennt, heißt bei Volkswagen. Die neue Software-Architektur soll beispielsweise Software-Updates und Dienste „over the air“ ermöglichen, sodass Kundinnen und Kunden neue Produkte jederzeit herunterladen können und die Fahrzeuge digital auf dem aktuellen Stand bleiben. „Die Innovationszyklen werden kürzer. Wir werden neue Anwendungen viel schneller auf den Markt bringen“, so Senger.

Bisher arbeiten viele Softwareexperten bei Volkswagen an verschiedenen Punkten des Konzerns. Ihre Kompetenz soll jetzt in der Car.Software-Organisation gebündelt werden. In den nächsten Monaten will die neue Einheit demanch weitere Fachkräfte aus Konzernmarken und -gesellschaften gewinnen, sodass Ende 2020 bereits 5.000 Fachleute unter einem Dach arbeiten könnten.

Die Zahl der Fachkräfte soll dann weiter ausgebaut werden, auch außerhalb Deutschlands. Etwa die Hälfte von ihnen soll in Europa arbeiten, der Großteil in Deutschland. Rund ein Drittel der Fachleute soll in China programmieren. Weitere Einheiten wird es in Nordamerika, in Israel und Indien geben. „Unser Ziel ist eine Kultur für Macherinnen und Macher. Die klügsten Köpfe werden bei uns Arbeitsmodelle finden, die sich konsequent an den Anforderungen moderner Software-Entwicklung ausrichten“, so Senger.

Die Software-Einheit soll einerseits digitale High-Tech Produkte entwickeln – und andererseits helfen, die Transformation des gesamten Unternehmens mit hohem Tempo voranzubringen. Senger: „Wir wollen Volkswagen zum softwaregetriebenen Automobilkonzern weiterentwickeln.“

Autor: jst

– PODCAST –

Wir starten mit einer neuen Staffel unseres Podcasts und freuen uns über unseren Partner Bosch Service Solutions GmbH. Für den Auftakt dieser Staffel, die 10 Folgen umfassen wird, sprechen dann auch direkt mit Arne Schönfeld. Er ist Head of Sales & Marketing für die DACH-Region bei Bosch Service Solutions. Was müssen die Services rund um die Mobilität leisten und welche Rolle spielt dabei ein Restaurant samt passendem Blumenstrauß? Das beantwortet Arne Schönfeld in der aktuellen Podcast-Folge.
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19.06.2020 16:09