16.04.2021 - 08:57

Der EQS – die inneren Werte

Mit dem EQS hat Daimler seine erste vollelektrische Luxuslimousine der Mercedes-EQ vorgestellt. Während sich andere Leute einen Kopf um die Motorisierung und das kuriose Frontdesign machen, schauen wir auf die „innere Werte“ des Luxusfahrzeugs.

Fangen wir jedoch bei der Verbindung zur Außenwelt an. Als erster Mercedes-Benz bietet der EQS die Möglichkeit, komplett neue Fahrzeugfunktionen per Over-the-Air-Updates (OTA) in einer Reihe von Funktionsbereichen zu aktivieren. Das Angebot zum Start für die Kundschaft: zwei spezielle Fahr­programme für junge Fahrerinnen und Fahrer sowie Servicepersonal, kleine Spiele und das Demo-Programm „Das Beste oder nichts“. So lässt sich nach dem Kauf und der ursprünglichen Neuwagen-Konfiguration manche Ausstattung des EQS entsprechend den persönlichen Wünschen anpassen. Dazu gehört auch die Freischaltung der Hinterachslenkung mit 10° Lenkwinkel. Neben einem klassischen Kauf einzelner Funktionen bietet der Daimler nun auch Abonnements, temporäre Aktivierungen und kostenlose Testphasen für Funktionen an.

Updates über Nacht und am nächsten Morgen neue Funktionen wie beim Computer – die OTA-Technologie beim EQS macht es möglich. Voraussetzung für diese Updates ist immer die explizite Zustimmung der NutzerInnen. Mercedes-Benz setzt auf Mobilfunktechnik und das im Fahrzeug verbaute Kommunikations­modul.

Im Mercedes me Store ist der zusätzliche Fahrsound „Roaring Pulse“ erhältlich. Dieser extrovertierte Klang erinnert an kraftvolle Elemente wie großvolumige Verbrennungsmotoren, Turbinen und Naturgewalten – offenbar ein Feature, dass man in Zeiten von Ruhe durch Elektromobilität nicht dringend verstehen muss. Bei Daimler soll das wohl ein Teil der Gamification sein, denn auch kleine Spiele wie ein Zahlenrätsel oder ein Mercedes-Benz Quiz soll es ebenso geben. Auf dem Display für BeifahrerInnen und auf den Bildschirmen im Fond soll man gar im Multiplayer-Mode miteinander zocken können.

Ebenfalls per OTA aktivieren lässt sich das Programm „Das Beste oder nichts“. Dort stellt sich der EQS vor. Die verschiedenen Fahrzeugfunktionen werden in einem Video gezeigt, wobei besondere Features wie Ambientebeleuchtung oder Sitzmassage unmittelbar erlebbar sind.

Mit zwei digitalen Sicherheitsfunktionen lässt sich die Nutzung des EQS speziellen Zielgruppen anpassen. Beim Fahranfängermodus ist die Fahrcharakteristik bewusst sanfter. Das Fahrprogramm C ist automatisch aktiviert, das Fahrprogramm Sport gesperrt. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf ca. 120 km/h eingeschränkt, ESP-OFF kann nicht aktiviert werden. Der Parkdienstmodus ist für die Nutzung von Servicekräften wie beispielsweise Hotelpersonal gedacht. Die Charakteristik ähnelt dem Fahranfängermodus. Maximal sind ca. 80 km/h möglich und die persönlichen Profildaten werden vor unbefugtem Zugriff geschützt. Man hat bei Daimler eben an die EigentümerInnen gedacht. Chapeau! Wer HauptnutzerIn ist, aktiviert und deaktiviert diese Programme über ein persönliches Profil, das mit einer PIN bzw. biometrischer Erkennung geschützt ist oder über die Mercedes me App vom Smartphone. Die Modi sollen sich nur mit einem Neustart aktivieren lassen.

Unabhängig von diesen neuen Funktionen besteht auch die Möglichkeit, einen Großteil der Steuergeräte im Fahrzeug zu Service- und Wartungszwecken OTA zu aktualisieren, darauf verweist Daimler in der Pressemldung. Des Weiteren bleiben viele Funktionen des Fahrzeugs während der gesamten Lebensdauer auf dem neuesten Stand.

