09.03.2021 - 08:06

Car-to-X – Audi setzt auf Schwarmdaten

Audi nutzt hochpräzise Schwarmdaten zur Verbesserung seines Car-to-X-Dienstes „Lokale Gefahreninformation“. Bei der neuen Version kommt eine Car-to-Cloud-Anwendung zum Einsatz. Die Technologie kann kleinste Veränderungen der Fahrbahn-Haftung erkennen, die Daten zur Verarbeitung in die Cloud hochladen und nachfolgende Fahrern nahezu in Echtzeit zum Beispiel vor Straßenglätte warnen.

Seit 2017 können sich Autos von Audi gegenseitig vor Unfällen, Pannenfahrzeugen, Staus, Straßenglätte oder eingeschränkter Sicht warnen. Dafür wertet der Car-to-X-Dienst „Lokale Gefahreninformation“ verschiedene Daten aus. Zu ihnen gehören die Eingriffe der Elektronischen Stabilisierungskontrolle (ESC), der Regen- und Lichtsensoren, der Scheibenwischer und Scheinwerfer sowie Notrufe und Airbag-Auslösungen. Nun wikk Audi den Service durch hochpräzise Schwarmdaten weiter präzisieren, um die Warnung noch schneller und genauer zu machen. Der Hersteller greift dafür auf die Lösung von NIRA Dynamics AB aus Schweden zurück. Auf dieser Basis haben beide Unternehmen gemeinsam mit Volkswagens Car.Software-Organisation und mit Here Technologies die Gefahreninformation weiterentwickelt.

Im Auto kann das System den zwischen Reifen und Fahrbahn vorhandenen Reibwert anhand des Radschlupfs abschätzen. Dafür nutzt es Fahrwerkssignale wie Raddrehzahl oder Beschleunigungswerte. Es ist bereits in normalen Fahrsituationen permanent aktiv und nicht erst in physikalischen Grenzbereichen, die ein Eingreifen der Fahrwerksregelsysteme erfordern würden. Die Sensordaten sind anonymisiert – bereits im Auto selbst und zusätzlich in der von NIRA Dynamics gehosteten Cloud, an die sie übermittelt werden. Die dort aggregierten Daten werden mit Metadaten wie aktuellen Wetterinformationen oder Erfahrungswerten kombiniert und anschließend von einem NIRA-Server an den Dienstleister Here Technologies weitergeleitet. Dort werden sie in die Here-Standortplattform integriert, die das Straßennetz als präzises dreidimensionales Modell darstellt.

Die Server von Here senden die Warn-Informationen in die Autos, die sich in Gegenden mit schlechten Bedingungen befinden oder sie ansteuern. Fahrerinnen und Fahrer sehen sie als Warnung im Audi virtual cockpit oder im optionalen Head-up-Display.

Je größer die Zahl der Fahrzeuge, die Daten liefern, desto besser kann das System natürlich lernen, analysieren und kartieren und damit die fahrende Person situationsgerecht informieren oder warnen. Das ist das Grundprinzip von Schwarmdaten und Schwarmintelligenz – ein Bereich, in dem Audi in den letzten Jahren umfangreiches Wissen aufgebaut hat. In Europa werden im Jahr 2021 mehr als 1,7 Millionen und im Jahr 2022 mehr als 3 Millionen Fahrzeuge aus dem Volkswagen-Konzern aktuelle Daten für den Dienst Gefahreninformation liefern – ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil für den Volkswagen-Konzern. Der Service soll auch in den neuen Modellen von Audi, Volkswagen, Seat, Škoda, Porsche, Bentley und Lamborghini verfügbar sein.

Laut Volkswagen war die Car.Software-Organisation für die Entwicklung hauptsächlich zuständig. Das Projekt wurde so gestaltet, dass möglichst viele Fahrerinnen und Fahrer unabhängig von der Konzernmarke von den Sicherheitsvorteilen profitieren können. Es handelt sich um die erste Anwendung, bei der Fahrzeugdaten gemeinsam für eine Datenanalyse dieser Art genutzt werden. „Das Projekt für eine verbesserte Gefahreninformation ist ein gutes Beispiel für das große Potenzial einer markenübergreifenden Softwareentwicklung. Gemeinsam mit anderen Konzernmarken und unseren strategischen Partnerunternehmen konnten wir innerhalb von wenigen Monaten einen digitalen Dienst entwickeln und dabei unsere eigenen Software-Fähigkeiten und Größenvorteile nutzen“, sagt Thomas Müller, Leiter Advanced Driving Assistance Systems (ADAS) & Automated Driving (AD) bei der Car.Software-Organisation. „Der verbesserte Dienst ‚Lokale Gefahreninformation‘ ist erst der Anfang – für die Zukunft sehen wir ein vielseitiges Potenzial.“ Gleichzeitig zeigt sich für Außenstehende, dass man beim Gesamtkonzern offenbar wirklich daran arbeitet, die Softwareentwicklung für sämtliche Marken und Fahrzeuge zu zentralisieren.

Mithilfe von aktuellen Reibwertkarten auf dieser Datenbasis sollen Kommunen ihren Winterdienst sozusagen in Echtzeit optimieren können und durch den verringerten Einsatz von Streusalz die Umweltbelastung reduzieren. Fahrerassistenzsysteme können sich prädiktiv vorkonditionieren und noch präziser an den Zustand der Straße anpassen, und die Streckenführung des Navigationssystems kann die Straßenverhältnisse berücksichtigen, um die erwartete Ankunftszeit genauer berechnen zu können. Im Auto kann die Kontrolle des Radschlupfs unter anderem die Entwicklung von Wartungsdiensten rund um den Reifen ermöglichen, indem der Verschleißzustand oder auch das Leistungsniveau des Reifens erkannt wird.

Ü

Autor: jst




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09.03.2021 08:48