08.01.2021 - 08:20

Mercedes Benz präsentiert MBUX Hyperscreen

Mercedes Benz hat für sein vollelektrisches Oberklasse-Modell EQS den MBUX Hyperscreen vorgestellt. Die große, gewölbte Bildschirmeinheit zieht sich nahezu über die gesamte Breite von der linken zur rechten A-Säule. Mit lernfähiger Software soll sich das Anzeige- und Bedienkonzept ganz auf seinen Nutzerinnen und Nutzer einstellen.

Das System unterbreitet Fahrerin oder Fahrer personalisierte Vorschläge für zahlreiche Infotainment-, Komfort- und Fahrzeugfunktionen. Dank des sogenannten Zero-Layer muss man weder durch Untermenüs scrollen noch Sprachbefehle geben. Die wichtigsten Applikationen sollen immer situativ und auf den Kontext bezogen auf der obersten Ebene im Blickfeld angeboten werden. Auch für die Person auf dem Beifahrersitz soll der MBUX Hyperscreen ein aufmerksamer Assistent sein – mit einem eigenen Anzeige- und Bedienbereich.

Der MBUX (Mercedes-Benz User Experience) ist inzwischen weltweit in mehr als 1,8 Millionen Pkw von Mercedes-Benz dabei, und auch der Van-Bereich setzt auf MBUX. Vor wenigen Monaten ist in der neuen S-Klasse die zweite Generation dieses lernfähigen Systems an den Start gegangen. Mit dem neuen EQS und dem für ihn optional verfügbaren MBUX Hyperscreen folge nun der nächste große Schritt, heißt es von Mercedes Benz.

Mercedes-EQ. MBUX Hyperscreen

„Der MBUX Hyperscreen ist zugleich Gehirn und Nervensystem des Autos“, so Sajjad Khan, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz AG und CTO. „Der MBUX Hyperscreen lernt den Kunden immer besser kennen und liefert ein maßgeschneidertes, personalisiertes Infotainment- und Bedien-Angebot, bevor der Passagier irgendwohin klicken oder scrollen muss.“

Den MBUX Hyperscreen sieht man bei Daimler als ein Beispiel für die Fusion von digitalem und analogem Design: Mehrere Displays gehen scheinbar nahtlos ineinander über und ergeben ein gewölbtes Bildschirmband. Integriert in diese große digitale Fläche sind analoge Lüftungsdüsen, als Verbindung von digitaler zu physischer Welt, heißt es in einer Pressemitteilung.

Auch die Person auf dem Beifahrersitz erhält einen eigenen Anzeige- und Bedienbereich, der Reisen angenehmer und unterhaltsamer gestalten soll. Mit bis zu sieben Profilen ist eine Individualisierung der Inhalte möglich. Die Entertainmentfunktionen des Beifahrer-Displays sind während der Fahrt allerdings nur im Rahmen der länderabhängigen gesetzlichen Vorschriften verfügbar. Ist der Beifahrersitz nicht belegt, wird der Bildschirm zum digitalen Zierteil. In diesem Fall werden animierte Sterne, also das Mercedes-Benz Pattern, dargestellt.

Für das Zentral- und Beifahrer-Display nutzt Daimler die OLED-Technik. Dort sind die einzelnen Bildpunkte selbstleuchtend; nicht angesteuerte Bildpixel bleiben abgeschaltet und wirken dadurch tiefschwarz. Die aktiven OLED-Pixel hingegen strahlen mit hoher Farbbrillanz, wodurch hohe Kontrastwerte – unabhängig vom Blickwinkel und den Lichtverhältnissen – entstehen.

Alle Grafiken sind in einer durchgängig neuen Farbwelt Blau/Orange gestaltet. Die klassische Cockpit-Anzeige mit zwei Rundinstrumenten wurde mit einem digitalen Laserschwert in einer Glaslinse neu interpretiert.

Dank seines klaren Bildschirm-Designs mit Ankerpunkten soll der MBUX Hyperscreen intuitiv und einfach zu bedienen sein. Ein Beispiel dafür ist demnach der Anzeigestil EV-Modus. Wichtige Funktionen des Elektroantriebs wie Boost oder Rekuperation werden auf eine neue Weise, mit einer sich räumlich bewegenden Spange, visualisiert und somit erlebbar gemacht. Zwischen diesen Spangen bewegt sich schwebend ein linsenförmiges Objekt. Es folgt der Schwerkraft und bildet somit die G-Force Kräfte eindrucksvoll und emotional ab.

Mercedes-EQ. MBUX Hyperscreen

Hilfe künstlicher Intelligenz

Infotainmentsysteme bieten zahlreiche und umfangreiche Funktionen. Zu ihrer Bedienung sind häufig mehrere Bedienschritte nötig. Um diese Interaktionsschritte noch weiter zu reduzieren, hat Mercedes-Benz mit Hilfe künstlicher Intelligenz eine Benutzeroberfläche mit kontextsensitivem Bewusstsein entwickelt.