MBUX Hyperscreen

Besonders stolz ist Daimler auf den MBUX Hyperscreen. Diese große, gewölbte Bildschirmeinheit zieht sich schwungvoll nahezu von A-Säule bis A-Säule – über 141 Zentimeter breites Bildschirmband: FahrerIn-Display (Bildschirmdiagonale: 12,3 Zoll), Zentral-Display (17,7 Zoll) und BeifahrerIn-Display (12,3 Zoll). Die drei Bildschirme sitzen unter einem gemeinsamen Deckglas und sollen optisch zu einem Display verschmelzen. Neben dem sogenannten Zero-Layer bietet der MBUX Hyperscreen intuitive Touch-Bedienung mit haptischer Rückmeldung und Force-Feedback. Den MBUX Hyperscreen gibt es jedoch nur als Sonderausstattung.

Der gewählte Anzeigestil wird einheitlich auf allen Bildschirmen angezeigt; und die Helligkeit wird homogen an die Lichtverhältnisse im Innenraum angepasst. Im unteren Bereich des Zentral-Displays sind die Bedienfelder für die Klimatisierungsautomatik angeordnet. Diese bleiben permanent eingeblendet, sodass Fahrer und Beifahrer die Temperatur und die Lüftung direkt anpassen können.

Zentral- und BeifahrerInnen-Display bieten eine haptische Rückmeldung. Berührt der Finger auf dem Touchscreen bestimmte Stellen, lösen Aktuatoren eine spürbare Vibration der Deckscheibe aus. BenutzerInnen fühlen so auf der glatten Oberfläche Impulse, welche den Eindruck eines mechanischen Schalters vermitteln.

Mit dem 12,3 Zoll großen OLED-Display für BeifahrerInnen erhält man einen eigenen Anzeige- und Bedienbereich, der Reisen angenehmer und unterhaltsamer gestalten soll. Die Entertainmentfunktionen des Displays sind während der Fahrt allerdings nur im Rahmen der länderabhängigen gesetzlichen Vorschriften verfügbar. Dabei setzt Mercedes auf eine intelligente, kamerabasierte Sperrlogik: Erkennt die Kamera, dass die fahrende Person in Richtung des BeifahrerInnen-Displays schaut, wird dieses bei bestimmten Inhalten automatisch abgedimmt. Die Person hinter dem Steuer kann so während der Fahrt das Display der mitfahrenden Person nicht betrachten. Ist der Beifahrersitz nicht belegt, wird der Bildschirm zum digitalen Zierbild.

Die Zauberwörtchen „künstliche Intelligenz“

Je nach Ausstattung sind im EQS bis zu 350 Sensoren unterschiedlichster Art im Fahrzeug verbaut. Sie erfassen Entfernungen, Geschwindigkeiten und Beschleunigungen, Lichtverhältnisse, Niederschlag und Temperaturen, die Belegung von Sitzplätzen ebenso wie den Lidschlag der fahrenden Person oder die Sprache der Passagiere.

Verarbeitet werden diese zahlreichen Informationen von Steuergeräten, die von Algorithmen gesteuerte Entscheidungen treffen. So kann der EQS seine Fähigkeiten auf Basis neuer Erfahrungen erweitern, Daimler betont seine Lernfähigkeit.

KI wird im Fahrzeug zum Butler. So ist der optionale Fahrsound interaktiv. Er reagiert auf gut ein Dutzend verschiedener Parameter wie Stellung des Fahrpedals, Geschwindigkeit oder Rekuperation. Die Wahl des Fahrprogramms beeinflusst den Fahrsound ebenso. Mittels intelligenter Sounddesign-Algorithmen werden die Klänge auf dem Verstärker des Burmester Surround-Soundsystems in Echtzeit berechnet und von den Lautsprechern wiedergegeben.

Der Energizing Coach empfiehlt wiederum situativ und individuell passend eines der Programme Frische, Wärme, Vitalität oder Freude. Ist eine passende Smartwatch eingebunden, optimieren persönliche Werte wie Stresslevel oder Schlafqualität die Passgenauigkeit der Empfehlung. Das MBUX System zeigt proaktiv die für AnwenderInnen die richtigen Funktionen zur richtigen Zeit. Das kontextsensitive Bewusstsein wird sowohl durch Umgebungsveränderungen wie auch das Anwenderverhalten permanent optimiert. Der sogenannte Zero-Layer bietet NutzerInnen auf der obersten Ebene der MBUX Informationsarchitektur dynamische, aggregierte Inhalte aus dem gesamten MBUX System und den damit verbundenen Diensten. Der MBUX Interieur-Assistent erkennt Bedienwünsche an Bewegungen, im EQS auch im Fond.

