14.12.2020 - 09:08

Conti will autonomes Produktionssystem in Serie bringen

Continental entwickelt eigene mobile, autonome Transportroboter. Das nun vorgestellte autonome Transportfahrzeug optimiert demnach den Materialtransport in der Fertigung von Conti. Dafür wurde der Wissenstransfer aus der Technologie des automatisierten Fahrens genutzt. Nach erfolgreichem Abschluss der laufenden Erprobung ist eine Serienproduktion von autonomous Automated Guided Vehicles (aAGV) geplant.

Continental hat ein autonom fahrendes Transportfahrzeug entwickelt, um die Effizienz der eigenen Produktion weiter zu steigern. In der Fertigung von Bremssystemen beispielsweise können die selbst entwickelten und aufgebauten autonomous Automated Guided Vehicles (aAGV) Schwerlasten von über einer Tonne transportieren. Diese Technologielösung ist Bestandteil der Industrie 4.0-Strategie des Zulieferers. Ziel ist es, durch digitalisierte Prozesse und Datenflüsse mit hoher Transparenz und Planbarkeit, kurzen Durchlaufzeiten, geringen Beständen sowie hoher Flexibilität die gesamte Wertschöpfungskette zu optimieren

Continental sieht in der Entwicklung eigener aAGV ein großes Potenzial. Dies gilt sowohl für Industrie 4.0-Anwendungen als auch für Geschäftsfelder wie Logistik und für viele andere Anwendungsfelder, bei denen der autonome Transport von Waren zur Effizienzsteigerung eingesetzt werden kann. Inzwischen zeigen aAGV Tag für Tag ihre Leistungs- und Tragfähigkeit an Continental-Standorten in Zvolen (Slowakei) und Frankfurt am Main. Die ersten Roboterfahrzeuge im Entwicklungsstadium fahren dort im Probebetrieb autonom zwischen Start- und Zielort und transportieren dabei Material für die Bremsenfertigung. Die aAGV orientieren sich selbst und weichen Hindernissen flexibel aus. Möglich wurde diese Eigenentwicklung unter anderem durch einen Technologie-Transfer aus dem Pkw-Bereich. Das Know-how über hochgradig zuverlässige automobile Umgebungssensoren wie Radar, Kamera, Ultraschall und Lidar, sowie die Sensorfusion und Modellierung einer Fahrumgebung war ein entscheidender Baustein für die aAGV-Entwicklung.

„Effizienzsteigerung in der Fertigung ist ein wichtiger Beitrag zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Alexander Schmitt, Leiter des Segments Actuation & Future Products in der Geschäftseinheit Hydraulische Bremssysteme des Geschäftsfeldes Autonomous Mobility and Safety. „Deshalb haben wir uns entschieden, mit den aAGV für Schwerlasten eine Lösung zu entwickeln, die uns hilft, unsere Prozesse flexibler und effizienter zu gestalten. Mit unserem eigenen Know-how kombiniert mit kompetenten Partnertechnologien entwickeln wir eine Industrielösung, die sowohl unsere Fertigungsabläufe optimiert als auch gleichzeitig eine attraktive Geschäftsidee ist.“

Fahrerlose Transportfahrzeuge spielen für den Materialfluss in einer digitalisierten Fabrik eine wichtige Rolle: Sie reduzieren manuelle Aktivitäten wie das Gabelstaplerfahren, beschleunigen den Transport, liefern Transparenz, welche Güter sich gerade wo befinden und sorgen so für insgesamt planbarere Abläufe. Aktuell finden sich im Markt mobile Transportroboter, die überwiegend nicht autonom fahren und sich nur auf festen Routen zwischen programmierten Start- und Zielpunkten bewegen. Jede Änderung bedeutet aufwändige Umprogrammierung, Zeit und zusätzliche Kosten für bauseitige Anpassungen. „Die Marktrecherche war ernüchternd: Wir haben keine autonomen Transportfahrzeuge gefunden, die unseren Anforderungen entsprechen“, so Schmitt.

Bei der Konstruktion, Fertigung und Montage der aAGV konnte das Projektteam auf die Erfahrung aus dem Automobilbereich aufbauen. Kombiniert wurden Technologien wie Sensoren aus dem Pkw-Bereich mit Steuerungstechnik, Mechatronik und klassischem Maschinenbau. Lediglich der elektrische Antriebsstrang und die Software für die Steuerung des Fahrzeuges basieren auf am Markt verfügbaren Technologien. Ziel ist es, dass die aAGV als Basistechnologie für den Einsatz in der Fertigung bei Continental weltweit zur Verfügung steht.

Um das aAGV bereits im Entwicklungsstadium besonders wartungsfreundlich zu konstruieren, nutzte das Entwicklerteam seine praktische Erfahrung aus der industriellen Produktion. Darüber hinaus fließen auch die Erkenntnisse aus dem laufenden Probebetrieb unter realen Bedingungen als Rückmeldung in die geplante Serienversion ein. Die Serienfertigung soll im Anschluss an die Testphase beginnen. Außerdem ist geplant, das System zu einem späteren Zeitpunkt auch außerhalb von Continental anzubieten.

Autor: jst

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