Das MBUX System zeigt proaktiv und unterstützt durch künstliche Intelligenz die für die Nutzerin oder den Nutzer richtigen Funktionen zur richtigen Zeit (Beispiele siehe weiter unten). Das kontextsensitive Bewusstsein wird sowohl durch Umgebungsveränderungen wie auch das Anwenderverhalten permanent optimiert. Der sogenannte Zero-Layer bietet auf der obersten Ebene der MBUX Informationsarchitektur dynamische, aggregierte Inhalte aus dem gesamten MBUX System und den damit verbundenen Diensten.

Mercedes-Benz hat das Nutzungsverhalten der ersten MBUX Generation untersucht. Die allermeisten Anwendungsfälle fallen in die Bereiche Navigation, Radio/Media und Telefonie. Die Navigationsapplikation steht mit vollem Funktionsumfang daher immer im Zentrum der Bildschirmeinheit.

Über 20 weitere Funktionen – vom Aktiv-Massage-Programm über Geburtstags-Erinnerung bis zum Vorschlag für die To-do-Liste – werden mit Hilfe von künstlicher Intelligenz automatisch angeboten, wenn sie für die Nutzenden relevant sind. „Magic Module“ haben die Entwicklerinnen und Entwickler diese Vorschlagsmodule, die auf der sogenannten Zero-Layer-Oberfläche vorgeschlagen werden, intern getauft.

Hier stellvertretend vier Use Cases. Die User können mit nur einem Klick den jeweiligen Vorschlag annehmen oder ablehnen:

Wer dienstagabends auf dem Nachhauseweg immer eine bestimmte Person anruft, bekommt einen entsprechenden Anruf künftig an diesem Wochentag und zu dieser Uhrzeit vorgeschlagen. Dabei erscheint eine Visitenkarte mit dessen Kontaktinfos, und – wenn hinterlegt – dessen Bild. Alle Vorschläge von MBUX sind an das Profil der nutzenden Person gekoppelt. Fährt an einem Dienstagabend jemand anderes den EQS, unterbleibt also diese Empfehlung – beziehungsweise es kommt eine andere, abhängig von den Vorlieben der jeweils anderen Person. Verwendet man im Winter regelmäßig die Massagefunktion nach dem Hot-Stone-Prinzip, lernt das System dazu und schlägt die Komfortfunktion bei winterlichen Temperaturen automatisch vor.  Schaltet man regelmäßig zur Sitzheizung beispielsweise auch die Heizung von Lenkrad und von weiteren Flächen ein, wird das vorgeschlagen, sobald man die Sitzheizung betätigt.

Das Fahrwerk des EQS kann angehoben werden, um mehr Bodenfreiheit zu bieten. Eine nützliche Funktion bei steilen Garageneinfahrten oder Schwellen zur Verkehrsberuhigung am Boden („sleeping policemen“). MBUX merkt sich die GPS-Position, an der man Gebrauch von der „Vehicle-Lift-Up“-Funktion gemacht hat. Nähert sich das Fahrzeug erneut der GPS-Position, schlägt MBUX selbstständig vor, den EQS anzuheben.

Zahlen, Daten, Fakten zum MBUX Hyperscreen

Beim MBUX Hyperscreen gehen mehrere Displays scheinbar nahtlos ineinander über und ergeben so ein über 141 Zentimeter breites und gewölbtes Bildschirmband. Die für die Passagiere erlebbare Fläche beträgt 2.432,11 cm². Das große Deckglas wird im Mold-Verfahren bei Temperaturen von ca. 650°C dreidimensional gebogen. Dieser Prozess soll den verzerrungsfreien Blick auf die Displayeinheit über die gesamte Fahrzeugbreite ermöglichen, unabhängig vom Radius des Deckglases.

Um zu den wichtigsten Anwendungen zu kommen, muss man durch keine Menüebenen scrollen. Deswegen nennt Mercedes-Benz dies Zero-Layer (Null-Ebene). Für die haptische Rückmeldung bei der Bedienung sitzen insgesamt 12 Aktuatoren unter den Touchscreen-Flächen. Berührt der Finger dort bestimmte Stellen, lösen sie eine spürbare Vibration der Deckscheibe aus.

Zwei Beschichtungen des Deckglases verringern Reflektionen und vereinfachen die Reinigung. Das gekrümmte Glas selbst besteht aus besonders kratzbeständigem Aluminiumsilikat. Zu den Sicherheitsmaßnahmen zählen Sollbruchstellen neben den seitlichen Ausströmern sowie fünf Halterungen, die durch ihre wabenförmige Struktur bei einem Crash gezielt nachgeben können.

8 CPU-Kerne, 24 Gigabyte RAM und 46,4 GB pro Sekunde RAM-Speicherbandbreite gehören zu den technischen Daten von MBUX. Mit den Messdaten einer 1 Multifunktionskamera und zusätzlich 1 Lichtsensor wird die Helligkeit des Bildschirms an die Umgebungsbedingungen angepasst. Mit bis zu sieben Profilen kann der Anzeigebereich für den Beifahrer individualisiert werden.

Autor: jst

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