Die Fahrassistenzsysteme

Neben einer hohen Zahl an Assistenzsystemen, die man bei einem Hochpreisfahrzeug bereits erwartet bzw. die auch verpflichtend sind,  bietet der Daimler natürlich auch ein Fahrassistenz-Pakets Plus für den EQS an. Mit dabei ist der aktive Abstands-Assistent Distronic, das System kann demnach auf allen Straßentypen – Autobahn, Landstraße sowie in der Stadt – automatisch den vorgewählten Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen halten.

Der aktive Lenk-Assistent unterstützt im Geschwindigkeitsbereich bis 210 km/h beim Folgen der Fahrspur. Der Verkehrszeichen-Assistent erkennt neben herkömmlich ausgeschilderten Geschwindigkeitsbeschränkungen auch Schilderbrücken und Baustellenbeschilderungen. Dazu gehören auch Warnungen vor Überfahren eines Stoppschilds und einer roten Ampel. Ein aktiver Spurhalte-Assistent erkennt im Geschwindigkeitsbereich von 60 bis 250 km/h mittels einer Kamera das Überfahren von Fahrbahnmarkierungen sowie Fahrbahnrändern und unterstützt die fahrende Person dabei, ein ungewolltes Verlassen der Fahrspur zu vermeiden. Bei Kollisionsgefahr mit erkannten Verkehrsteilnehmern in der Nachbarspur, zum Beispiel überholenden oder entgegenkommenden Fahrzeugen, greift das System ebenfalls ein. Der aktive Spurwechsel-Assistent unterstützt kooperativ beim Spurwechsel auf die Nachbarspur. Der Spurwechsel nach links oder rechts wird nur dann unterstützt, wenn laut Sensorik die benachbarte Fahrspur durch eine unterbrochene Spurmarkierung von der eigenen getrennt ist und keine Fahrzeuge im relevanten Sicherheitsbereich erkannt wurden. Der Aktive Nothalt-Assistent bremst das Fahrzeug in der eigenen Spur bis zum Stillstand ab, wenn er erkennt, dass die Person am Steuer während der Fahrt dauerhaft nicht mehr in das Fahrgeschehen eingreift. Das serienmäßige System Attention Assist kann typische Anzeichen von Ermüdung und starker Unaufmerksamkeit am Steuer erkennen und fordert mit einer Warnmeldung auf, rechtzeitig zu pausieren. Neu ist die zusätzliche Sekundenschlafwarnung. Sie analysiert den Lidschlag der fahrenden Person durch eine Kamera im Fahrer-Display – allerdings nur in Verbindung mit MBUX Hyperscreen. Die Sekundenschlafwarnung ist bereits ab einer Geschwindigkeit von 20 km/h aktiv.

Der aktive Brems-Assistent nutzt die im Fahrzeug installierten Sensoren, um zu registrieren, ob eine Kollisionsgefahr mit vorausfahrenden, kreuzenden oder entgegenkommenden Fahrzeugen besteht. Im Falle einer drohenden Kollision kann das System den Fahrer optisch und akustisch warnen. Der aktive Totwinkel-Assistent kann optisch und bei Blinkerbetätigung auch akustisch im Geschwindigkeitsbereich von circa 10 bis 200 km/h vor seitlichen Kollisionen warnen. Und der Ausweich-Lenk-Assistent kann unterstützen, wenn man in einer Gefahrensituation einem vom System erkannten Verkehrsteilnehmer ausweichen will. Im neuen EQS werden, neben stehenden und querenden FußgängerInnen, auch Menschen zu Fuß oder auf dem Fahrrad und Fahrzeuge in Längsrichtung berücksichtigt. Der Geschwindigkeitsbereich geht bis 110 km/h, die Unterstützung erfolgt auch auf Überlandstrecken.

