12.10.2020 - 12:21

Apcoa, Bosch und Daimler wollen Automated Valet Parking in Stuttgart serienreif machen

Bosch, Mercedes-Benz und der Parkraumbetreiber Apcoa wollen Fahrzeuge am Flughafen Stuttgart künftig fahrerlos und vollautomatisiert parken lassen. Dafür soll das von Bosch und Mercedes-Benz entwickelte Automated Valet Parking (AVP) zur Serienreife gebracht werden.

Die neue Mercedes-Benz S-Klasse ist nicht nur ein digitales Wohnzimmer auf Rädern, sie soll auch das weltweit erste Serienfahrzeug sein mit der notwendigen Technik an Bord für einen künftigen infrastrukturbasierten AVP-Betrieb. Beim Daimler nennt sich diese Sonderausstattung Vorrüstung für den Inetlligent Park Pilot. Damit sei die S-Klasse vorbereitet, künftig per Smartphone-Befehl fahrerlos zu einem reservierten Stellplatz zu fahren.

Pilotparkhaus für den geplanten Serienbetrieb des automatisierten Parkservice ist das P6 am Flughafen Stuttgart. Dort erproben die Unternehmen das Zusammenspiel der Fahrzeugtechnik der S-Klasse mit der intelligenten Infrastruktur von Bosch sowie der digitalen „Flow“-Plattform von Parkraumbetreiber Apcoa. Dank dieser Plattform funktioniert der Parkvorgang komplett ohne Ticket und Bargeld. Aktuell laufen im Flughafenparkhaus die Vorbereitungen zum Start des geplanten Pilotbetriebs von Automated Valet Parking. Ziel des Testbetriebs am Flughafen Stuttgart mit neuen S-Klasse-Fahrzeugen ist es, das reibungslose Zusammenspiel von Fahrzeug, Infrastrukturtechnik und Parkhausbetreiber zu erproben und optimal auf den Kunden anzupassen.

Im Parkhaus des Stuttgarter Mercedes-Benz Museums gehört dieses Problem bereits der Vergangenheit an. Das Regierungspräsidium Stuttgart erteilte Daimler und Bosch die Ausnahmegenehmigung für die weltweit erste vollautomatisierte und fahrerlose Parkfunktion (SAE Level 4). Das war bereits im Jahr 2019. Ein weiteres gemeinsames Pilotprojekt zum Automated Valet Parking von Bosch und Daimler feierte bereits 2018 in Peking erfolgreich Premiere.

Für die Level 4-Parkfunktion in einem Serienfahrzeug ist bei der Version auch, dass künftig mit der erforderlichen Infrastruktur ausgerüstete Parkhäuser verfügbar sind und der nationale Gesetzgeber diesen Betrieb des automasierten Parkens erlaubt. Immerhin muss schon das Fahrzeug dafür mit einer Vorrüstung für eine Fahrfunktion der zweithöchsten Autonomiestufe nach SAE, Level 4, ausgerüstet sein.

Für die neue Art des Parkens per Knopfdruck soll direkt hinter der Einfahrt des Parkhauses P6 am Stuttgarter Flughafen ein großzügiger Drop-off- und Pick-up-Bereich eingerichtet werden. Dort können AVP-Nutzer künftig ihr Fahrzeug abstellen. Während sie bereits zum Terminal laufen und einchecken, parkt die S-Klasse – auf Basis der Informationen der Infrastrukturtechnik – selbständig im Untergeschoss.  Im P6 stehen während der nun startenden Testphase zunächst zwei Parkplätze für selbstparkende Fahrzeuge bereit. Mit dem Start des künftig geplanten fahrerlosen Serienbetriebs und steigender Nachfrage sollen weitere Parkplätze dazukommen.

Infrastrukt und Plattformen

Im Pilotparkhaus am Stuttgarter Flughafen kommen anstelle der bisher eingesetzten Lidar-Sensoren erstmals neue Videokameras von Bosch zum Einsatz, die freie Parkplätze erkennen, den Fahrkorridor sowie dessen Umfeld überwachen und Hindernisse oder Personen auf der Fahrspur erfassen. In einer eigens im Parkhaus installierten Computerzentrale wird die Route der Fahrzeuge zum freien Parkplatz berechnet. Die Informationen der Kameras machen es möglich, dass die Autos eigenständig innerhalb des Parkhauses fahren können – auch auf engen Rampen, was den Wechsel zwischen verschiedenen Stockwerken möglich macht. Die Fahrzeugtechnik setzt die Informationen der Infrastruktur selbstständig in Fahrmanöver um: Wenn die Kameras in der Infrastruktur beispielsweise ein überraschendes Hindernis detektieren, bremst das Fahrzeug sehr schnell in den sicheren Stillstand.

Beim fahrerlosen Parken am Flughafen Stuttgart soll künftig auch die digitale Plattform „Flow“ vom Parkhausbetreiber Apcoa eine entscheidende Rolle spielen. Die App ermöglicht die digitale Abwicklung des Parkvorgangs. Das beginnt mit der verbindlichen Buchung eines Stellplatzes und geht über die berührungslose Einfahrt bis hin zur vollautomatisierten Bezahlung, Rechnungsstellung und der ebenfalls berührungslosen Ausfahrt. Das System erkennt das Kundenfahrzeug und die Schranken öffnen automatisch – ein Ticket und der Gang zum Kassenautomaten sind nicht mehr erforderlich. „Apcoa möchte der erste Parkraumbetreiber werden, der in einem seiner Parkhäuser einen automatisierten Parkservice basierend auf der AVP-Technologie vollumfänglich unterstützt und ermöglicht“, sagt Frank van der Sant, Chief Commercial Officer der Apcoa Parking Holdings GmbH.

Kundinnen und Kunden sollen künftig in den Genuss eines fahrerlosen Parkservice kommen – sobald entsprechend ausgestattete Parkhäuser verfügbar sind und nationale Gesetze einen AVP-Betrieb erlauben. Ziel von Bosch ist es, künftig weitere Parkhäuser mit der AVP-Infrastrukturtechnik auszustatten. Als Europas größte Betreiberfirma hat Apcoa strategisches Interesse, innovative Premiumservices wie AVP in weiteren Parkhäusern anzubieten. Bei einem steigenden Anteil des fahrerlosen und vollautomatisierten Parkservice sollen künftig bis zu 20 Prozent mehr Fahrzeuge auf die gleiche Fläche passen. Zudem bieten sich insbesondere enge, abgelegene und damit wenig attraktive Parkflächen dafür an, dort Autos fahrerlos abzustellen. Das dürfte zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit von Parkhäusern führen.

Autor: jst

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