11.02.2021 - 08:09

Škoda-Fahrzeuge warnen jetzt serienmäßig vor Falschfahrenden

Bosch konnte seine cloudbasierte Falschfahrerwarnung im Cockpit von Škoda platzieren. Dank einer neuen Infotainment-App erhalten Fahrende die lebensrettende Warnung damit direkt über das Display im Fahrzeug-Cockpit. Škoda bietet seine Traffication-App mit der Bosch-Falschfahrerwarnung ab dem ersten Quartal 2021 in zahlreichen Modellen an.

Der Zulieferer Bosch ist bereits länger mit der cloudbasierten Falschfahrerwarnung unterwegs. 2020 gab es bereits mehrere Kooperationen mit Radiosendern in Deutschland. Bosch hatte bereits eine Version seines Services als Smartphone-App veröffentlicht. Als erster Automobilhersteller setzt nun Škoda auf die Bosch-Falschfahrerwarnung. Die Modelle Superb, Scala, KAMIQ, Karoq und Kodiaq werden mit dem Service ausgestattet. Weitere Fahrzeugmodelle sollen noch 2021 folgen. Zusätzlich zu den Infotainment-Apps für Wetter und Nachrichten sowie der neuen Kalender-App und der Marketplace-App bietet Škoda die neue App an.

Nach dem Herunterladen aus dem Shop und der Installation läuft die neue Anwendung im Hintergrund, meldet sich aber sofort mit Warnhinweisen auf dem zentralen Infotainmentdisplay, wenn das Auto in seiner unmittelbaren Umgebung auf verkehrsrelevante Gefahren treffen könnte. So kann eine solche Warnung beispielsweise verhindern, dass die fahrende Person unbeabsichtigt in der falschen Richtung auf eine Autobahn auffährt und zum Geisterfahrer wird. Eine Vorwarnung erscheint auch auf dem Display, wenn in der näheren Umgebung in Fahrtrichtung Fahrzeuge mit eingeschalteter Warnblinkanlage erkannt werden – etwa nach einer Panne. Grundvoraussetzung ist, dass diese Fahrzeuge ebenfalls über die Traffication Infotainment-App verfügen. Zukünftig werden alle neuen Škoda Modelle mit Systemen aus dem Modularen Infotainment-Baukasten der dritten Generation solche Warnungen aussenden.

Nähert sich ein Fahrzeug einer Autobahnauffahrt oder -abfahrt, sendet das System automatisch die aktuelle GPS-Position anonymisiert an eine Cloud. Im Cloud-Backend von Bosch wird nun die aktuelle Bewegung des Fahrzeugs mit der erlaubten Fahrtrichtung verglichen. Bei unzulässigen Abweichungen wird die fahrende Person mit einem Warnhinweis im Display auf seine Falschfahrt aufmerksam gemacht. Der Clou: Die Warnung erfolgt innerhalb von wenigen Sekunden und damit in den allermeisten Fällen noch bevor das Auto auf die Autobahn auffährt. Die Installation der App kann direkt aus dem Fahrzeug über den Online-Shop durchgeführt werden. Die Anwendung ist bis Mitte des Jahres kostenlos, danach fällt bei weiterer Nutzung eine Jahresgebühr an. Erhältlich ist die App zunächst in 22 europäischen Ländern. In der zweiten Jahreshälfte sollen weitere europäische Länder hinzukommen.

Im Verlauf dieses Jahres will Škoda den Funktionsumfang der Traffication Infotainment-App weiter ausbauen. Im dritten Quartal sollen etwa Meldungen über Wetter- und Straßenbedingungen folgen sowie die Option, sich die Meldungen auch vorlesen zu lassen. Außerdem soll man dann selbst Gefahrenstellen melden können. Weitere geplante Optimierungen umfassen erweiterte Vorhersage-Algorithmen sowie eine noch bessere Erkennung potenzieller Gefahren, heißt es von Škoda. Für das vierte Quartal seien auch weitere Meldungstypen sowie Vorabinformationen für jeweils häufig gefahrene Strecken in Vorbereitung. „Im nächsten Jahr planen wir, die App im Rahmen eines C2X-Systems (Car-to-X) zu integrieren, das direkt mit anderen Fahrzeugen und der Infrastruktur in der Umgebung kommunizieren kann. Diese Erweiterung ermöglicht den sofortigen Empfang von Benachrichtigungen aus Systemen von Smart Cities oder Warnungen von Einsatzfahrzeugen in der Nähe“, sagt Michal Vondra.

Zudem planen Bosch und Škoda, die Warnung unverzüglich an alle entgegenkommenden vernetzten Verkehrsteilnehmerinnen und Teilnehmer im Gefahrenbereich weiterzugeben. „Je mehr Fahrzeuge mit der Falschfahrerwarnung von Bosch vernetzt sind, desto engmaschiger ist das unsichtbare Sicherheitsnetz“, sagt Pillin. Mit Verlassen des Auf- oder Abfahrfahrbereichs von Autobahnen wird der Datenaustausch zwischen Fahrzeug und Cloud übrigens wieder unterbrochen.

Neben dem Serienstart des Warnservice bei Škoda führt der Zulieferer Gespräche mit weiteren Automobilherstellern, um immer mehr Fahrzeuge mit der Funktion auszustatten. Die cloudbasierte Falschfahrerwarnung von Bosch gibt es bereits seit 2018 als Smartphone-App und wird inzwischen von 25 App-Partnern in Europa eingesetzt. Immerhin 26 Millionen Nutzerinnen und Nutzer können so erreicht werden. Ein Software-Modul wird dafür in die Smartphone-Apps von Radiosendern, Streaming-, Navigations- und Nachrichtenanbietern integriert. Die anonymisierten GPS-Daten werden in diesem Fall via Smartphone an die Cloud gesendet und im Backend von Bosch analysiert. Die Warnung erfolgt via Smartphone-Display sowie einem akustischen Hinweis. Rund 2,5 Millionen Nutzende (Unique Active Users) in Europa nutzen die Falschfahrerwarnung von Bosch pro Monat bereits aktiv, u.a. in Spanien, Frankreich, Schweden, Norwegen, Polen, Italien und Großbritannien. Zudem sollen noch in diesem Jahr mit den USA und Kanada erste Länder außerhalb Europas hinzukommen. Laut Bosch wertet das Cloud-Backend aktuell über 4,5 Millionen Fahrten täglich aus.

Autor: jst

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