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21.März 2017

ADAC kritisiert Sicherheit von Keyless-Systemen


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Wenn es nach dem ADAC geht, dann hinken Autohersteller meilenweit den aktuellen Sicherheitsstandards der IT-Branche hinterher. Bereits im Frühjahr 2016 hatte der Automobilclub auf Sicherheitslücken bei Keyless-Systemen aufmerksam gemacht. Laut einer Pressemeldung des ADAC haben die OEMs beim Diebstahlschutz bisher nicht nachgebessert. Mehr als 100 Neuwagen-Modelle wurden auf Sicherheitslücken bei Keyless-Systemen untersucht. Der Club kam demnach zu einem schlichten Fazit: Ausnahmslos alle Fahrzeuge ließen sich mit einfachen Mitteln sekundenschnell öffnen und wegfahren.

Dieses Problem sei herstellerübergreifend, so Thomas Burkhardt, Vizepräsident für Technik beim ADAC. „Autodiebe nutzen diese Schwachstelle mutmaßlich schon seit Jahren aus, ohne dass die Autobauer Abhilfe schaffen. Das zeigt, dass die Automobilindustrie in Sachen IT-Sicherheit gegenüber anderen Branchen noch viel aufzuholen hat.“

Besonders kritisch, weil es die Aufklärung erschwert: Diebstähle per Funkstreckenverlängerung hinterlassen meist keine Spuren. Demgegenüber sieht der ADAC eindeutig zu wenig Engagement auf Seiten der Hersteller. Die rückständige IT-Technologie verursacht verborgene Kosten für Autofahrer, da ihre Automodelle durch vermehrte Diebstähle und der damit verbundenen höheren Schadensquote in der Typklasseneinteilung schlechter eingestuft werden. Da die Keyless-Systeme längst auch bei Klein-und Mittelklassewagen und teilweise sogar als Serienausstattung angeboten werden, sieht der ADAC die Autobauer umso mehr in der Pflicht, die Fahrzeugelektronik vor fremdem Zugriff zu schützen.

Bei einem Fahrzeug mit Keyless-System bleibt der Schlüssel in der Tasche. Kommt er in die unmittelbare Nähe des Autos, öffnet die Zentralverriegelung bei Betätigung des Türgriffes. Außerdem lässt sich der Motor starten, ohne den Schlüssel ins Zündschloss zu stecken. Der Trick bei Keyless-Diebstählen ist simpel: Die Funksignale des Autos zum Schlüssel werden verlängert, und der Dieb greift zu, ohne Krypto-Algorithmen kennen oder brechen zu müssen. Teuer sind die für die Funkverlängerung erforderlichen Geräte nicht, sie lassen sich laut ADAC-Experten für rund 100 Euro aus handelsüblichen Elektronikbauteilen von Laien selbst bauen.

Einen kleinen Trost gibt es bisher: Die als fahrende Computer geltenden Fahrzeuge können aber durchaus auch direkt zum Dieb führen, wie jüngst der Besitzer eines Tesla Model S in Kalifornien bewies. Das Opfer hatte den Dieb und sein Fahrzeug per Tesla-App ausfindig gemacht und den Standort der Polizei mitgeteilt, was zur zügigen Verhaftung des Täters führte.

Editor: Jens Stoewhase mit Pressematerial des ADAC

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