31.08.2015 - 16:14

Das selbstfahrende e-Bike

Der Boom bei elektrischen Zweirädern reizt nicht nur Automobilzulieferer, sondern zieht zunehmend junge IT-Innovatoren an. coModule gehört zu beiden Kategorien. Auf der internationalen Messe der Fahrradindustrie Eurobike 2015 präsentierte das Berliner Start-up das weltweit erste, autonome elektrische Cargo Bike mit App-Steuerung. Redakteurin Nora Manthey hat es Probe fahren lassen.

Von Batterien über Boote zu Bikes

coModule wird 2013 von drei jungen Esten gegründet. Die Mechatroniker und Ingenieure treffen sich bei der Teilnahme an der Formula Student für das Team Talinn und „verlieben sich in emissionslose Antriebe“, erzählt CEO Kristjan Maruste. In der Folge beginnt er sich in der e-mobilen Branche umzusehen.

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Die erste Geschäftsidee dreht sich um Batterien ohne Schweißnähte, die Maruste versucht, dem Elektroboot-Sektor zu verkaufen. Bald findet der junge Unternehmer heraus, dass der Markt für Energiespeicherung von starken Konkurrenten eingenommen und besetzt ist.
Gleichzeitig lernt er, dass die „E-Bootsinhaber und -Hersteller Visualisierung wollen“, wie Maruste es ausdrückt. Die Kapitäne und Bootsbauer wollten unbedingt erfahren, wie es wirklich in ihren Antriebssystemen aussieht.

coModule ist aus diesem Bedürfnis heraus geboren. Das Kerngeschäft der jungen Firma ist das eigentliche coModule, ein Hardware-Modul das sich im Herzen ihrer „Connectivity-Plattform für Elektrofahrzeug-Hersteller“ befindet.

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Die Technologie sendet mit BlueTooth und GSM-Fahrzeugdaten an das Smartphone des Benutzers und kann so verschiedene Funktionen, wie z.B. den Motor und das Licht über das Handy steuern. Es dient auch als Diagnose- und Tracking-Tool für Fahrzeughersteller aller Art und ermöglicht damit schnellere Produktentwicklung und besseres Client-Management.

Selbstfahrendes Elektrofahrrad

Um die Möglichkeiten der Technologie zu präsentieren, baut coModule 2015 den Prototyp eines autonomen E-Bikes.
Es basiert auf einem elektrischen Lastenrad von Veleon, ein weiteres junges Unternehmen, dessen Gründer Julius Adomeit sein Handwerk in der Autoindustrie lernte.

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Mit ihrer Kooperation wollen Adomeit und Maruste eine Diskussion anstoßen, die über das Radfahren hinausgeht. Für sie liegt die Zukunft in „Mobility“ und „Transport Units“, die neue Märkte erschließen können. Diese Leicht-Elektrofahrzeuge (LEV) sind dann zwischen Autos und Standard-Fahrrädern angesiedelt.

Das auf der Eurobike gezeigte autonome, elektrische Fahrrad wird von einem Heinzmann-Motor angetrieben – denselben nutzt auch die Deutsche Post in ihren elektrischen Lastenrädern.
Das Veleon ist mit zusätzlichen Schrittmotoren ausgestattet, die die zwei Vorderräder lenken, sobald das Mobiltelefon wie ein Lenkrad gedreht wird.

Beim Selbstversuch mit dem autonomen Lastenrad reagierten die zwei Vorderräder leicht verzögert auf die Bewegungen des Smartphones. Bei einer Geschwindigkeit von maximal 6 km/h bestand aber kein Sicherheitsrisiko.
Die Vorwärtsbewegung wird durch Verschiebung eines roten Punktes auf dem Mobiltelefon initiiert. Wieder dauert es etwas, den richtigen Druckpunkt zu finden, um das Bike via Screen nach vorne zu schieben. Entwickler Stemo Ojavee bewies größere Fingerfertigkeit oder hat einfach mehr Übung im Umgang mit seiner Erfindung. Bei ihm zuckelt statt ruckelt das E-Rad voran und lenkt langsam, aber flüssig ein.

Derzeit ist die Autonomie des E-Bikes an eine aktive Steuerung durch den Eigentümer gebunden. Reifere Kreationen könnten eine „Follow-me-Funktion“ enthalten. Damit das E-Bike vollständig autonom fahren könne, müssten Sicherheitssensoren hinzugefügt werden, die beim Demo-Bike noch fehlen.

Zukünftige Anwendungen

coModule ist nicht allein bei der Entwicklung (halb-)autonomer Elektro-Bikes – auch Ford und Baidu, das chinesische Äquivalent zu Google, forschen an LEVs, die keinen Fahrer benötigen.
Entsprechend ist die kleine Firma vom Start-up-Bootcamp gefördert, welches u.a. von Bosch, Cisco, Siemens und Mercedes Benz unterstützt wird.

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Noch sind selbstfahrende Vehikel auf kontrollierte Räume und Prototypen verwiesen. Allerdings könnten autonome Leicht-Elektrofahrzeuge echte „Veränderungen im Leben mancher Menschen bewirken“, glaubt coModule-Gründer Maruste.

Emissionsfreie Pizzalieferung ist eine eher profane Anwendung, Leihfahrräder, die von selbst an ihre Station zurückkehren sind schon gesellschaftsverändernder, ebenso wie Hilfsgüter, die Menschen in entlegenen Gebieten autonom und damit gefahrlos erreichen könnten.

Demofahrzeuge, die wie das coModule-Bike die Zwischenräume von Auto- und Zweiradindustrie besetzen und voll auf Elektronik abfahren, sind ein Fingerzeig für die Zukunft der Mobilität.

Live-Bericht von der EUROBIKE 2015: Nora Manthey

Spezifikationen des Prototyps:

coModule: cycling towards autonomy from comodule on Vimeo.

– CoModule Embedded Electronics (UART / I2C / SPI / CANBus / RS485, Bluetooth LE, Beschleunigungssensor, GPS, GSM / GPRS)
– CoModule Android-Anwendung, die verwendet wird, sich zu bewegen, drehen und das Motorrad zu stoppen
– Elektrisches Lastenfahrrad durch Veleon
– Heinzmann E-Bike-Motor
– ASI-Controller
– Digital-Potentiometer
– 350 Wh-Akkus
– Schrittmotor 20W
– Abwärtsregler
– 25° Drehwinkel

Autor: jst

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31.08.2015 16:49