 

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Parken

Durch die Einbindung des Park-Assistenten mit Rückfahrkamera und weiteren Sensoren in den MBUX gestaltet sich laut Daimler die Bedienung intuitiv und schnell. Notbremsfunktionen dienen besonders dem Schutz anderer Verkehrs­teilnehmerInnen.

Der EQS verfügt über gleich drei Parksysteme. Mit dem Remote Park-Assistenten kann man das Fahrzeug aus der Nähe per Smartphone ein- und ausparken.  Mit der neuesten Generation des Remote Park-Assistenten sollen viele Parkmanöver möglich sein. Man überwacht jedoch persönlich den Parkvorgang. Manövriert wird automatisch, solange man die Touch-Fläche auf dem Smartphone mit der entsprechenden App gedrückt hält und es dabei um 90° kippt. Ansonsten wird das Fahrzeug automatisch in den Stillstand gebremst.

Der Memory Park-Assistent nach SAE-Level 2 kann sich Parkplätze wie zum Beispiel die An- und Abfahrt zur heimischen Garage merken. Man sitzt hinter dem Lenkrad und wird nach erfolgtem Einlernen gefragt, ob man einen automatisierten Einparkvorgang durchführen möchte. Werden Hindernisse registriert, wird gestoppt, bis diese beseitigt sind.

Mit der Vorrüstung für den Intelligent Park Pilot ist der EQS auch für Automated Valet Parking (AVP) nach SAE-Level 4 vorbereitet. Zusammen mit der benötigten Sonderausstattung und dem entsprechenden länderabhängigen Connect Dienst hat das Fahrzeug die Technik an Bord, um vollautomatisiert und fahrerlos in mit AVP-Infrastruktur ausgerüsteten Parkhäusern ein- und auszuparken, sofern die nationalen Gesetze einen solchen Betrieb erlauben.

Aber auch die anderen Parksysteme unterstützen das Parken der Luxuslimousine.

Der Drive Pilot

Voraussichtlich ab der ersten Jahreshälfte 2022 wird der EQS mit dem neuen Drive Pilot bei hohem Verkehrsaufkommen oder Stausituationen auf geeigneten Autobahnabschnitten in Deutschland bis 60 km/h hochautomatisiert fahren können. Auf geeigneten Autobahnabschnitten und bei hohem Verkehrsaufkommen kann der Drive Pilot der Person am Lenkrad anbieten, die Fahraufgabe zunächst bis zu den gesetzlich erlaubten 60 km/h zu übernehmen. Die entsprechenden Bedien­elemente dafür sitzen im Lenkradkranz oberhalb der Daumenmulden rechts und links. Aktiviert man das System, regelt es Geschwindigkeit und Abstand und führt das Fahrzeug innerhalb der Spur. Streckenverlauf, auftretende Streckenereignisse und Verkehrszeichen werden ausgewertet und entsprechend berücksichtigt, heißt es bei Mercedes-Benz. Der Drive Pilot soll auch unerwartet auftretende Verkehrssituationen erkennen und durch Ausweichmanöver innerhalb der Spur oder durch Bremsmanöver eigenständig bewältigen.

Der Drive Pilot baut auf der Umfeldsensorik des Fahrassistenz-Pakets auf und umfasst zusätzliche Sensoren. Dazu gehören LiDAR, eine weitere Kamera in der Heckscheibe und Mikrophone, insbesondere zum Erkennen von Blaulicht und Sondersignalen von Einsatz­fahrzeugen. Ergänzend zu den Sensordaten erhält das System Informationen zu Straßengeometrie, Strecken­eigenschaften, Verkehrszeichen sowie besonderen Verkehrsereignissen von einer HD-Karte. Diese wird über eine Backend-Anbindung zur Verfügung gestellt und aktualisiert sich demnach laufend auch selbstlernend. Die Fahrzeugposition wird über ein hochgenaues Positionierungssystem ermittelt, das weit über übliche GPS-Systeme hinausgehen soll. Zudem verfügt der EQS mit dem nur als Sonderausstattung zu erhaltenden Drive Pilot über redundante Lenk- und Bremssysteme sowie ein redundantes Bordnetz, um auch beim Ausfall eines dieser Systeme manövrierfähig zu bleiben und eine sichere Übergabe an die fahrende Person zu gewährleisten, erklärt Mercedes Benz.

 

 

 

 

 

Autor: jst




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